Internet-Law

Onlinerecht und Bürgerrechte 2.0

4.3.12

Müssen wir uns vom Konzept des geistigen Eigentums verabschieden?

Ein Blogbeitrag des Kollegen Arnd Kulow und eine aktuelle Diskussion auf Twitter, haben mich dazu inspiriert, ein paar Gedanken zum schillernden Institut des geistigen Eigentums (Intellectual Property) niederzuschreiben, das in der gesamten westlichen Welt, trotz zunehmender Kritik, als praktisch unumstößlich gilt.

Eigentum an Sachen ist etwas, was die Menschheit seit Jahrtausenden kennt und anerkennt. Das Konstrukt des geistigen Eigentums stellt demgegenüber eine (juristische) Fiktion dar, die erst wenige Jahrhunderte alt ist und die von der Vorstellung getragen wird, dass man die Inhaberschaft an einem Geisteswerk in gleicher Weise wie eine Sache einer einzelnen Person ausschließlich und absolut zuordnen kann.

Bevor wir über die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer Reform des Urheberrechts sprechen, ist es vielleicht notwendig, noch einen Schritt zurückzugehen und die Prämisse von der Existenz eines geistigen Eigentums auf den Prüfstand zu stellen.

Der Journalist Dirk von Gehlen hat genau das in seinem Buch “Mashup” – dessen Lektüre ich wirklich jedem empfehlen kann, der in der Urheberrechtsdebatte seinen Horizont erweitern und über den Tellerrand blicken will – getan, wobei sein Ausgangspunkt nicht das “geistige Eigentum”, sondern dessen Widerpart die Kopie ist.

Die Kopie wird in unserer modernen Gesellschaft als etwas Minderwertiges betrachtet und in urheberrechtlicher Hinsicht eindimensional zumeist nur als Urheberrechtsverletzung. Ihr Gegenstück ist, zumindest in unserer Wahrnehmung, das Original, und damit nach verbreiteter Vorstellung ein Geisteswerk, das von einem Urheber geschaffen wurde, dem regelmäßig der Ruf der Genialität anhängt. Von Gehlen erläutert schlüssig und nachvollziehbar, dass es sich beim Kopieren um eine jahrtausendealte Kulturtechnik handelt, die der Menscheit nicht nur ihr Überleben gesichert, sondern vielmehr dafür gesorgt hat, dass sich die Menschheit weiterentwickeln konnte. Der Motor des menschlichen Fortschritts war also etwa hunderttausend Jahre lang keineswegs der Schutz geistiger Leistungen, sondern vielmehr sein nunmehr ungeliebter Widersacher die Nachahmung und Kopie. Erst seit 200 Jahren gilt diese in der westlichen Welt als minderwertig, während sie beispielsweise in asiatischen Kulturen eine ganz andere Bedeutung und einen ganz anderen Stellenwert innehat, was einer der Gründe für den wirtschaftlichen Aufstieg von Staaten wie China sein dürfte.

Eine nach wie vor mächtige Lobby versucht uns allerdings einzureden, dass das Urheberrecht und die gewerblichen Schutzrechte die Grundlage von Wohlstand und Fortschritt seien. Gleichzeitig hat man es geschafft, die Kopie als unerlaubte Vervielfältigung zu pönalisieren und mithilfe der Fiktion vom geistigen Eigentum auch mit dem Diebstahl oder gar dem Raub gleichzusetzen. Wer dies in sprachlicher und juristischer Hinsicht analysiert, wird schnell merken, dass es kaum einen unpassenderen Begriff gibt als den der Raubkopie. Denn beim Raub wird etwas weggenommen und zwar mit Mitteln der Gewalt. Beim urheberrechtswidrigen Kopieren wird aber weder Gewalt angewendet noch findet eine Wegnahme statt. Es wird ganz im Gegenteil etwas hinzugefügt, weshalb der Begriff der Raubkopie die denkbar unpassendste Beschreibung einer urheberrechtswidrigen Vervielfältigung ist. Der Begriff der Raubkopie stellt ein Oxymoron dar.

Wir müssen uns deshalb wohl die Frage stellen, ob der erste Schritt hin zu einer halbwegs neutralen Herangehensweise nicht in der Abkehr von unpassenden und irreführenden Begriffen besteht. Begriffe wie geistiges Eigentum und Raubkopie dienen der Ideologisierung und behindern damit die notwendige Sachdiskussion.

Außerdem ist ergebnisoffen die Frage zu diskutieren, ob eine fortlaufende Verschärfung des Urheberrechts tatsächlich dem Wohl der Allgemeinheit dient, oder ob nicht auch das Gegenteil zutreffend sein könnte. Denn das “geistige Eigentum” steht in wesentlich stärkerem Maße in einem Spannungsverhältnis zu den Belangen der Allgemeinheit als dies beim Sacheigentum der Fall ist. Das hat der Gesetzgeber im Grunde auch erkannt, andernfalls hätte er im Urheberrechtsgesetz keine Schranken des Urheberrechts definiert. Die Lobby der Rechteinhaber setzt freilich alles daran, diese Schranken wieder einzudampfen. Wenn man in dogmatischer Hinsicht den eingeschlagenen Weg des geistigen Eigentums weiter gehen möchte, wird man sich allerdings früher oder später der Einsicht nicht verschließen können, dass diese Form des Eigentums einer deutlich stärkeren Sozialbindung unterliegen muss als das klassische Sacheigentum.

Dass das Konzept des geistigen Eigentums Bildung und Wissenschaft beeinträchtigt, ist naheliegend. Auf ein diesbezügliches Beispiel aus der Praxis habe ich hier bereits hingewiesen. Sozial schädliche Auswirkungen des geistigen Eigentums zeigen sich noch deutlicher am Beispiel der Generika-Diskussion. Weil Patente es erlauben, Nachahmerprodukte zu verbieten und damit den Preis teuerer Orginalmedikamente hochzuhalten, sterben weltweit Menschen. Sie sterben speziell in den Entwicklungsländern deshalb, weil sie sich die teueren Originalmedikamente beispielsweise gegen AIDS nicht leisten können und billige Generika aus patentrechtlichen Gründen nicht verfügbar sind.

Dass aber auch die weit verbreitete These vom Urheberrecht als Innovationsschutz kritisch zu hinterfragen ist, verdeutlicht ein – zugegebenermaßen bereits häufiger bemühtes – Beispiel. Mozart gilt zu Recht als eines der größten und originärsten Genies der Musikgeschichte. Weniger bekannt ist, dass sein Werk – nach heutigem Verständnis – von Plagiaten durchsetzt ist. Denn Mozart hat sich gerne bei anderen Komponisten seiner Zeit bedient, was zu dieser Zeit auch nicht als anstößig galt. Das war ihm allerdings nur deshalb möglich, weil es noch kein Urheberrecht gab. Das Werk Mozarts könnte unter Geltung des heutigen Urheberrechts in seiner uns bekannten Form wohl überhaupt nicht mehr entstehen, weil es zu viele Urheberrechtsverletzungen beinhalten würde. Wer also sagt, dass das Urheberrecht Innovation fördert, der muss auf der anderen Seite erkennen, dass das Urheberrecht auch Innovation verhindert. Die Auswirkung des Urheberrechts auf die Innovation ist deshalb eher zwiespältig und keinesfalls so eindeutig, wie es uns gerne erzählt wird.

Die vorherrschende Betrachtungsweise hängt sehr stark an der Vorstellung und dem Wunsch nach einem Original. Dahinter steckt das Bild eines genialen Schöpfers, den wir Urheber nennen, der ein originäres Geisteswerk schafft, das für sich alleine steht.

In Wirklichkeit sind die meisten Urheber aber Zwerge, die auf den Schultern von Giganten stehen. Ein zu wenig beachteter Aspekt, den Dirk von Gehlen in seinem Buch “Mashup – Lob der Kopie” ebenfalls herausarbeitet. Es gibt keine originären Werke, die aus dem Nichts entstehen. Vielmehr knüpft jeder Urheber an etwas Bestehendes an und entwickwelt es weiter. Und an dieser Stelle offenbart sich das Dilemma des Urheberrechts, das bislang ignoriert wird. Das Urheberrecht erweist sich als als Hemmschuh, das selbst wirkliche Genies wie Mozart ausgebremst hätte. Oder um es mit Oscar Wilde zu sagen: “Talent borrows, genius steals”. Gerade auch das Genie muss auf das Bestehende zurückgreifen und hat es daher schwer, sich unter den Gegebenheiten des modernen Urheberrechts zu entfalten.

Um dieses Spannungsverhältnis, das unter den Gegebenheiten einer Informationsgesellschaft noch deutlich verschärft wurde, aufzulösen, sehe ich grundsätzlich zwei unterschiedliche (rechtsdogmatische) Lösungsansätze.

Man kann und sollte sich meines Erachtens von der Vorstellung des geistigen Eigentums verabschieden und aufhören, das Urheberrecht oder gewerbliche Schutzrechte als absolute, eigentumsgleiche Rechte zu betrachten. Vielmehr sollte man übergehen zu einem Konstrukt einer zwar geschützten Rechtsposition, die sich aber der ergebnisoffenen Abwägung mit anderen legitimen Interessen und Rechtspositionen stellen muss und keinen regelmäßigen Vorrang für sich reklamieren kann.

Wenn man stattdessen den tradierten Weg fortsetzen will, so muss man doch erkennen, dass es dem Wesen des “geistigen Eigentums” entspricht, einer wesentlich stärkeren Sozialbindung zu unterliegen als das Sacheigentum. Denn Geisteswerke sind gleichzeitig auch Bestandteil des Wissens und der Kultur der gesamten Menschheit und als solches ab dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung auch Allgemeingut. Sie sollten deshalb idealerweise nicht nur ungehindert zugänglich sein, sondern auch einer möglichst ungestörten Weiterentwicklung unterliegen.

posted by Stadler at 10:48  

92 Kommentare »

  1. stimme völlig zu. und wenn dir DVGs Mashup gefallen hat, dann empfehle ich, dir auch noch Byung-Chul Hans “Shanzhai” zuzulegen. ein dünnes, kleines büchlein, ideal für einen sonntag nachmittag, über das alternative verständnis von originalität im chinesischen kulturkreis.

    Comment by leonido — 4.03, 2012 @ 11:08

  2. Manche Aufwendungen werden ausschliesslich im Hinblick auf die Verwertung gemacht (z.B.Pharmazie). Was geschieht, wenn die keinen Schutz mehr geniessen? Soll es nur mehr staatliche Forschung geben? Staatliche Kunst gar? Staatskünstler?
    Meine Meinung. Grundsätzlicher Schutz, aber allgemeines Recht auf Zugriff gegen Entgelt, das im Einzelfall sozial veträglich gemindert werden kann.

    Comment by Piccolruaz R. — 4.03, 2012 @ 11:29

  3. @Piccolruaz R.: Wer als Künstler Kunst betreibt mit dem einzigen Ziel Geld zu verdienen, der ist kein Künstler sondern ein Hamsterrad mit Gelddruckmaschine. Gerade Kunst ist ein Ausdruck von Gedanken und Gefühlen. Diese zum Zwecke der Gewinnoptimierung zu produzieren macht keinen Sinn, denn man möchte ja Gedanken und Gefühle übertragen. Da ist erst einmal kein Monetärer Gedanke dabei. Das Geld kommt erst ins Spiel wenn der Künstler vollberuflich seiner Kunst nachgehen will. Aber dann muss er einfach bereit sein, die Menschen zu _überzeugen_ ihm Geld zu geben ohne sie dazu zu zwingen.

    Als zweites, die Pharmabranche dürfte eigentlich nicht in privatwirtschaftlicher Hand sein. Denn privatwirtschaft hat nur ein Ziel: Gewinnmaximierung. Der Auftrag eines Unternehmens ist jedoch, eine Dienstleistung für die Menschen zu sein. In den meisten Fällen harmonisiert das ganz gut, aber in der Medizin leider nicht. Denn die Phamaindustrie verdient an kranken Menschen. Das bedeutet, je mehr Kranke es gibt, desto höher sind die Gewinne. Die Phamaindustrie hat daher ein natürliches Interesse daran, dass die Menschen Krank sind. Am bessten kronisch krank. Da ist also ein natürlicher Interessenkonflikt zwischen der Wirtschaftlichkeit und der gesellschaftlichen Bedeutung des Phamakonzerns. Eine lösung wäre, die Patentierung von Medizin zu verbieten und die entwicklung von Medikamenten von der Gesellschaft bezahlen zu lassen. Wenn sich die Gesellschaft Gesundheit leisten möchte, kann sie das gerne tun. Die Ergebnisse dieser Forschung müssen dann aber vollständig frei zur Verfügung gestellt werden. Das entspricht eher einer sozialistischen Idee, aber aus dem gleichen Grund ist die Polizei ja auch staatliche Gewalt. Die Polizei hat ein natürliches Interesse daran, dass es verbrechen gibt. Würde sie ein Wirtschaftsunternehmen (wie es in GB gerade angestrebt wird), dann kann man davon aus gehen, dass auch da ein Interessenskonflikt entsteht.

    Was das Urheberrecht auch nicht beachtet ist, wenn 2 Menschen unabhängig von einander auf die gleiche Idee kommen. Darf der, der die Idee zuerst hatte (oder schneller war, beim Anmelden) dem 2. verbieten seine Idee umzusetzen? Mit welcher Begründung? Kopieren, nachahmung sollte ein Menschenrecht sein. Denn sonst laufen wir Gefahr mehr darüber wissen zu müssen was wir wissen dürfen als was wir tatsächlich wissen.

