Internet-Law

Onlinerecht und Bürgerrechte 2.0

2.11.12

Schleichwerbung bei Wikipedia

Das OLG München hat mit Urteil vom 10.05.2012 (Az.: 29 U 515/12) den Inhalt eines Wikipedia-Artikels als getarnte Werbung i.S.v. § 4 Nr. 3 UWG und damit als wettbewerbswidrig bewertet.

Der Geschäftsführer eines Unternehmens hatte einen Wikipedia-Artikel bzw. Teile davon zum Thema Weihrauchpräparate verfasst, wobei er sich im Rahmen des Artikels auch mit konkreten Produkten eines Mitbewerbers auseinandergesetzt hat. Genau das hat das OLG München als Schleichwerbung betrachtet, weil dieses Verhalten jedenfalls auch der Förderung des Produktabsatzes seines eigenen Unternehmens gedient habe, weshalb der Werbecharakter hätte deutlich gemacht werden müssen.

Wer sich also als Unternehmer oder Mitarbeiter eines Unternehmens zu Produkten oder Dienstleistungen eines Konkurrenzunternehmens im Netz äußert, muss damit rechnen, dass man solche Äußerungen als werblich einstufen wird, mit der Folge, dass darauf auch deutlich hingewiesen werden muss. Für redaktionell gestaltete Beiträge gilt außerdem das sog. Gebot der Trennung von Inhalt und Werbung (Trennungsgebot) des § 58 RStV. Zudem trifft § 6 TMG im geschäftlichen Bereich weitere Regelungen für sog. kommerzielle Kommunikation, die immer ausdrücklich als solche gekennzeichnet sein muss.

posted by Stadler at 16:14  

7 Kommentare »

  1. “Wer sich also als Unternehmer oder Mitarbeiter eines Unternehmens zu Produkten oder Dienstleistungen eines Konkurrenzunternehmens im Netz äußert, muss damit rechnen, dass man solche Äußerungen als werblich einstufen wird, mit der Folge, dass darauf auch deutlich hingewiesen werden muss.”

    Für Privatpersonen und Nicht-Mitarbeiter gilt das nicht. Bin ich es? Wer soll das prüfen?

    Ich mag spiegel.de und sueddeutsche.de. Das sind gute Leute, die ihren Job verstehen.

    welt.de ist eine Gefahr für jeden Rechner. Was da poppt, hat die Grenze zur Strafbarkeit überschritten. Meidet diese miesen Springerscheiß, den Kotzbrocken.

    zeit.de ist langweilig, aber gefahrlos aufsuchbar. Die wissen sogar was vom Datenschutz.

    Ciao!

    Ps. Sucht mich, Ihr kleinen Luder. Huch….ich habe ja voll die Angst.

    Arschgeigen!

    Comment by Tim — 2.11, 2012 @ 16:58

  2. Wenn ich also Gewerbetreibender bin und mich mit bestimmten Produkten deshalb gut auskenne, darf ich keine Artikel/redaktionelle Beiträge schreiben oder Produkte vergleichen/testen?
    Das ist doch etwas sehr befremdlich, wer soll sonst ein Experte sein, wenn nicht der, der täglich damit umgeht?
    Spielt es nur eine Rolle ob ich ein Gewerbe habe? Es sollte doch viel mehr wichtig sein was der Inhalt des geschriebenen ist und ob dieser fundiert und richtig ist.!

    Ich persönlich betreibe ein Gewerbe (Fachhandel) und habe in einem Buch über den Umgang mit diesem Produkt geschrieben (Wartung und Pflege). Mache ich mich da gleich strafbar, weil ich ein Werkzeug empfohlen habe?

    Die Rechtswelt ist doch nur noch oberflächlich und krank.

    Kleine Anekdote am Rande:
    Ich bin schon mal wegen einem Produktvergleich/Test abgemahnt worden. Hier ging es aber um das Wörtchen “unabhänig”, das ich besser vermieden hätte.
    Das Ende vom Lied war, das mein Gegner seinen Anwalt gewechselt hat und er neue AGB schreiben musste :-)
    Mein Anwalt hingegen war nur stolzer Besitzer eines Trendsportgerätes.
    Wer anderen eine Grube gräbt, sollte erst mal schaun ob bei Ihm in den AGB alles passt.

    Comment by Troll — 2.11, 2012 @ 17:29

  3. @Troll: Oberflächlung und krank? Die Wikipedia ist ein Lexikon. Sie ist keine Werbeplattform, sie ist keine Plattform für Produkt- oder Firmenempfehlungen oder irgendetwas anderes. Die Leute, die da schreiben, gehen davon aus dass sie mit Gleichgesinnten Wissenswertes zusammentragen. Leider stören immer wieder Gewerbliche unter ihnen, die da meinen ihre Produktpalette präsentieren, Kritik heimlich zu löschen oder irgendwie anders subversiv tätig werden zu müssen. Und dann heißt es immer “Nein, ich arbeite nicht für die, ich will nur objektiv sein und sie lügen/haben keine Beweise/…”. Dem Lexikon Wikipedia kommt diese Gerichtsentscheidung also sehr entgegen.

    Auch gegen bisher halblegale, manipulative Werbewebsites ist sie hilfreich. Und ich bezweifle, dass Sie als Gewerbetreibender auf nicht ihrer gewerblichen Website oder ihrem Buch nicht ihr Logo platzieren und somit werbende Absicht automatisch kenntlich machen würden – oder doch? Dann sollten sie sowieso über ihre Methoden nachdenken.

    Comment by Unverständnis — 3.11, 2012 @ 17:53

  4. *oberflächlich

    Comment by Unverständnis — 3.11, 2012 @ 17:53

  5. Die Wikipedia ist kein Lexikon. Es ist eine Webseite zum Mitmachen – auch wenn die Macher selbst der Öffentlichkeit ein anderes Bild implantiert haben. Dementsprechend vorsichtig sollte man mit dem Inhalt umgehen und auf die Orginalquelle zugreifen. Da gibt es einen richtigen, echten Autor…

    Comment by Hubertus — 4.11, 2012 @ 09:56

  6. @5/Hubertus: Die Macher haben gar nichts implantiert, es ist nicht die Schuld der freiwilligen WP-Mitarbeiter, dass die “Öffentlichkeit” nicht lesen kann. Der erste Satz auf der Startseite der Wikipedia lautet: “Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie aus freien Inhalten …” und genau so sieht es aus.

    Wikipedia ist ein Projekt zur Erstellung einer Enzyklopädie. Wie gut das Projekt sich bei der Zielerfüllung anstellt und wie qualitativ hochwertig die dabei entstehende Enzyklpädie am Ende sein mag, steht auf einem anderen Blatt. Niemand aber behauptet, Wikipedia sei eine Enzyklopädie, außer irgendwelchen dahergelaufenen Schreiberlingen, die keine Ahnung davon haben, worüber sie schreiben, und deren gutgläubiger Leserschaft, die blind glaubt, was ihnen vorgesetzt wird.

    Comment by V — 4.11, 2012 @ 17:55

  7. Wikipedia ist leider aus solchen Gründen nicht immer objektiv und leider auch nicht immer zu 100% richtig. Wer sich über etwas informieren will, sollte eh woanders nachgucken.

    Comment by Pia B. — 5.11, 2012 @ 11:54

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