    Comment by Blub — 4.03, 2012 @ 11:49

  4. China? Ausbeutung billiger Arbeitskräfte und das Anbieten deren Leistung auf dem Weltmarkt, das ist doch der Grund für den “wirtschaftlichen Aufstieg”. Unseren Massenwohlstand haben die noch lange nicht erreicht. Übrigens. Japan hat u.a. auch durch Plagiate einen Aufholprozess gestartet. Nach Erreichung unseres Wohlstandes schätzt es sehr wohl wieder (eigene) Patente und will auf die Antriebskräfte der Wettbewerbswirtschaft nicht verzichten. Wollen wir das?

    Comment by Piccolruaz R. — 4.03, 2012 @ 11:51

  5. @ Blub. Soso, Künstler sollen also mit dem Hut in der Hand ihr Brot verdienen. Und ins Internet stellen mit “donate!”

    Ob stattliche Forschung so effizient ist wie private wage ich zu bezweifeln. Wenn das Urheberrecht fällt wird Kraetives nur mehr vom Staat alimentiert, wie in der DDR. Aber auch eine CSU-Regiment würde in manchen Gebieten Spitzenleistung erwarten lassen-

    Comment by Piccolruaz R. — 4.03, 2012 @ 11:59

  6. @Piccolruaz R.

    Gerade im Bereich der Pharmazie ist das eine sehr schwierige Angelegenheit. Der Radiomoderator Holger Klein redet in seinem privaten Podcast WR050 (http://www.wrint.de/2012/02/27/wr050-ortsgesprach-philipp-frisch-arzte-ohne-grenzen/) beispielsweise mit einem Vertreter von Ärzte ohne Grenzen sehr intensiv auch über die Bedeutung von Generika für die Medikamentenversorgung in Südafrika, vor allem für die ärmeren Bevölkerungsgruppen.

    Natürlich wird viel Geld durch die Pharmazie investiert und soll wieder erwirtschaftet werden, jedoch bedeutet das auch, dass Medikamente nicht nach globalem Bedarf entwickelt werden, sondern nach ihrer Renditemöglichkeit. Es werden Medikamente entwickelt, mit denen sich (v.a. in der entwickelten Welt) viel Geld verdienen lässt. Das trifft bspw. auf HIV-Therapien zu, die im Westen genauso gebraucht werden, wie im globalen Süden aber auch. Doch dort sind moderne Medikamente dann zu teuer. Der Einsatz indischer Generika hat dort hingegen für eine Verbesserung der humanitären Lage gesorgt. Jedoch ist dieser Einsatz auf Medikamente beschränkt, die vor 2005 entwickelt wurden, als der Patentschutz in Indien noch nicht auf dem Stand der WTO war, wie er durch TRIPS vorgeschrieben wird.

    Auf der anderen Seite wird überhaupt nicht an Medikamenten und Therapien für Krankheiten geforscht, die in unterentwickelten Nationen weit verbreitet, in der entwickelten Welt aber so gut wie gar nicht auftreten. Hier zeigt das bisherige System eben die Absurdität von marktwirtschaftlichen Mechanismen, die sich an das Konzept des geistigen Eigentums anschließen. Obwohl es eine Nachfrage gäbe wird kein Angebot geschaffen, weil die Renditeerwartungen nicht ausreichen würden, durch die fehlende Finanzkraft der Nachfragenden.

    Damit disqualifiziert sich diese Art geistigen Eigentums für den Bereich Pharmazie quasi von selbst. Wie man es stattdessen machen könnte, macht bspw. die X-Prize-Foundation vor: es werden Ziele ausgeschrieben, die es zu erreichen gilt. Derjenige, der seinen Beitrag dazu liefert, diese Ziele zu erreichen und seine Forschungsergebnisse offenlegt, kann die von bspw. staatlicher oder über-staatlicher Seite ausgeschriebenen Preisgelder als Kompensation für seinen Aufwand erlangen, wie es derzeit mit Patenten gehandhabt wird. Jedoch obliegt die Lizenzvergabe dadurch nicht mehr dem Patentinhaber und für humanitäre Zwecke lassen sich günstige Medikamente durch beliebige Anbieter herstellen.

    Comment by Patrick H. — 4.03, 2012 @ 12:01

  7. Wenn man sich die ganzen wissenschaftlichen Journale noch etwas genauer anschaut, dann merkt man erst, wie pervertiert das ganze System ist.

    Damit ein Wissenschafter “Anerkennung” bekommt, muss er in Fachzeitschriften publizieren. Doch was publiziert ein Wissenschafter da? Erkenntnis die er dank einer Bildungseinrichtung etc. hat schaffen können.

    Allerdings, wenn er publiziert werden will, muss er (zumindest in medizinischen Fachjournalen) häufig noch etwas bezahlen und zudem die ganzen Urheberrechte abtreten.

    Also die Allgemeinheit sorgt dafür, dass der Wissenschafter forschen kann. Als Dank dafür publiziert er und tritt dieses Wissen ab.

    Sodann wird die Peer-Review ja an sich auch wieder von anderen Wissenschaftern gemacht, welche dafür zumeist auch nicht bezahlt sind.

    Und der Verlag, hat dann die Urheberrcht inne, ohne das er irgendwas hätte leisten müssen, die Journale verkauft er wiederum an Bildungsinstitute – sie werden also wiederum von der Allgemeinheit finanziert.

    Das kann doch so einfach nicht sein!

    Comment by SJ — 4.03, 2012 @ 12:08

  8. @Piccolruaz R.

    Künstler müssen nicht auf almosen angewiesen sein. Wenn ihre Leistung so gut ist, dann bezahlen die Menschen freiwillig für die Kunst die sie bekommen. Es gibt genug Beispiele von crowdfunding in der letzten Zeit. Der Ansatz funktioniert. Man muss sich nur von der Vorstellung befreien dass man von allen Konsumenten der Kunst das Geld ab presst.

    Außerdem muss ein Künstler ja nicht von Anfang an hauptberuflich künstler sein. Er kann ja auch eine ganz normale Arbeit haben und in seiner Freizeit Künstler sein. Einfach weil es ihm Spaß macht. Und wenn er dann merkt, dass er mit seiner Kunst genug Geld zum Leben verdienen kann, dann steht ihm ja nichts im Weg hauptberuflich Künstler zu sein.

    Comment by Blub — 4.03, 2012 @ 12:28

  9. Völlig richtig. Im Übrigen ist das Kopieren nicht nur eine Kulturtechnik, sondern auch eine Biothechnik. Unsere Sinne schicken ja nicht die originalen Dinge, Klänge, Gerüche etc ins Hirn, sondern Kopien davon. Wenn wir nicht mehr kopieren dürfen, werden wir alle störben.
    Kleiner sprachlicher Fehler zu Beginn des 5. Absatzes: “Die Kopie wird … Sein Gegenstück ist, …” Es muss aber “Ihr Gegenstück” heißen, denn die Kopie ist weiblich.

    Comment by Bart — 4.03, 2012 @ 13:06

  10. Als erstes ein herzliches Danke für den Beitrag – ich schreibe derzeit meine Seminararbeit über “Appropriation Art“ und deren rechtliche Grenzen und habe vielleicht erst in diesem Rahmen die Problematik genauer erfasst. Ich hoffe ich werde in dem oben genannten Buch noch ein paar weitere Anregungen finden.

    Zum Thema: der genannte erste Vorschlag trifft in meinen Augen zumindest in der Wirkungsweise das US-amerikanische „fair use“-Prinzip, auch wenn ich ein solches im Ergebnis für wünschenswerter erachte als das derzeitige System, dürfte es mit deutschem Recht wohl kaum vereinbar sein. Ohnehin geht meine persönliche Meinung in Richtung einer umfassenden UrhG Reform, warum noch verkrampft an einem Gesetzt festhalten, was in der derzeitigen Form bereits jetzt seine Grenzen mehr als klar aufgezeigt bekommt und sich hinsichtlich des Mediums “Internet“ gänzlich überfordert zeigt.

    Die Idee “weg vom geistigen Eigentum“ ist dabei allerdings in meinen Augen zu drastisch, man könnte einen ähnlichen Erfolg wohl auch bereits mit einer Verkürzung der Schutzfristen ( zehn, vielleicht fünfzehn Jahre) erreichen oder durch den Schritt, mich mehr auch die allerkleinste Münze schützen zu wollen.

    Insofern möchte ich auf einen durchaus lesenswerten (wenn es nach meiner Ansicht ginge aber nur teilweise zustimmenswerten) Beitrag von Prof. Peifer in FS Pfennig aus 2012 (genaue Stelle habe ich gerade nicht im Kopf, reiche ich bei Bedarf nach) hinweisen, der meines Erachtens relativ treffende Probleme des geistigen Eigentums erörtert.

    Gruß,

    Lars

    Comment by Lars (@Lsawesome) — 4.03, 2012 @ 13:10

  11. @Piccolruaz R. Ihr Kommentar zeigt auf ein weiteres Problem in dieser Debatte: Die Subsummierung von allerhand teilw. antagonistischen Interessenlagen unter den Begriff des “Intellectual Property”. Da finden sich dann plötzlich öffentlich-rechtlich finanzierte Medienanstalten in trauter Einigkeit mit kommerziellen Rechteverwertern in einer sogenannten “Content-Allienz” und kämpfen vermeintlich für die Rechte der Urheber (worüber diese sich mehr als verwundert die Augen reiben). E
    Dahinter scheint eine gewisse Methode zu stecken.

    Schon im Bereich Forschung klafft eine riesige Lücke zw. dem Interesse der Allgemeinheit an ihren mit öffentlichen Mitteln geschaffenen Ergebnissen (die heuer immernoch nicht frei und offen publiziert, d.h. der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, ohne einen unüberwindbare Paywall davor zu setzen und der kommerziell organisierten Auftragsforschung. Letztere würde geineswegs versiegen, wenn die Patentrechte etwas weniger restriktiv ausgestaltet werden – im Gegenteil. Wo ein potenzieller Markt, da auch ein potenzielles Geschäft. Es wären nur die Umgebungsbedingungen, die sich ändern, etwas monopolfeindlicher ausgerichtet vielleicht, aber das muss per se die Wirtschaft nicht behindern.

    Zum Künstler wurde alldieweil schon viel gesagt und geschrieben. Meine Auffassung dazu ist, dass ein Künstler seine Kunst entweder machen will – um nicht zu sagen, machen “muss” – oder sich alternativ eine andere Erwerbsarbeit suchen kann. Es besteht keinerlei Zwanf, ein mutmasslich vorhandenes Talent auch zur Lebensgrundlage machen zu müssen. Das steht jeden frei, es zu versuchen und wenn die Regeln und Möglichkeiten vorher allgemein bekannt sind, dann weiss jeder auch, worauf er oder sie sich einlässt, nämlich auf ein gewisses Risiko, dass es nicht so funktioniert, wie gedacht.

    Im Gegensatz zu früher profitieren heuer die Künstler vor allem aus dem direkten Kontakt zu ihrem Publikum. Ihr vermeintliches Produkt – nehmen wir die beispielhafte Musik – resp. der “content” ist in Zeiten, wo jeder, jederzeit und an fast jedem Ort die Möglichkeit hat, perfekte Kopien zum selstkostenpreis anzufertigen, nicht mehr das Produkt, sondern die Werbung für den Künstler, die sich umso schneller verbreitet, je besser (qualitativ hochwertiger) sie ist. Diese Werbung sorgt für Aufmerksamkeit, diese wiederum für echtes Interesse und dort bietet sich dann der ansatz fürs Geschäft.

    Um es kurz zu machen: Das Geschäftsmodell der sogenannten “Content-Industrien” bestand nie darin, Kreativität zu fördern oder gar zu generieren – es bestand hauptsächlich in der monopolisierten Fähigkeit, hochwertige Kopien massenhaft anzufertigen und unters Volk zu bringen.

    Dafür gibt es heute immer weniger Bedarf.

    Comment by Dominic — 4.03, 2012 @ 13:19

  12. Die Abschaffung des “geistigen Eigentums” zu fordern ist ja in unserer zeit der Selbstbedienungsmentalitat im Trend und kommt immer gut – Wenn dann man dann aber konkrete Gegenentwürfe machen soll wird es wolkig, so auch bei Ihnen werter Herr Stadler. Ein bisschen Sozialbindung und daher einfach freie Verfügbarkeit von allem? Wer geistige Leistungen schafft soll einfach zusehen müssen wie andere, die mächtiger sind (mehr Geld haben) die eigene Idee ausbeuten – eine blauäugige Forderung um den Wohlstand der westlichen Wert zu zerstören.
    Mozart ist natürlich auch ein tolles, plakatives Beispiel. Ein paar allgemeine Behauptungen, ohne irgendwelche konkreten Nachweise. Natürlich hat Mozart sich von anderen Komponisten inspirieren lassen (wie fast jeder Künstler), aber doch immer (?) darauf basierend eine eigene, selbst schutzwürdige Kreationen geschaffen. Ein sehr gutes besispiel dafür sind Wagners “Meistersinger”: Beruht größtenteils auf Bach, insbesondere das erste Motiv, aber ist dennoch eine genuine Schöpfung.

    Comment by HansCastorp — 4.03, 2012 @ 13:54

  13. Ich glaube, bevor man operativ in einzelnen Zweigen Vorschläge final diskutiert, sollte man bei Stadlers Kerngedanken bleiben und sich fragen, ob die Übertragung der Rechtsfigur des Eigentums an Sachen aus dem Römischen Recht auf das sogenannte “Geistige Eigentum” sinnvoll war und nützlich.

    Es gibt nur wenig empirische Literatur. Einer der Beiträge verneint die Nützlichkeit des Urheberrechtes: die Einführung habe die Vergütungen der Urheber verringert und der Bevölkerung weniger Kreativität gebracht.
    http://www.heise.de/tp/artikel/33/33092/1.html

    Wir sehen, dass im Patentrecht Gelderwerb über Schutz vor AIDS gestellt wird. Das ist gegen unsere Werteordnung und von selbst von Georg Bush verneint.

    Wir sahen hier am Board, dass der Exzessive Markenschutz Wettbewerb verhindert wie bei den unsinnigen Rechtsstreitigkeiten um Apples iPad.

    Wir sehen in der Software, dass Patente auf Ideen den Wettbewerb behindern und kleinen und mittleren Softwareunternehmen das Leben gegen die großen Monopolisten schutzlos erschwert.

    Wir sehen im Internet, dass das Urheberrecht nur im Polizeistaat durchsetzbar ist, wo statt eines Marktes ein Phalanx aus Abmahnanwälten, ISP’s und Staatsorganen für Umsatz sorgen sollen, der auf Basis unserer Wirtschaftsordnung, der Marktwirtschaft, nicht erzielbar ist. Da werden wir diskutieren müssen, ob wir nur für den Erhalt eines missratenen Konstruktes “Geistiges Eigentum” unsere Wirtschaft von Marktwirtschaft auf sozialistische Stasi-Verwaltungswirtschaft umstellen wollen (mit den aus dem Sozialismus bekannten Wohlstandsverlusten).

    Meine persönliche Meinung ist, dass mit Internet der Begriff des “Geistigen Eigentums” rein faktisch nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Deshalb sollte man auch dogmatisch ihn abschaffen.

    Urheber müssen (vielleicht) vergütet werden (wenn wir das marktwirtschaftliche Risiko wie bei Angestellten ausschalten wollen), leistungslose Verwerter nicht.

    Auf carta läuft noch eine absurde Diskussion: dort will man das geistige Eigentum für fotomechanische Kopien der Realität weiterhin als hohe Schöpfungshöhe vergütet wissen: Kopien der Realität als geistiges Eigentum des Kopierers :-)
    http://carta.info/41649/was-ist-dir-ein-foto-wert/

    Comment by Jan Dark — 4.03, 2012 @ 14:14

  14. Ich finde den Gedankengang interessant, dass die Menscheit sich nur durch Nachahmung bzw. das “Kopieren” weiterentwickeln konnte.

    Das könnte man m.E. sogar anthropologisch begründen bzw. erweitern: der Mensch ist ein soziales Tier und unser Gehirn ist seit Millionen von Jahren darauf spezialisiert durch die Verbindung von Nachahmung (“Lernen”) vorhandener Ressourcen und das sukzessive hinzufügen neuer (eigener) Elemente voranzukommen. Dazu gibt es genug Empirie.

    Das gegenwärtige Konzept des Urheberrechts läuft folglich dieser natürlichen Grundlogik zuwider und behindert damit den Fortschritt (wenn man die Hypothese akzeptiert, dass Fortschritt grundsätzlich noch genauso zustande kommt wie vorher / vor zig Jahrtausenden auch).

    ABER: ich finde auch, dass dieses Argument nur für einen kleinen Teil der Anwendungsfälle gilt. Fakt ist nämlich, dass eine Armada tendenziell jüngerer Leute nicht gegen Urheberrechte wettert, weil sie sie daran hindern, kreative “Mashups” -also mit einer Eigenleistung- zu fabrizieren, sondern weil sie schlicht und einfach umsonst unverändertes Material konsumieren wollen (heruntergeladene Musik, Filme, Bilder).

    UND: Die Mechanismen sind heute eben etwas anders als vor 500 Jahren. Man muss heute auch (Markt)Anreize schaffen, um die Leute zu (mehr) Kreativität zu ermuntern. Und das geht eben meistens nur dann, wenn ich ihnen für etwas Neues eine für einen gewissen Zeitraum gesicherte Rente daran zusichere. Das Patentrecht ist ein Paradebeispiel dafür und ich habe bisher noch niemanden ernsthaft darüber lästern hören, dass es ein Patentrecht gibt.

    Da einen sinnvollen Kompromiss für die Gestaltung moderner Urheberrechte zu finden wird also noch ein strammes Stück Arbeit. Wie das allerdings unsere “Experten” in der Politik leisten wollen, die eher damit Beschäftigt sind, sich und ihrer speichelleckenden Entourage auf jedwedem möglichen und unmöglichen Weg materielle Vorteile zu verschaffen, das ist mir noch ein Rätsel.

    Comment by Media Addicted — 4.03, 2012 @ 15:09

  15. Treibe wir es doch auf die Spitze: Wieso soll nicht ALLES unentgeltich sein? Auto, Miete, Smatphone – staatsfinanziert, versteht sich. Einfach unzumutbar für alles Geld zu verlangen. Unsere Löhne? brauch wir keine mehr – sie oben!

    Für einen Song ein paar Cent bezahlten – unzumutbar!! Und Hollywoodfilme – wer braucht das, genügen doch die Produkte staatlicher Filmamkademien, die man dann unentgeltich herunterladen kann.

    Schöne neue Welt!

    Comment by Piccolruaz R. — 4.03, 2012 @ 15:35

  16. Hier legt sich wirklich jeder die Argumente, wie er sie braucht (ich wahrscheinlich auch). Das Historische Kopieren hat mit dem digitalen Kopieren wenig zu tun. Denn heute muss ich nicht mehr nachahmen, ein vorhandenes Produkt nicht neu erschaffen. Ich kann es 1:1 kopieren, per Mausklick. Verbesserungen erfährt es dabei nicht. Innovation? Fehlanzeige! Wer etwa ein Foto von mir schön findet, kann gerne ein ähnliches machen. Wenn ich aber dafür nach Tasmanien geflogen bin, sollte es dem Nachahmer nicht erspart bleiben.

    Die Künstler-Diskussion empfinde ich als verlogen. Wer seit Jahren als Künstler Geld verdient, muss sich nicht umorientieren. Er hat das Gesetz auf seiner Seite, das Geschäftsmodell danach ausgerichtet. Wer das Gesetz ändern will, soll sich dafür einsetzen. Aber bis zu einer Änderung haben seine Forderungen keine Berechtigung. Anderenfalls müsste Windows seit 15 Jahren Freeware sein, weil man “ja eh nichts” gegen die Raubkopien machen kann.

    Comment by Michael — 4.03, 2012 @ 16:05

  17. @Media Addicted
    “Und das geht eben meistens nur dann, wenn ich ihnen für etwas Neues eine für einen gewissen Zeitraum gesicherte Rente daran zusichere. Das Patentrecht ist ein Paradebeispiel dafür und ich habe bisher noch niemanden ernsthaft darüber lästern hören, dass es ein Patentrecht gibt.”

    Wenn man sich dem Gang der Dinge verschließt, dann kann man zu solchen Konklusionen kommen. In der realen Welt sieht es anders aus. Georg Bush hat klar gesagt, wenn in USA eine Epidemie droht, dann scheisst er auf Patente, wenn es um Impfstoffherstellung geht. Bei AIDS in Afrika hat man in USA die gegenteilige Meinung: Wer nicht die Lizenzen für Patente bezahlen kann, verreckt eben.

    Software-Patente erwürgen Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen, ganz anders als in deiner erträumten Romantik:
    http://www.nosoftwarepatents.com/de/m/intro/index.html

    Gerade bei Software haben wir es gesehen: mit Open Source (z.B. Linux, Open Office, Firefox, Thunderbird) ist es gelungen neue tragfähige Geschäftsmodelle zu etablieren (man darf mit Service Geld verdienen, aber nicht an dem Handel mir “Geistigem Eigentum”) und es ist die Verkrustung der nicht mehr innovationsfähigen Industrie aufgebrochen worden: Microsofts Internet Explorer basiert auf kostenlosem Open Source (abstammend von Mozilla), nachdem Microsoft sich bis 1996 geweigert hatte, sich ernsthaft mit dem Internet zu beschäftigen. Apple hat im MacOS lizenzarmes Unix drunter, das TCP/IP stammt aus öffentlicher Forschung nachdem IBM, Microsoft, Novell, Banyan mit ihren proprietären patentierten Softwaren es nicht geschafft haben, ordentliche Netzzwerksoftware zu bauen. Die waren satt, fett und trägen mit ihrem Mist wie NetBIOS und SNA, aber patentiert und Kunden im Vendor-Lock-in. Patente verhindern Kreativität und treiben die Preis hoch. Bei Apple sieht man, dass man auf Kosten der Verbraucher exzessiv hohe Gewinne erwirtschaftet werden können, weil er disfunktionales Urheberrecht Wettbewerb vom Markt fernhält.

    Comment by Jan Dark — 4.03, 2012 @ 16:17

  18. @Piccolruaz R.

    Zynismen helfen nicht. Sie zeigen nur, dass die Gegenseite nicht gesprächsbereit ist, also gestaltet werden muss, ohne auf ihr Geplärre zu hören.

    Für Dein unsinniges Geplärre will ich Dir ein Gegenbeispiel sagen. J.K. Rawling

    Sie ist in nur einem Jahrzehnt Milliardärin geworden. Weil sie nicht nach Aufwand bezahlt wurde wie ein Urheber bei einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt. Ich habe alle Filme von ihr im Kino gesehen, meist als Premieren. Ich habe fünf Bücher von ihr als Hardcopy meinen Kinder vorgelesen. Wir haben weitere Merchandising Produkte gekauft. ich gönnen ihr den Reichtum. Sie hat vielen Menschen eine Illusion gegegebn, die ihr Leben schöner gemacht hat.

    Dennoch bin ich der Meinung, wenn Kopien von ihren Filmen im Internet herumflattern, dann sollen sie es ohne weiteren Zahlungen dürfen.

    Wir müssen lernen, in tragfähigen Geschäftsmodellen zu denken. Google verkauft uns keine Suchmaschinenleistung, Facebook verkauft uns keine Nutzung von sozialen Dienstleistungen. Sie geben uns das im Internet kostenlos. Wir bezahlen dafür über die Produkte, die wir kaufen, für die dann bei Facebook und Google ohne unser Zutun und Einfluss Werbung gemacht wird. YouTube bezahlt Pauschalen an Verwerter, so dass wir nicht mehr mit Lizenzen für “Geistiges Eigentum” belästigt werden.

    Wir werden Schmalz darauf verwenden müssen, dass mehr Geld bei Urhebern landet und Nutzer veröffentlichtes Material lizenzfrei nutzen dürfen. Weil das auch wirtschaftlicher ist.

    Comment by Jan Dark — 4.03, 2012 @ 16:27

  19. @ blub
    “Wer als Künstler Kunst betreibt mit dem einzigen Ziel Geld zu verdienen, der ist kein Künstler sondern ein Hamsterrad mit Gelddruckmaschine.”
    So einfach ist es denn auch nicht! Wieviele der – heute als große Kunst angesehenen Werke, sowohl in Musik und Malerei, als auch in der Bildhauerei und Goldschmiedehandwerk – sind Auftragsarbeiten!? Also nur entstanden weil sie jemand bestellt (!) hat und dafür zahlte!?

    Comment by dentix07 — 4.03, 2012 @ 17:25

  20. Eine sehr schöne Webserie zu dem Thema ist auch “Everything is a Remix” http://www.everythingisaremix.info/watch-the-series/
    Kann jedem empfehlen, da mal reinzuschauen.

    Comment by Tobias — 4.03, 2012 @ 18:27

  21. Meine Rede :) Gerade Juristen sehen die Idee des geistigen Eigentums als eine Art gottgegebenes Naturrecht, umso mehr danke ich für diesen Artikel!

    Comment by Andi — 4.03, 2012 @ 18:39

  22. Eigentum ist nichts Materielles, kein Heiligtum. Es ist ein Recht über etwas zu verfügen und zu bestimmen, was mit den materiellen und geistigen Gütern geschehen darf und wie mit diesen umzugehen ist.

    In jeder Gesellschaft gibt es eigene Gesetze und Praktiken, wie die Eigentumsrechte verteilt werden.

    Keine Eigentümer, kein Rechteinhaber konnte und kann jemals in keiner Gesellschaft absolut frei über sein, ihm zugeteiltes Eigentum bestimmen. Nicht aus Versehen heißt es, dass Eigentum verpflichtet.

    In jeder Gesellschaft durfte und wurde enteignet, werden Schranken für den Umgang mit dem Eigentum gesetzt.

    Nicht alle materiellen Güter sind unter Eigentümern verteilt. Die Luft, das Weltall sind z.B. noch Gemeineigentum. Auch das Wasser in den Flüssen darf noch jeder in einer Flasche mit nach Hause nehmen.

    Das ABC ist z.B. noch nicht privatisiert und die Babylaute sind urheberrechtlich noch nicht geschützt.

    Comment by Rolf Schälike — 4.03, 2012 @ 19:26

  23. @Piccolruaz: Ich fordere keine staatliche Forschung. Der Grund dafür, dass die Medikamente so teuer sind, sind nicht primär die Forschungsaufwendungen, sondern die Gewinnmargen. Im übrigen gibt die Pharmaindustrie wesentlich mehr Geld für Werbung als für Forschung aus. In dieser Werbung erklärt sie uns dann, wie aufwendig sie forscht.
    Patentrecht ist eine Form des Protektionismus und damit letztlich das Gegenteil eines freien Marktes.

    Es geht mir hier auch nicht darum, endgültige Weisheiten zu formulieren, sondern darum, einige Aspekte kritisch zu hinterfragen.

    Comment by Stadler — 4.03, 2012 @ 20:01

  24. @dentix07:

    Ich gebe zu, meine Aussage war sehr provokant und undifferenziert. Aber dennoch nicht ganz falsch. Wenn jemand Kunst betreibt mit dem einzigen Zeil Geld zu verdienen und gleichzeitig kein anderes Ziel hat, so ist es keine Kunst. Das leite ich aus der Motivation ab einer Tätigkeit nachzugehen. Kunst ist in ihrem Wesen spielerisch. So wie Musik _gespielt_ wird. Wenn Musik aus der Leidenschaft des Kunstlers heraus geboren wird, ist es Kunst. Wenn die Motivation allerdings _ausschließlich_ ist, Geld zu verdienen, ohne ein Vergnügen an dem Prozess zu verspüren, ohne Leidenschaft, dann ist es keine Kunst, dann ist es nicht verspielt, dann ist es nur noch Arbeit. Daher der Vergleich mit dem Hamsterrad.

    Comment by Blub — 4.03, 2012 @ 20:06

  25. Der Blog-Beitrag spricht wichtige und oft übersehene Gesichtspunkte an zur Debatte um “Geistiges Eigentum” – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und abschließende Lösungen, auch wenn manche Kommentatoren dies (wie so häufig) erwarten möchten ;-)

    Geistiges Eigentum ist nicht naturgegeben und selbstverständlich, nicht nur nützlich und nicht nur schädlich, verdient Rechtsschutz, aber nicht ohne angemessene Interessenabwägung, und verlangt zumindest eine angemessene und aktuell zu verstärkende Sozialbindung.

    Das hat der Verfasser sehr überzeugend dargelegt. Herzlichen Dank dafür.

    Comment by Ralf Petring — 4.03, 2012 @ 20:20

  26. Hallo Herr Stadler, darf ich fragen, unter welcher Lizenz Ihre Blogbeiträge hier stehen? Ich kann leider keinerlei Angabe im Footer oder im Impressum finden.

    Comment by Stanley Rost — 4.03, 2012 @ 22:26

  27. “Außerdem ist ergebnisoffen die Frage zu diskutieren, ob eine fortlaufende Verschärfung des Urheberrechts tatsächlich dem Wohl der Allgemeinheit dient” – damit etwa kann in dieser Diskussion nichts angefangen sein, das sagt nichts, denn das soll weder der Allgemeinheit dienen, noch wird deswegen das Urheberrecht verschärft, denn das bewirkt ja das es eben das nicht tun: es soll dem dienen der gerade der Rechteinhaber ist; und wohlmöglich des Politikers Diät und Hotelrechnung bezahlt. Und das ist in vielen Fällen nicht der Urheber, sondern jener an den dieser seine Rechte hat abtreten müssen überhaupt veröffentlichen zu können – also die Verlage, deren Macht darüber was auf den Markt kommt und zu welchen Bedingungen des Internet wegen zunehmend schwindet. Die Rechteinhaber also haben gar keine Lobby, deren Lobby neuerdings ist die Piratenpartei, die Lobby hatte bisweilen der Vermarkter, der Verleger, die mittlerweile sog. Kontentmafia.
    Vor ein paar Jahren fragte ich mal einen solchen Prof. auf dessen Aufsatz ich traf danach, ob der es mir erlauben möchte ich seinen Aufsatz in meinem Blog veröffentliche. Der Prof. war entzückt sich überhaupt jemand normaler interssierte, musste mir jedoch absagen der Worte: eine Fachzeitung habe bereits die Rechte daran, das sei schon so gewesen noch bevor er überhaupt zur Feder gegriffen habe – da war das schon alles klar. Der fängt ohne solche Verträge erst gar nicht an zu schreiben, soll sagen, der schreibt nicht nur für die Schublade, das wäre die geringste Gefahr, nein, der kann ohne einen solchen Vertrag zu einer Lobby-Firma erst gar nichts machen, da braucht der erst gar nicht anzufangen.

    Genies an sich greifen auch nie auf etwas bereits bestehendes zurück: es ist das Wesen eines Genies genau das nicht zu müssen. Das trifft auch dort zu, wo ein Genie bereits bestehendes neu beleuchtet und andere Einsichten ermöglicht.

    Das Abstrakte (das geistige, das unfassliche) führt offensichtlich zu Erkenntis- und damit zu Definitionsproblemen, also zur Lösungsfindung, womit die Frage nicht mehr beantwortet werden kann, was denn Geistiges Eigentum nicht ist, denn nur so kann das abgegrenzt werden, kann bestimmt sein was was ist oder nicht, in dessen Folge keiner genau sagen kann was eigentlich was ist, ab wann es ist oder auch nicht. Dem zufolge ist schon fast nun gar nichts mehr irgendjemandes Eigentum, nur weil keiner die richtigen Worte findet zu sagen was er eigentlich darunter verstehen mag, wo das anzubringen ist, und gegen wen und wann und was. Und das schadet dem Anliegen an sich am meisten. Der Schlüssel liegt in der Fragestellung. Der hier, meiner Auffassung ebenfalls untauglich, versucht ist. (Was sich auch in den Kommentaren spiegelt, denn da steht auch nicht viel erhellendes drin, außer “ja toll” oder “näh-ba”)

    Natürlich gibt es Geistiges Eigentum! Die Frage ist die: wer der Eigentümer davon ist!

    Die fortlaufende Verschärfung des Urheberrechts ist nicht die des Urhebers, sondern die für den jeweiligen Rechteinhaber. Wobei hier besonders das Unrecht zu Tage tritt, denn hier sind nur jene Rechteinhaber vertreten die besonders durch Lobby Einfluss nehmen können – Die Kontentmafia. Die anderen finden erst gar kein Gehör. Dieses System geht davon aus, der Autor werde seine Rechte an diese Kontentmafia verkaufen müssen – das soll also so bleiben. Amazon mit dem Kindle und Autoren dort selbst publizieren und den Preis festlegen können sehen die als vorübergehendes Übel das demnächst dann wohl auch abgeschafft werden solle.

    Der Weg ist meiner Auffassung nach der, festzustellen, wer der Eigner von was ist. Die Kanzlerin glaubt sicher nicht, wenn Krauss/Maffei Panzer baut, diese Panzer der Firma Maffei gehören. Schon Helmut Kohl dachte von meinem Geld auf meinem Konto nicht mehr so wirklich, dass das mein Geld sei. Und das denkt Frau M. auch nicht von Chemieunternehmen oder Banken die systemrelevant sind und über deren Köpfe hinweg mal ebenso hinterfragt ist ob die nicht verstaatlicht werden, oder zu Unternehmen die in Gentechnik machen et cetera pp. Alle diese Verortungen, dort wo der Staat die Unternehmen billigt und subventioniert, denen durch Politik Arbeiter und Land besorgt, überall dort ist der Staat der Eigentümer. Wenn ein Professor der Uni X ein Buch zur VWL schreibt, dann kann der das eigentlich nicht an Beck (oder mal Vahlen-Verlag) verkaufen, und diese Verlage machen das dann zu Geld, und haben ang. mit dem Staat da nichts mehr zu tun. Den Lobbyisten sei Dank. Nein! Ich denke, das Wissen von einem Prof. das der zu Papier bringt: das gehört dem Staat: und damit jedem: und das gehört dann ins Netz, damit ich mir dort das letzte Werk herunterladen kann. Denn das ist von uns allen bezahlt worden. Das trifft auch auf Chemiekonzerne und andere solche Einrichtungen zu. Das trifft auch auf einen Arzt oder die Feuerwehr zu, die neuerdings auch auf die Idee gebracht sind, Extra-Geld für ihre Leistungen zu verlangen. Andere Staaten die viel ärmer sind als wir behandeln ihre Bevölkerung umsonst. Da bekommt der Arzt seinen Lohn vom Staat und nicht vom Patienten. Ein Prof etwa hat die Pflicht in seinem Amt ein gewisses Maß an wissenschaftlichen Arbeiten (also schriftlichem Material) abzuliefern. Das gehört zu dem Job dazu. Und das ist nicht sein Geistiges Eigentum – das gehört uns allen gleichermaßen. Das trifft übrigens auch auf Organe der Rechtspflege und deren Verlautbarungen zu (sofern das in diesem Rahmen passierte).
    Wenn ich hingegen in meiner stillen Kammer einen Justizthriller schreibe und daraus ein Buch mache, also eine Sache die jeder auch anfassen kann, und bevor ein Ingenieur ein Haus baut, hat auch der erst einmal nachdenken müssen, dann ist das Buch, der Inhalt, mein Eigentum, und nur meines. Und damit ich das unter meinen Bedingungen und überhaupt vermarkten kann ohne dazu erpresst oder gar verhindert zu werden weil jemandem mein Buch nicht passt, ist es angesagt der Kontentmafia das Geschäft zu versauen bzw. der Konkurrenz die Möglichkeit zu geben deren Monopol zu torpedieren (das ist die Stelle wo die PP sagt die Vertriebswege, das Angebot, reformiert werden sollen). Bei Amazon etwa sehen wir dann auch wie sich das auf den Preis auswirkt, eben wegen der dann auch anderen Nachfrage, wenn dieses Lobby-Monopol am Kanzleramt vorbei durchbrochen wird. Dann kann das was interessiert nämlich fast jeder noch bezahlen, und für den Autor bleibt auch genug übrig.
    Das selbe trifft überall in unserer Gesellschaft zu. Schon vor dreißig Jahren hatte mir jemand aus der Entwicklungsabteilung der Firma Ford gesteckt: dass dort bahnbrechende Entdeckungen und Entwicklungen nur deswegen zurückgehalten sind, damit man weiterhin die bereits produzierten ollen Autos noch verkaufen könne. Entdeckungen und Erfindungen werden bei uns von Preis-Managern zurückgehalten. Die wiederum mit Politikern sprechen wie sie es machen sollen. Die Menschen denen das eigentliche Geistige Eigentum gehört, die sind hier nicht das Problem, die wollen ja in der Regel ihr Wissen auch gar nicht zurückhalten, die wollen ja veröffentlichen. Das die auch was dabei verdienen wollen ist nicht das Problem. Und können das nicht weil denen oft die Mittel dazu ja fehlen. Das mit dem Geistigen Eigentum ist also eine ganz große Sache, und ist mit so einem Beispiel zu einem Autor und dessen Buch nur angekratzt, sogar verfehlt. Tatsächlich betrifft das unser gesamtes Wissen einher der gegebenen Technologie die über dieses Personale Geistige Eigentum hinaus geht. Nämlich dahin: was uns allen gehört.

    Comment by michael pliester — 5.03, 2012 @ 00:17

  28. Ich stimme insgesamt zu, aber die Argumentation mit Mozart geht völlig ins Leere, da muss ich HansCastorp beipflichten. Welche konkreten “Plagiate” finden sich denn bei Mozart? Welche Werke hätte er unter heutigen Umständen nicht veröffentlichen können? Oder: Welche Kunstwerke müssen heutzutage zurückgezogen werden, weil sie sich zu sehr bei anderen bedienen? Echte Plagiate (wie Teile aus “Axolotl Roadkill”) werden auch nicht ohne weiteres anerkannt. Es ist einfach ungeschickt, mit Beschränkungen der künstlerischen Vielfalt zu argumentieren, wo wir in anderen Bereichen viel krassere Probleme mit dem Urheberrecht haben. Ich sag nur mal: Photos. Zum Glück war da noch das viel überzeugendere Beispiel der AIDS-Medikamente.

    Comment by ste.fle — 5.03, 2012 @ 00:46

  29. > Echte Plagiate (wie Teile aus “Axolotl Roadkill”) werden auch nicht ohne weiteres anerkannt.

    Das war etwas unklar formuliert. Ich meinte: Solche Werke haben ohnehin eine geringere Anerkennung als Kunstwerke.

    Comment by ste.fle — 5.03, 2012 @ 00:52

  30. “Intellectual Property” umfasst so viele Bereiche, da wird die Diskussion wie es weiter gehen soll noch sehr steinig. Alles was mit “geistigem Eigentum” (bleiben wir erstmal bei den Begriffen) zu tun hat, ist dringend reformbedürftig. Nur wo soll es hingehen?

    Oben schrieb schon jemand über die Mühen (also Kosten) für ein Foto nach Tasmanien zu reisen. Jedes Foto hat Produktionskosten. Wenn ich nun einen Hubschrauber für 1.500 Euro / Stunde mieten muss um ein bestimmtes Foto zu machen sagen wir mal ich kann es zuerst an die Bildzeitung verkaufen, bekomme ich 57,00 Euro. Um die Produktionskosten dieses Fotos wieder herein zu bekommen muss ich es viele male verkaufen. Zb. für ein höheres Honorar ein ein Unternehmen, das damit Werbung machen will, an weitere Kunden.
    Nun fordern viele, wenn das Bild erstmal veröffentlicht ist, soll es jeder frei kopieren und benutzen dürfen. Dann bekomme ich als Urheber aber nur einmal 57,00 brutto bei Kosten von über 1.500 Euro. Mit dem Prinzip kann ich meinen Lebensunterhalt auf keinen Fall verdienen. Das geht dann allen Fotografen so und wir geben wie oben vorgeschlagen dann alle unseren Beruf auf und versuchen irgendeine andere Arbeit zu bekommen. Dann ist der Beruf des Fotografen ausgestorben.

    Wenn nun ein Kameramann irgendwas spektakuläres filmt, wo zb. diese unsägliche Tragödie bei der Loveparade, dann ist es heute so, dass der das dem WDR verkauft und dafür 125,00 Euro bekommt. Der WDR macht nur Verträge in denen der Journalist alle Nutzungsrechte übertragen muss die nur denkbar sind. Also werden die Bilder nicht nur einmalig in den WDR-Nachrichten gezeigt, sondern laufen auf allen ARD-Sendern rauf und runter und der WDR verkauft die Bilder munter weiter, besonders gerne an ausländische Sender die nicht direkte Konkurrenz sind. Heute hat der Kameramann vielleicht das Glück, dass die anderen Sendergruppen das Material auch jeweils ankaufen (womit es dann aber in deren Sendergruppen auf allen Sender ebenfalls rauf und runter läuft). Dann hat der also 3 mal 125,00 Euro bekommen. Wenn er wirklich richtig Glück hat, findet sich noch ein ausländischer Sender, der es noch nicht von der ARD bekommen hat.

    Nun fordern viele, wenn das Bildmaterial erstmal veröffentlicht ist, soll es jeder frei kopieren und benutzen dürfen. Dann bekommt der Journalist (der wahrscheinlich mit drei Mann vor Ort war) genau einmal 125,00 Euro. Nach dem Prinzip kann er seinen Lebensunterhalt nicht verdienen und sucht sich was als Wachmann oder Burgerbrater. Das geht dann ja allen so, damit sind der Beruf des Kamermanns, des Redakteurs und des Tontechnikers bald ausgestorben. Jetzt werden wieder einige sagen “Blödsinn! Gibt doch Angestellte!”. Stimmt zwar, aber immer weniger, Tendenz fallend. Heute gibt es im Journalismus noch geschätzt ein Drittel der Festanstellungen wie vor 10 Jahren. Und das war schon nur noch die Hälfte derer der 70’er Jahre. Und von denen sind ja auch viele bei Agenturen und Produktionsfirmen angestellt, die “nur” Urheber, aber nicht Publisher sind. So funktioniert das also schon mal nicht.

    Und die Aussage Künstler müssen ja primär erstmal kein Geld mit ihrer Kunst verdienen sondern sich mitteilen, alles andere sind keine Künstler ist wie schon jemand angesichts der der größten Kunstwerke der Welt als Auftragsarbeiten auch mit Verlaub totaler Unsinn. Ein wirklich guter Künstler ist ein echter Handwerker. Egal ob er immaterielle Kunst wie Musik oder materielle Kunst wie Bilder oder Bildhauerei herstellt. Im Grunde ist ein Urheber also normalerweise “Berufsurheber”. Und davon unabhängig ist, ob er “Einzelstücke” oder “Massenware” herstellt oder hoffen muss, die Nutzungsrechte so oft wie möglich zu verkaufen.

    Wenn ein großer Kinofilm produziert wird, kostet der erstmal viel Geld. Und derjenige der das Geld gibt, will nicht nur sein Geld wiederhaben, er möchte auch was daran verdienen. Das ist auch sein gutes Recht, schließlich ist er ein finanzielles Risiko eingegangen, dass der Film floppt. Also muss er mit den Filmen davor genug Geld verdient haben, um diesen Gewinn beim nächsten Mal zur Finanzierung einsetzen zu können. Dass Kinokarten, DVD’s, ebenso Musikkalben und einzelne Lieder vielleicht nicht so teuer verkauft werden müssten wie es derzeit passiert, steht auf einem anderen Blatt. Würde damit nicht eine ganze Schmarotzerindustrie der Rechteverwerter mitfinanziert, sähe das sicher ganz anders aus und die eigentlichen Urheber bekämen von den Konsumenten die weniger bezahlen unter dem Strich mehr Geld. Es wird also noch ein hartes Stück arbeit sich etwas neues einfallen zu lassen, das sowohl Urheber als auch Konsumenten zufrieden stellt.

    Noch viel schwieriger wird es aber beim Schutz der geistigen Leistung von Menschen die was tolles erfinden. So wie jetzt kann es auf keinen Fall weiter gehen. Nicht nur, dass es nicht richtig sein kann, dass Unternehmen die noch nie was erfunden haben durch den Kauf von Patenten Innovation und Erfindergeist blockieren. Auch eben dieses durch Unternehmen deren Geschäft es vorrangig ist neue Sachen zu entwickeln durch Trivialpatente, Patente auf Dinge die man aufgrund von Naturgesetzen nur auf eine Art lösen kann und so weiter kann so nicht weiter gehen. Unerlässlich ist aber bei allem was man sich vielleicht für die Zukunft ausdenkt: Wer auch immer was erfindet, muss einen monetären Anreiz dazu haben. Wir sind ja nicht bei Fix und Foxi im Comic bei Knox dem Erfinder-Raben (deren Erfinder Rolf Kauka und seine Zeichner sich wohl ganz schnell einen Job auf’m Pütt oder auff’e Hütte gesucht hätten, wenn ihnen jemand gesagt hätte sie als Künstler brauchten davon ja wohl nicht leben).

    Den Schutz geistiger Leistungen vor der Ausbeutung durch andere als die geistigen Urheber zu modernisieren wird eine der größten und schwierigsten Aufgaben dieser Epoche werden, ebenso wie das Durchbrechen des real nicht funktionierenden “ewigen Wachstums” und die Abschaffung der geplanten Obsoleszenz. Alles für Lau für alle wird dabei ebensowenig funktionieren wie das, was wir bis jetzt so treiben.

    Comment by Kommentar — 5.03, 2012 @ 01:02

  31. Sehr geehrter Herr Stadler,
    ich bin Comiczeichner und Illustrator, also selbst Urheber, und kann dank deutschem Urheberrechtsgesetz einigermaßen von meiner Arbeit leben. Reich bin ich nicht, obwohl ich nach mehreren hundert Comicstrips und diversen Büchern eine Menge “geistiges Eigentum” angesammelt habe. Aber so ist das mit Begriffen…

    Würden Ihre Vorschläge Wirklichkeit, könnte ich von meiner Arbeit von vorn herein nicht mehr leben. Ich hätte nämlich nichts mehr zu verkaufen.

    Überhaupt ist Ihre Reduktion des deutschen Urheberrechts auf den Begriff “geistiges Eigentum” einigermaßen polemisch. Vermutlich soll schöpferisch tätigen Urhebern damit pauschal so ein kleinkarierter, spießiger Besitzstandsvermehrungsanstrich verpasst werden, über den es sich natürlich trefflich herziehen lässt. (Wenn’s nur um Mammon geht, dann kann’s ja noch nicht mal Kunst sein.) Als Zwerge haben Sie uns ja bereits bezeichnet und die Erwähnung des “genialen Schöpfers” soll sicher verdeutlichen, von welchem Größenwahn der gemeine Urheber getrieben ist.

    Für mich als Freiberufler ist im deutschen Urheberrecht jedoch etwas ganz anderes entscheidend, nämlich das Recht, selbst bestimmen zu können, was mit meinem “Werk” geschieht bzw. gemacht werden darf. Wie soll ich sonst als Freiberufler mit vom Finanzamt vorgeschriebener “Gewinnerzielungsabsicht” am Markt operieren? Oder wollen Sie bestreiten, dass ein Buch, an dem ich zwei Jahre gearbeitet habe, “mein Werk” ist?
    Um “geistiges Eigentum” geht es mir rein begrifflich gar nicht, diesen Begriff halte ich für irreführend, aber das RECHT, selbst zu bestimmen, was mit meinem Werk passiert, das halte ich für SELBSTVERSTÄNDLICH.

    Als Jurist wissen Sie doch eigentlich auch, dass eine einfache Idee, also das “Geistige” im Wortsinne gar keinen Urheberrechtsschutz genießt, sondern lediglich die konkrete “Ausformung” einer Idee mit nötiger Schöpfungshöhe, also in meinem Falle z.B. ein fertig gezeichnetes Comicalbum.
    Ich arbeite also unentgeltlich ein oder zwei Jahre an der Fertigstellung eines Buches, welches ich anschließend verkaufen muss, um finanziell ZU ÜBERLEBEN, und Sie wollen mir im Moment der Veröffentlichung das Recht absprechen zu entscheiden, was damit geschieht, sondern es sofort zum “Allgemeingut erklären, weil es Bestandteil des Wissens und der Kultur der gesamten Menschheit ist”??? Also bitte!

    Merken Sie, dass es so nicht funktionieren kann?

    Besten Gruß,
    Ivo Kircheis

    Comment by Paralleluniversator — 5.03, 2012 @ 01:08

  32. +1 & Like für @29

    Comment by Kommentar — 5.03, 2012 @ 01:15

  33. +1 & Like für @28 und @29 – treffende Beschreibungen der Realität.

    Comment by Heike Rost — 5.03, 2012 @ 08:19

  34. das Problem des Urheberrechtes ist m.E. sowieso sehr zwiespältig:

    1. zum einen: Warum ist das Urheberrecht bei Literatur, Film und Musik anders geregelt als bei Naturwissenschaft und Technik, wo das Patentrecht nicht automatisch personenbezogen ist.
    2. zum anderen: In einer industrialisierten Kunst, in der gerade Musik, Film und Literatur an Computern zum Teil aus Versätzen anderer Vorläufer gefertigt und nicht mehr “erfunden” wird, besteht doch der Unterschied der Werke teilweise lediglich nur noch in der handwerklichen Qualität und nicht mehr in Orginalität.

    Schon vor Jahrzehnten haben die Chemieprofessoren an der Universität darüber geklagt, dass sie einerseits aufgefordert werden die Studenten modern und auf Höhe der Zeit auszubilden, sie andererseits nicht die finanziellen Mittel bekommen, um all die patentierten Verfahren dann auch lehren zu dürfen. Dies bestätigt sehr gut den Blog.

    Wenn die Grundschulen mittlerweile keine deutschen Volkslieder mehr lehren dürfen, weil die Musikverlage zu Felde ziehen und das kopieren von Seiten mit den Volksliedern verbieten bzw. die Grundschulen GEMA-Rechte zahlen sollen für die sie die Mittel nicht haben, dann ist das eine Pervertierung des Urheberrechtes. Weder gehört das deutsche Volkslied dem Musikbuchverlag, noch die Notenabfolge/Komposition, noch der Text. Wenn man deutsches Volksgut abschreibt und druckt und damit (durch das reine Setzen und Vervielfältigen) das Urheberrecht über dieses Volksgut erlangt, dann stimmt etwas mit diesem Urheberrecht nicht.

    Wenn eine amerikanische Rythm’n Blues Sängerin ein Stück von Beethoven interpretiert, warum wird dann ein deutscher oder österreichischer Jugendlicher verklagt, wenn er es kopiert, er hat doch viel mehr “Rechte” daran?

    Comment by Roland — 5.03, 2012 @ 08:53

  35. Die Ursache der Probleme um “geistiges Eigentum” liegt woanders!

    Sie liegt in der allgemeinen menschlichen Notwendigkeit, sein Leben unterhalten zu müssen. Sobald das in aller Konsequenz verstanden wird, hören auch die idiotischen Konstrukte um immaterielle Eigentume auf.
    Die richtige Frage ist also eine soziale und nicht eine “geistige”, sie lautet:
    Wie stelle ich sicher, daß alle Menschen ihre Lebensgrundlagen erhalten können, UNABHÄNGIG von der Art ihrer Arbeit und ihrer Leistungsfähigkeit.

    Solange diese Frage nicht beantwortet, ja, nicht einmal öffentlich gestellt werden kann, solange werden auch offensichtlich komische, widersinnige Konstrukte wie “geistiges Eigentum” unlösbar durch die Foren wabern und für viele (RA´s zB.) selbst zu einer Einkommensquelle, die gesamtwirtschaftlich betrachtet nur Schaden anrichtet.

    Comment by Infoliner — 5.03, 2012 @ 09:35

  36. @Paralleluniversator:
    Sie können ihre Illustrationen auch dann an Verlage oder Zeitungen zum Zwecke der Veröffentlichung vertraglich lizenzieren, wenn das Urheberrecht schwächer ausgestaltet ist als jetzt.

    Mich stört an der Diskussion hier, dass weitgehend nur Extrempositionen vertreten werden. Zwischen dem strengen Urheberrechtsregime das wir heute haben und der völligen Preisgabe jeglichen Schutzes des Urhebers, besteht noch jede Menge Gestaltungsspielraum.

    Comment by Stadler — 5.03, 2012 @ 09:55

  37. @HansCastorp Nr. 11):

    Mozart war nur ein Beispiel. In der klassischen Musik galt die Übernahme ganzer Werkteile aber gar nicht als anstößig, sondern man ehrte damit den ursprünglichen Komponisten.

    Das vermutlich bekannteste Plagiat Mozarts ist die Overtüre der Zauberflöte, deren Melodieführung z.T. aus einer Klaviersonate von Muzio Clementi übernommen wurde. Nach heutigem Maßstab eine Urheberrechtsverletzung.

    Comment by Stadler — 5.03, 2012 @ 10:26

  38. @Stadler: Es ist bereits heute mit einem starken Urheberrecht im Rücken sehr schwer als freier Urheber zu überleben. Einfach deshalb, weil die meisten Kreativen Einzelkämpfer sind, die sich im Arbeitsalltag mit großen Verlagen und mächtigen Medienkonzernen etc. auseinandersetzen müssen. Von dieser Seite werden unsere Rechte auch heute schon massiv mit Füßen getreten. Und nicht jeder hat die Kraft und/oder die finanziellen Mittel, seine Rechte juristisch durchzusetzen.
    Der einzelne Urheber hat keine Lobby, deshalb ist es wichtig, dass es wenigstens ein starkes Urheberrecht gibt.

    Comment by Paralleluniversator — 5.03, 2012 @ 10:59

  39. @28 Ihr Beispiel des Fotografen, der einen Hubschrauber für 1.500,00€/Std. mietet, um ein (einzelnes?!) Foto zu tätigen, welches dann für jeweils 57,00€ verkauft werden kann, ist betriebswirtschaftlich gesehen unhaltbar. Das wäre eine reine Risiko-Investition, die der Fotograf nur wagen sollte, wenn er zumindest eine verbindliche Zusage über eine exclusive Abnahme der Fotos zu einem Basispreis in der Tasche hat. Der Basispreis sollte die Aufwendungen mindestens abdecken, sonst macht der Fotograf nichts anderes, als ein Hedgefonds-Manager der sich Derivate auf zukünftige Preisentwicklungen am Rohölmarkt ins Portfolio holt – er spekuliert auf einen MÖGLICHEN (aber nicht sicheren) Gewinn.

    Spekulieren sollte man aber nur, wenn man den durchaus wahrscheinlichen Verlusst auch verkraften kann.

    Noch eine Anmerkung zum ‘Überleben’ des Künstlers resp. kreativ Schaffenden: Dies sollte zumindest in Deutschland durch unsere Sozialsysteme gewährleistet sein. Hartz-4 ist zwar nicht sonderlich attraktiv, aber es ist nunmal das Angebot des Staates in Sachen Grundsicherung des Lebens, wenn es aus eigener Kraft nicht zu schaffen ist. Damit müssen viele andere Menschen auch klarkommen, wenn der Arbeitsmarkt für ihre Fähigkeiten/Qualifikationen keinen Bedarf anmeldet.

    Aber in der Urheberrechtsdebatte werden die “kleinen Kreativen” ja regelmässig nur vorgeschoben. Tatsächlich geht es um sowas wie das aktuell beschlossene Leistungsschutzgeld – pardon -recht.

    Comment by Dominic — 5.03, 2012 @ 11:08

  40. @Paralleluniversator Danke für Ihren Kommentar – ich kann mich Ihren Ausführungen aus der Sicht als Einzelurheberin nur anschließen.

    @Dominic: Ihr Kommentar “Dann halt Hartz IV” (stark verkürzt) ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten. Insofern hat Herr Stadler durchaus Recht, wenn er die hier – und anderswo – vertretenen Extrempositionen als wenig hilfreich in der sachorientierten Debatte um den vorhandenen Gestaltungsspielraum kritisiert.

    Comment by Heike Rost — 5.03, 2012 @ 11:21

  41. @Paralleluniversator:
    Haben Sie nicht den Eindruck, dass das geltende Urheberrecht in zunehendem Maße primär den von Ihnen genannten Medienkonzernen und großen Verlagen dient und deren Lobbyisten die Gesetzgebung in einer Art und Weise beeinflussen, die den Kreativen nicht hilft?

    Was Sie bräuchten, wäre ein starkes Urhebervertragsrecht, durch das das bestehende wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen dem eigentlichen Urheber un den Verlagen/Medienunternehmen ausgeglichen wird. Insoweit hat der Gesetzgeber bisher eher zaghaft agiert, was ebenfalls eine Folge der lobbyistischen Anstrengungen u.a. der Verlagsbranche ist.

    Comment by Stadler — 5.03, 2012 @ 11:44

  42. @Dominic: Falls ich mich mißverständlich ausgedrückt habe: mit ÜBERLEBEN des Kreativen/Künstlers meine ich nicht die Vermeidung des Hungertuches, sondern die Fähigkeit mit kreativer Arbeit beruflich zu überleben, Steuern zu zahlen und Altersvorsorge zu betreiben. Insofern ist Hartz IV absolut keine Option.

    Sie liegen auch falsch in der Annahme, dass es vielleicht einfach nicht genügend Bedarf an kreativer/geistiger Arbeit gäbe, im Gegenteil: es gibt Stimmen, die behaupten, kreativer Content sei in Wahrheit “das Kapital des 21.Jahrhunderts”. ABER: die kreative Arbeit soll immer weniger kosten. Content ja gerne, auch immer schneller, aber bitte möglichst umsonst.

    Die Forderung, das Urheberrecht zu schwächen und geistige/kreative Werke ab dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung per Dekret zum Allgemeingut der gesamten Menschheit zu erklären, geht genau in diese Richtung.

    Comment by Paralleluniversator — 5.03, 2012 @ 12:07

  43. @34, @35

    Das Thema ist ein sehr großes Minenfeld. Viele Dinge werden in der aktuellen Diskussion vermischt. Die einen wollen alles für alle umsonst, die einen wollen sich auf Kosten Dritter / der Schöpfer Bereichern und der Rest will einfach nur mit dem Schaffen von irgendwas (geistigem) seinen Lebensunterhalt verdienen.

    Nachahmen ist eine Sache. Nehmen wir wieder was aus dem praktischen Alltag. Zeitung A schickt einen freien Fotografen auf Einladung zu einem Fototermin. Der Fotograf muss sich ganz schön was einfallen lassen um aus diesem Termin ein gutes Foto zu generieren. Mit dem Einlader komponiert er durch Herbeischaffen von Requisiten, durch Umstellen und Dekorieren eine von ihm geschaffene Szenerie, in der er den Einlader so portraitiert, wie er ihn sieht bzw. interpretiert. Er schafft eine eigenständige Leistung und manifestiert diese in einem Foto. Nun kommt eine Schreiberin von Zeitung B und knipst ihm über die Schulter. Sie “stiehlt” ihm seine Idee.

    Das ist Alltag da draußen und bereits ärgerlich genug, denn der Fotograf bekommt von Zeitung A ja nicht Geld dafür dass er weiß wo an der Kamera der Auslöser ist, sondern dafür, dass er neben technischen Aspekten vorrangig ein Bild komponiert.

    Schickt Zeitung B aber ebenfalls einen echten Fotografen und ihm gefällt die Idee erstmal grundsätzlich, hat er Respekt vor der Leistung seines Kollegen und ahmt das Bild nach, indem er vielleicht nur ein zentrales Element übernimmt und den Rest des Bild umbaut, so eine visuell neue Interpretation entsteht und man wenn man tagsdrauf beide Zeitungen nebeneinander legt, sieht man im Vergleich, dass beide Bilder identische Grundlagen, aber vollkommen unterschiedlich gestaltete Aufbauten haben. Damit kann doch jeder leben, oder?

    Dürfte Zeitung B aber am übernächsten Tag nach der Erstveröffentlichung einfach das Bild nehmen und es ebenfalls drucken ohne es zu honorieren, wäre ein wirtschaftlicher Schaden entstanden, abgesehen davon dass Fotograf A sicher gar nicht möchte, dass das Konkurrenzblatt seine Bilder druckt.

    Eine Zementierung dessen was viele heute schon tun, nämlich einfach irgendwo aus dem Internet ein Bild fischen und es anderswo veröffentlichen (zb. Facebook) und es möglicherweise verändern stellt ein massives Problem dar, was auch Herrn Stadler als Anwalt klar sein muss und seine Geschäfte wiederum beleben würde. Wenn ein Fotograf zb. Kinder für die Zeitung fotografiert, steht das Bild in einem Kontext zum Artikel, zb. über Kinder die an Diabetes erkrankt sind. Hierzu haben die Eltern ihre Einwilligung gegeben. Jeder darf alles mit veröffentlichten Bildern machen schafft nicht nur die Bestimmung des Schöpfer ab entscheiden zu können was mit seinen Bildern passiert, es verletzt auch die (besonders empfindlichen) Persönlichkeitsrechte der abgelichteten Kinder. Unvorstellbar wenn so ein Bild dann in einer Fanpage für Schokolade oder sowas auftaucht.

    Auch will kein seriöser Urheber, dass seine Schöpfungen zb. von Nazis für Propaganda genutzt werden. Das Recht darauf, wer wann wofür die Schöpfungen benutzen darf ist essentiell.

    Bereits heute werden Urheber von Verlagen, Sendern und Unternehmen durch Buy Out Verträge ausgebeutet und die Lieferanten der täglichen Bilder in eurer Tageszeitung (so denn ihr noch eine lest, für SPON gilt aber das Gleiche) mit Hungerlöhnen (die Verwerter haben eben eine marktbeherrschende Stellung und können die Preis diktieren) abgespeist. Nehmt mal an ihr seid in irgendeinem Verein und werdet für 25 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Für den Fotografen ist das Brot statt Kunst, aber er hat sagen wir mal 18 Kilometer An- und Abfahrt zu eurem Vereinsheim, ihr braucht ein paar Minuten zum Aufstellen bis alles im Kasten ist. Das durchschnittliche Bruttohonorar was der Fotograf für diese Bild für das er eine bis anderthalb Stunden unterwegs war liegt bei ZEHN Euro. Bisher war der Fotograf auf das Zusatzgeschäft angewiesen, dass der Verein ihm nochmal die Verwertungsrechte für die Vereinshomepage abkauft und ein Teil der abgelichteten Jubilare ihm noch mal je 5 Euro für die privaten Nutzungsrechte zahlt. Oder vielleicht Abzüge abkauft. Dürfte nun jeder einfach mit dem Bild machen was er will nachdem die Zeitung es einmal veröffentlicht hat, kann der Fotograf dieses Foto in Zukunft nicht mehr machen, weil die Kosten die Einnahmen übersteigen.

    Comment by Kommentar — 5.03, 2012 @ 12:12

  44. Danke!
    Danke!
    Danke!

    Das reflektierteste, das ich bisher dazu lesen durfte.

    Mit einem bedingungslosen Einkommen könnte dann auch ein Künstler überleben.

    Comment by sebastian — 5.03, 2012 @ 12:26

  45. @37

    Die Praxis in der Luftbildfotografie sieht aber nunmal oft so aus, dass der Fotograf sich ein Flugzeug oder einen Hubschrauber mietet (oder besitzt), einen oder zwei feste Aufträge in der Tasche hat und auf der Strecke dazwischen alles mögliche fotografiert (bevorzugt große Firmen) und DANACH Klinken putzen geht und seine weiteren Bilder feilbietet “Sehen sie mal, was ein schönes Luftbild von ihrem Unternehmen! Möchten sie das nicht kaufen (also Nutzungsrechte)?” Das ist ein Risikogeschäft, und da man ab und zu verliert eine Mischkalkulation. Könnte man niemals im Nachhinein noch Bilder verkaufen, würde das eben keiner mehr tun. Fast immer geht der Luftbildfotograf mit etwas Verdienst aus einem Flug raus, weil er auch im Nachhinein noch Bilder verkaufen kann die vorher nicht bestellt waren.

    Comment by Kommentar — 5.03, 2012 @ 12:33

  46. @Stadler: Ja, diesen Eindruck muss man bekommen, denn es wird in der Debatte ja auch nie erwähnt, dass das Urheberrecht in der Realität auch und gerade tausende Freiberufler in kreativen Berufen schützt.
    Das Urheberrecht ist die Grundlage z.B. meines eigenen wirtschaftlichen Handelns.

    Und ja, von den Medienkonzernen, der vielgeschmähten “Content-Industrie”, wird die Urheberrechtsdebatte geschickt benutzt, um eigene handfeste wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Sie haben mit dafür gesorgt, dass das Wort “Urheberrecht” zum beliebtesten Hasswort geworden ist. Ein Schelm, wer sich fragt, wem das wohl nützt?

    Comment by Paralleluniversator — 5.03, 2012 @ 12:38

  47. Mozart übernimmt in der Zauberflöten-Ouvertüre nur eine sehr kurze Passage aus Clementis Klaviersonate. Das ist eher zitathaft und wird sofort stilistisch in ganz anderer Weise weitergeführt, d.h. künstlerisch umgedeutet. Das wäre heute legal wie früher.

    Comment by ste.fle — 5.03, 2012 @ 12:42

  48. @Heike Rost Wenn Sie den Zynismus im Hartz-4-System verorten, anstatt nur meinen Verweis darauf anstössig zu finden – einverstanden. Ein Bedingungsloses Grundeinkommen wäre m.E. die bessere Form der Grundsicherung eines menschenwürdigen Lebens, wie es sich verpflichtend für den Staat aus den Artikeln des GG ableiten lässt. Aber nichtsdestotrotz schafft der Staat auch mit H4 eine Möglichkeit des Überlebens für jeden. Und darum ging es doch – Überleben!?

    Wenn nicht – und statt dessen eher ein Anspruch auf einen höheren Lebensstandard gemeint war, dann sollte man das auch so benennen. Sonst sind eben Missverständnisse vorprogrammiert.

    Im Übrigen muss jeder Handwerker seine Arbeitsleistung täglich neu erbringen. Wenn sich kreativ Schaffende fallweise gern mit solchen vergleichen, dann müssen sie sich auch fragen lassen, warum ihre Leistung – einmal erbracht – noch über die Spanne ihres Lebens hinaus vergütet werden muss. Widerspricht solches nicht dem Gleichheitsgrundsatz? Oder ist “Kreatives Schaffen” per se eine exponentiell höhere Leistung als die Reparatur eines Kraftfahrzeuges o.ä.? Wenn ja – bitte begründen!

    Comment by Dominic — 5.03, 2012 @ 12:46

  49. Wirkt das Urheberrecht nicht wie eine Subvention für etwas, daß allein durch Nachfrage nicht überlebensfähig wäre?
    Ohne Urheberrecht würde es also die Produkte von Paralleluniversator nicht geben?
    Na und?!
    Möchte nun doch jemand etwas von ihm, wird er eben einen anderen Preis dafür bezahlen müssen.

    Comment by sebastian — 5.03, 2012 @ 12:54

  50. @sebastian (47): Das Urheberrecht “subventioniert” gar nichts, denn es ist nicht mit einem konkreten Honorar-für-was-auch-immer verbunden. Wenn Sie nur völlig unverkäufliches Zeug produzieren, nützt Ihnen auch das beste Urheberrecht nichts.

    Was das Urheberrecht aber tut: es setzt einen gesetzlichen Rahmen, innerhalb dessen ich erst in der Lage bin, mit meinem (durchaus gefragten, digital übrigens leicht kopierbaren) Content Geld zu verdienen.

    Beispiel: ein großes Verlagshaus zahlt mir für einen Comicstrip 100 Euro. Dieser Comic wird zwingend auf digitalem Weg an den Auftraggeber geliefert.
    Fall 1, keinerlei Urheberrecht: das Verlagshaus könnte diesen Comic nun in jeder ihrer Publikationen abdrucken, so oft sie wollen, sie haben ja die Druckdaten, und ich müsste tatenlos zusehen. Zusätzlich kann das Verlagshaus meinen Comic beliebig weiterverkaufen, auf Fahnen drucken und zur Verlagswerbung nutzen.
    Fall 2, gegenwärtiges Urheberrecht: ICH allein darf bestimmen, wie und in welchem Umfang mein Comic genutzt wird, indem ich entsprechende Nutzungsrechte einräume. Weitergehende Nutzung ist untersagt. Dies eröffnet mir die Möglichkeit, mit diesem meinem Comic (unter Umständen) noch etwas mehr Geld zu verdienen, statt dass es jemand anderes tut. Außerdem kann ich relativ sicher sein, dass mein Comic nicht in mir unliebsamen Publikationen abgedruckt wird, nur weil sie zum selben Verlag gehören. Was ist daran jetzt so verkehrt?

    Comment by Paralleluniversator — 5.03, 2012 @ 13:57

  51. @Dominic Es geht nicht um den von Ihnen unterstellten “Anspruch auf einen höheren Lebensstandard”, sondern um Existenzsicherung. Denn auch Kreative müssen als überwiegend freiberuflich Tätige täglich von neuem ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Von den zu finanzierenden Produktionsmitteln, die sie für ihre Arbeit brauchen (beispielsweise Fotografen), ganz abgesehen.
    Mich wundert darüber hinaus sehr, dass weder Sie noch @sebastian offenbar die durchaus konstruktiven und reflektierten Beiträge von Urhebern wie zB @Paralleluniversator hier im Blog zu lesen scheinen. Diese Beiträge sind von Praktikern mit hoher Sachkenntnis geschrieben. Und es lohnt sich, ihre Argumente zu lesen – und darüber nachzudenken.

    Comment by Heike Rost — 5.03, 2012 @ 14:26

  52. @Dominic: abgesehen, dass SIE es sind, der hier den Vergleich mit den Handwerkern bemüht, möchte ich Ihnen trotzdem den Versuch einer Antwort nicht schuldig bleiben.

    1. der Handwerker erbringt keine urheberrechtlich schützbare Leistung. Sie ist deswegen nicht automatisch weniger wert, aber sie fällt einfach nicht unter das Urheberrechtsgesetz.
    2. der Handwerker ist angestellt und erhält für seine Arbeit einen Lohn. Auch angestellte “Lohn”zeichner z.B. beim Trickfilm oder in Agenturen werden i.d.R. nicht zum Urheber, und müssen daher auf den Urheberrechtsschutz verzichten.
    3. es ist ja gerade das Wesen oder die Besonderheit geistig/kreativer Leistungen, dass sie u.U. auch 50 Jahre später immer noch bzw. immer wieder genutzt werden können. Bei einer erneuten Nutzung, und auch nur dann, soll diese Nutzung honoriert werden. Ein Autor, dessen Buch sich nie verkauft, wird auch nach seinem Tode kein Geld dafür erhalten. Wer Ihnen etwas anderes erzählt, sagt nicht die Wahrheit.

    Eine Autoreparatur können Sie im übrigen von vornherein nicht mehrmals “nutzen”.

    Zum Thema “Gleichheitsanspruch”: Der Gleichheitsanspruch würde gebieten, dass ich, wie auch Sie, selbstverständlich selbst entscheiden können, ob meine/Ihre Werke im Dienste des Weltwissens kostenlos der Allgemeinheit zufallen sollen, oder ob ich/Sie damit Geld verdienen wollen.

    Comment by Paralleluniversator — 5.03, 2012 @ 14:28

  53. Und beim “mehrfach Nutzen” müssen wir einen ganz entscheidenden Unterschied sehen, der viele Leute zu recht auf die Palme bringt: Die mehrfache Nutzung des Comics durch mehrfache Veröffentlichung mit Gewinnerzielungsabsicht oder das mehrfache (beliebig oft) Nutzen eines Musikstückes mittels verschiedener Medien (zb. Musikdateien die ich anders als von der CD nicht ins Autoradio übertragen kann um sie unterwegs zu hören) durch Privatpersonen OHNE Gewinnerzielungsabsicht einfach nur zum Konsum.

    Wer mehrfach an der geistigen Leistung durch mehrfache Nutzung profitieren will, der hat auch mehrfach zu zahlen. Wer mehrfach als Konsument eine Musik hören oder einen Film sehen möchte, der soll das auch tun dürfen ohne mehrfach zur Kasse gebeten zu werden. Und zwar egal ob daheim, beim Joggen oder im Auto.

    Comment by Kommentar — 5.03, 2012 @ 15:21

  54. “Außerdem ist ergebnisoffen die Frage zu diskutieren,”

    Das ist im übrigen auch ein Oxymoron. Naja, vielleicht auch nicht. Aber evtl. sollte man nicht die selben holen Phrasen verwenden, wie es Politiker und andere hohle Köpfe tun.
    Richtiger weise die Kampfideologiebegriffe der Lobbyisten anprangern, und dann gleich 2 mal doch welche benutzen.
    Naja nobody is perfect, der Rest des Textes hat mir gefallen. ;)

    Comment by Martin — 5.03, 2012 @ 15:26

  55. Der einzige positive Aspekt des geistigen Eigentums, den ich noch sehe, ist die Entlohnung der Urheber. Diese variiert aber extrem und hat häufig wenig mit dem Aufwand des Urhebers zu tun.

    Die negativen Aspekte sind:
    – Extreme Verwaltungskosten (zählt nur mal die Summe an Geld, die an die eigentlichen Urheber fliesst und vergleicht sie mit den Mittelmännern der Musikindustrie, Anwälten, Gerichtskosten, …)
    – Hohe Kollateralschäden (Tod von Menschen durch Mangel an Medikamenten, Kriminalisierung von Menschen, …)
    – Volkswirtschaftlicher Schaden aus Nichtmehrfachnutzung (anstatt ein Bild / ein 3d-Modell / ein Programm wiederzuverwenden wird es viele Male neu hergestellt)
    – Volkswirtschaftlicher Schaden durch Nichtweiterentwicklung (statt der Zeit für die Neuerstellung hätte auch eine Weiterentwicklung stattfinden können)

    Für diese Menge an Geld gibt es einige Möglichkeiten an Entlohnungsmodellen.
    Einige grössere Projekte sind auch heute schon in der Lage, sich über Spenden zu finanzieren.
    Die Mischung aus kostenloser Open-Source-Software und Service-Dienstleistungen hat sich bewährt.
    Crowdfunding kann funktionieren, um direkt von den Endnutzern Geld für ein Projekt zu kriegen (siehe Tim Schafer, der für ein Point-and-Click-Adventure 2,5 Millionen Dollar im Voraus von Spielern gekriegt hat).
    Auf YouTube gibt es eine Reihe Leute, die rein über Videos dort finanziert sind.
    Werbefinanzierung funktioniert für viele Internetseiten.

    Es ist auch nicht selten, dass sich Leute in ihrer Freizeit ohne Entlohnung kreativ entfalten.
    Ein Beispiel sind die Modding-Szenen von Computerspielen. Dort kann man auch gut sehen, was eine Kultur des Kopieren und Weiterentwickeln am Ende der Lebenszeit eines Spiels erreicht. Einzelne Modder hätten keine Chance, die Höhe zu erreichen, die durch das Aufeinanderstapeln von Zwergen erreicht wird.
    Die Wertekultur, die sich dort entwickelt, setzt den Fokus normalerweise auf den Credit, also die Nennung derjenigen, auf denen das momentane Werk beruht.

    Meiner Meinung nach überwiegen die Nachteile des “Geistigen Eigentums” so weit die Vorteile, dass es besser ist, eine vollständige Abschaffung durchzuführen und dann von der anderen Seite daran zu arbeiten, eine adäquate Entlohnung der Urheber sicherzustellen.

    Comment by AndreasM — 5.03, 2012 @ 15:37

  56. Lesenswert zu dem Thema:
    http://www.picturetom.com/2012/03/fotografen-und-der-schutz-der-urheberrechte-in-zeiten-der-aushohlung-dieser-rechte/

    Comment by Kommentar — 5.03, 2012 @ 15:50

  57. @50 Ich möchte nur kurz auf Ihre angeführten Punkte eingehen.

    zu 1.) Das die Handwerksleistung keinen Urheberrechtsschutz geniesst, ist natürlich nicht zu bestreiten. Vor der Einführung des Urheberrechtes traf dies auch noch auf alle kreativen Leistungen zu. Will sagen: Dieses Recht ist nicht “gottgegeben”, sondern wurde irgendwann installiert. Vorher musste der Sänger jedes Mal aufs Neue singen, wenn er dafür bezahlt werden wollte. Danach genügte eine Aufnahme im Tonstudio und Millionenfache Reproduktion, um einigen Leuten sehr viel Geld zufliessen zu lassen, wovon dann auch der Sänger recht gut profitiert hat. Das hat dann einen gewissen Standard geprägt, der das Verhältnis von Aufwand und Nutzen in irrealer Weise abbildet.

    zu 2.) Meines Wissens verliert der angestellte “Lohnzeichner” zumindest in Deutschland nicht die rechtmässige Urheberschaft an seiner Schöpfung – nur jegliche Verwertungsrechte. Irre ich da?

    zu 3.) Ich lese daraus, dass Sie den Begriff “Nutzung” in einer Art auslegen, wie er eigentlich der “Verwertung” entspricht. Also eine “Nutzung für kommerzielle Zwecke”, richtig? In der Diskussion ist das allerdings hoch missverständlich, da zumindest die Vertreter der Verwerterlobby unter einer Nutzung per se auch den Konsum verstehen.

    Ausserdem kann ich freilich eine Autoreparatur “mehrfach nutzen”. Ich würde sogar sagen, das ist in der Regel der Fall. Wenn mein Auto nur den Weg von der Werkstatt nach Hause schafft, habe ich sogar einen Anspruch auf Gewährleistung gegenüber der Werkstatt. Wenn Sie den Vergleich hinken sehen, dann denken Sie bitte kurz an diverse Vorstellungen und Versuche in Sachen DRM (Digital Restrictions Management) seitens der “Content-Industrien”.

    Zu guter Letzt: Der Gleichheitsgrundsatz besagt meines Wissens schlicht, dass jeder Mensch vor dem Gesetz gleich behandelt werden muss. Mit einer persönlichen Entscheidung, die ich treffen kann, hat das, soweit ich sehe, nichts zu tun.

    @Heike Rost Sie tun mir Unrecht. Ich habe bisher jeden Kommentar unter diesem Eintrag gelesen – sogar Ihren! Und da fällt mir auf, dass Sie offenbar meiner Argumentationslinie entweder nicht folgen wollen oder können. Sie müssen sich schon entscheiden: Sprechen wir von “Existenzsicherung” – wie Sie jetzt wieder zu erkennen geben – dann wird Hartz-4 zur Option (ernsthaft). Anderenfalls reden wir von einer bestimmten Form von Protektionismus für bestimmte Arten der Einkommenssicherung und da muss schon die Frage erlaubt sein, wodurch dieser Anspruch gerechtfertigt ist. Warum darf der Künstler darauf hoffen, der einfache Arbeiter jedoch nicht?

    Wenn Sie eine Ausbildung absolviert haben, jedoch nirgendwo eine Anstellung finden, dann stellt man ganz selbstverständlich die Forderung an sie, dass sie entweder ihren Wohnort wechseln – oder eine weitere/andere Ausbildung absolvieren sollen. Das Prinzip heisst “Fordern und Fördern” und ist politisch gesehen ein Rot-Grünes Projekt.

    Warum soll dieses Prinzip auf jeden Arbeitnehmer – nicht jedoch auf den Kreativen anwendbar sein? Dieser Unterschied verletzt meines Erachtens den Gleichheitsgrundsatz.

    Womit ich ausdrücklich nicht sagen will, dass dieses “Fordern und Fördern” irgendetwas Positives an sich hätte. Es ist jedoch genauso rechtsgültig, wie die aus dem Urheberrecht abgeleiteten Ansprüche, die hier kontrovers diskutiert werden.

    Comment by Dominic — 5.03, 2012 @ 18:09

  58. Geistiges Eigentum?
    Geistiges Eigentum kann nur meins sein, so lange ich’s für mich behalte. Lasse ich’s von der Leine, dann isses weg und Hundfänger gibt’s genug.

    Comment by EsEf — 5.03, 2012 @ 20:30

  59. @55: Da Sie offensichtlich nur in den wesentlichen Punkten den Ahnungslosen spielen, schwindet meine Lust mit Ihnen zu diskutieren.

    Trotzdem nochmal zu ihrem Vergleich mit dem Handwerker: Selbstverständlich ist das Urheberrecht nicht gottgegeben, das hat ja auch gar niemand behauptet. Aber es hat offensichtlich einmal einen Konsens gegeben, dass bestimmte Leistungen, ganz konkret Werke aus Literatur, Kunst und Wissenschaft eines besonderen Schutzes bedürfen. Diese Werke müssen als “persönliche, geistige Schöpfungen” zudem auch noch bestimmte Bedingungen erfüllen, aber das können Sie selbst recherchieren. Fakt ist, das eine handwerkliche Dienstleistung im Regelfall nicht zu diesen besonders schutzbedürftigen Leistungen zählt.

    Und dass das Urheberrecht offensichtlich die richtigen Dinge schützt, zeigt sich doch schon am Aufhänger dieser Diskussion hier. Ich zitiere Herrn Stadler: “Denn Geisteswerke sind gleichzeitig auch Bestandteil des Wissens und der Kultur der gesamten Menschheit und als solches ab dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung auch Allgemeingut.”
    Haben Sie so eine Forderung schon einmal gegenüber einem Automechaniker oder dem von Ihnen ins Feld geführten “einfachen Arbeiter” gehört?

    Abschließend: Der Gleichheitsgrundsatz, wie ich ihn verstehe, sollte vor allem Chancengleichheit bedeuten. Und wo diese nicht besteht, muss der Gesetzgeber entsprechende Regelungen finden. Von Werken aus Kunst, Kultur oder Wissenschaft per se die gleiche wirtschaftliche Durchschlagskraft bzw. Konkurrenzfähigkeit zu erwarten oder zu fordern wie von Industrieprodukten, zeugt meiner Meinung nach von einer tiefen Verständnis- wenn nicht gar Respektlosigkeit gegenüber den genannten Disziplinen.

    Comment by Paralleluniversator — 5.03, 2012 @ 22:30

  60. Warum das geltende Urheberrecht die Falschen – also nicht die Urheber – schützt, ist in einem Artikel der NZZ gut dargestellt. http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/das_unbehagen_am_copyright_1.15297670.html

    Wer hier aus Sicht der Kreativen argumentiert, der argumentiert zwar nachvollziehbar, aber m.E. im Ergebnis falsch. Die Kreativen müssten Änderungen im Urhebervertragsrecht fordern und gerade das ist eine Forderung der sich die Verlage und Medienunternehmer vehement widersetzen.

    Diejenige Verschärfung des Urheberrechts, die die Verlage propagieren – das Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse ist ein gutes Beispiel – nützt den Kreativen nichts, sie schadet ihnen eher.

    Man sollte deshalb gerade als Kreativer kritisch hinterfragen, ob man wirklich im eigenen Interesse handelt, wenn man das Lied der Medienkonzerne singt.

    Comment by Stadler — 6.03, 2012 @ 09:16

  61. @Stadler: “Man sollte deshalb gerade als Kreativer kritisch hinterfragen, ob man wirklich im eigenen Interesse handelt, wenn man das Lied der Medienkonzerne singt.”

    Mangels einer ernstzunehmenden Alternative hat man als Kreativer doch momentan gar keine andere Wahl. Das Lied der Nutzer, die ebenfalls möglichst alles umsonst nutzen möchten, dazu aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen gleich mit abschaffen wollen, klingt für mich jedenfalls auch nicht melodischer.
    Und ein staatlich verordnetes Künstler-Almosen, generiert aus einer “Kulturflatrate”, ist erst recht keine ernstzunehmende Alternative.

    Comment by Paralleluniversator — 6.03, 2012 @ 09:51

  62. @60: TINA sticht nicht, es gibt immer Tausende von Alternativen.
    Es ist ganz einfach: Urheberrechtliche Werke haben mehr oder weniger nur einmalige Kosten, unabhängig von der Anzahl an Leuten, die sie verwendet. Volkswirtschaftlich steigt ihr Nutzen aber mit der Anzahl an Leuten, die das Werk verwenden. Es ändert nichts an den Kosten, ob 2 Personen oder 1 Milliarde Photoshop nutzen.
    Das natürliche Modell ist also tatsächlich, die Kosten nicht vom Endnutzer zu fordern (denn es macht keinen Sinn, den Nutzen von unbegrenzt verfügbaren Dingen einzuschränken) sondern von der Allgemeinheit. Das hat mit Almosen nichts zu tun, denn es ist ja eine Entlohnung für eine erbrachte Leistung.

    In anderen Worten: Das momentane Modell ist volkswirtschaftlicher Blödsinn und eigentlich gar keine sinnvolle Alternative.

    Comment by AndreasM — 6.03, 2012 @ 11:57

  63. @61: Sie blenden aber komplett aus, dass in unserem Wirtschaftssystem der Preis nicht allein von den Herstellungskosten abhängt, sondern z.B. auch vom Marktwert einer Sache.

    Ich finde es reichlich bizarr, dass man als Urheber mittlerweile auch noch die Grundprinzipien der freien Marktwirtschaft verteidigen muss…

    Und das Modell Kulturflatrate ist schon allein deshalb keine ernsthafte Alternative, weil niemand weiß, wie man so ein bürokratisches Ungetüm verwalten soll, geschweige denn kann. Wie hoch soll die Flatrate eigentlich sein? 1000 Euro im Monat? Oder nur 10, soviel wie eine Kinokarte?

    Comment by Paralleluniversator — 6.03, 2012 @ 12:38

  64. @62 Der Marktwert für ein nicht knappes Gut, welches von jedermann ohne nennenswerten Aufwand reproduziert werden kann, tendiert schon nach kurzer Zeit ab Veröffentlichung gegen null.

    Soviel zu den “marktwirtschaftlichen Prinzipien”.

    Was Sie fordern ist ja gerade eine Ausnahme von solchen Prinzipien und ein staatlicherseits aufrechterhaltenes Protektorat resp. ein durchsetzbares Recht auf künstliche Verknappung für Ihre Fotos – zum Zwecke der künstlichen Steigerung deren Marktwertes.

    Sowas kann man fordern – mit Marktwirtschaftlichen Prinzipien hat es jedoch nichts zu tun.

    Comment by Dominic — 6.03, 2012 @ 12:57

  65. @63: Glauben Sie ernsthaft, die Marktwirtschaft funktioniert ohne Regeln? Nur wegen der technisch einfachen Reproduzierbarkeit ist Ihnen noch lange nicht gestattet, Ihre Photoshop-Kopie kostenlos im Netz weiterzuverbreiten.

    Und da der Marktwert eines Buches wegen des riesigen Angebots z.B. nur 10 Euro beträgt, ist jeder Autor, der mehr als ein paar Minuten daran gearbeitet hat (und das dürfte jeder sein), gezwungen, mehr als ein oder zwei Kopien davon zu verkaufen.
    Und wenn jedes Produkt tatsächlich nur soviel einspielen dürfte, wie seine Erstellung gekostet hat (siehe Ihr Vorposter), wo bliebe dann der “Gewinn”, der doch der Motor unseres Wirtschaftssystems ist, oder nicht?

    Im übrigen fordere ich keine Ausnahmen von marktwirtschaftlichen Prinzipien, sondern feste Rahmenbedingungen. Das ist ein Unterschied.

    Und mit ihrem ersten Satz treten Sie selbst den Beweis an, das Urheberschutz heute wichtiger ist denn je…

    Comment by Paralleluniversator — 6.03, 2012 @ 14:53

  66. @62: Ich habe gar nichts über Preise ausgesagt und damit spielt auch der Marktwert erstmal keine Rolle. Es war eine rein volkswirtschaftliche Betrachtung von Kosten in Form von Arbeit und Resourcen und Nutzen.

    Bei begrenzten Waren spielt die Allokation eine Rolle. Um einen grösstmöglichen Gesamtnutzen zu erzielen, muss die begrenzte Warenmenge dort allokiert werden, wo sie am meisten Nutzen bringt.
    Das ist bei unbegrenzt verfügbaren Waren nicht der Fall. Der grösstmögliche Gesamtnutzen ist hier, dass alle, die irgendeinen Nutzen davon haben, sie verwenden.
    Schränkt man dies ein, muss man schon einen sehr guten Grund haben.

    Natürlicherweise entstehen bei unbegrenzt verfügbaren Waren keine Märkte, man muss sie immer künstlich erschaffen, indem man die Warenmenge begrenzt. Bei “Geistigem Eigentum” geschieht das durch ein Monopol, das auf eine mehr oder weniger eng begrenzte Warenkategorie beschränkt ist. Normalerweise versucht man auf Märkten Monopole zu vermeiden, hier führt man sie ein.
    Wie man vor allem im Bereich des Patentunwesens sieht, hat das eine Reihe sehr seltsamer Effekte.
    Auf den künstlichen Märkten des “geistigen Eigentums” konkurrieren nie Äpfel mit Äpfeln sondern immer Äpfel mit Birnen (auch wenn manchmal die Unterschiede klein genug sind, dass man von verschiedenen Apfelsorten reden kann).

    Zu der Kulturflatrate: Persönlich denke ich eher, dass das aus einem Steuertopf kommen sollte, da dadurch ein sozialer Ausgleich stattfindet und so jeder einen angemessenen Anteil zahlt.
    Die Gesamthöhe sollte in Prozent des BIP dem entsprechen, was momentan in die entsprechenden Bereiche fliesst.

    Verglichen mit dem, was momentan an Kosten anfallen, müssten wir es schon sehr schlecht organisieren, um am Ende nicht besser dazustehen.

    @64: Gewinn ist bei einer Kulturflatrate ja nicht ausgeschlossen.

    Comment by AndreasM — 6.03, 2012 @ 17:29

  67. @paralleluniversator (#49)

    Falsch daran ist, dass Sie offensichtlich nur schwarz-weiß denken und nicht lesen, was andere fordern, oder gerne mit Strohmann-Argumenten arbeiten.

    Wer hat gesagt, dass das Urheberrecht abgeschafft werden soll?

    Es geht auch gar nicht so sehr um das Urheberrecht, sonder viel mehr um die Nutzungsrechte.

    Es geht z.B. darum, zwischen kommerzieller Verwertung und privater Nutzung zu unterscheiden. So kann man z.B. darüber diskutieren, Kopien für den Privatgebrauch zu legalisieren (wie das IIRC in der Schweiz der Fall ist), sie zu dulden, oder zumindest wesentlich milder zu ahnden. Damit könnte man unter anderem vermeiden, mit Abmahnanwälten auf Jugendliche zu schießen.

    Es geht z.B. um Fristen. Patente dienen eigentlich alleine dem Zweck, Forschungskosten auszugleichen. Die Fristen müssen also so gewählt werden, dass die Patente ungefähr dann auslaufen, sobald die Kosten für die Entwicklung wieder eingefahren sind. Das ist sicherlich branchenabhängig, aber 2-5 Jahre dürften realistischer sein als 20 Jahre.

    Ähnlich verhält es sich beim Urheberrecht. Auch hier müssten die Schutzfristen drastisch gekürzt werden, wobei man auch hier wieder zwischen kommerzieller Verwertung und privater Nutzung unterscheiden sollte. Es ist schwer zu vermitteln, dass ein Film, der seine Produktionskosten schon am ersten Kinowochenende wieder einspielt, eine Schutzfrist von 120 Jahren benötigt. Auch hier wären 1-2 Jahre vollkommen ausreichend. Das gleiche dürfte für Musik und allgemein eher tagesaktuelle Werke gelten. Das Urheberrecht erlischt natürlich nicht, d.h. es muss z.B. immer auf den Urheber verwiesen werden und man könnte auch festlegen, dass jede kommerzielle Verwertung immer mit dem Urheber verhandelt werden muss.

    Ich denke aber, man muss akzeptieren, dass jedes publizierte Werk irgendwann in Allgemeingut übergeht. Und eben besonders schnell Werke, die offensiv und für den Nutzer kostenlos vertrieben werden: Musik im Radio, Musikvideos im Internet, Filme im Fernsehen. Oder man denke nur an Sportübertragungen, diese dürften schon nach einer Woche nur noch einen verschwindend geringen Wert für den Rechteinhaber haben. Warum sollte man sie also nicht frei verbreiten dürfen?

    Sie sehen also, ihr Geschäftsmodell wäre durch eine Urheberrechtsreform (soweit ich das sehe) gar nicht beeinträchtigt.

    Und noch zur Marktwirtschaft: Der Wert eines Produkts ergibt sich nicht aus den Produktionskosten, sondern daraus, was Menschen bereit sind dafür zu zahlen.

    Comment by Frank — 6.03, 2012 @ 19:49

  68. Ich habe mich mal durch die ganzen Kommentare durchgewälzt und mir raucht etwas der Kopf. Ich bin durch Zufall hierhergekommen und kann mir an manchen Stellen nur die Haare raufen.

    Als Kameramann und Journalist produziere ich nahezu täglich geistiges Eigentum (oder urheberrechtlich geschütztes Eigentum). Dafür habe ich eine Ausbildung und die dazugehörige Technik erworben.

    Nehmen wir nun z.B. einen Bäcker der jeden Tag Brot und Brötchen bäckt. Wenn er 10 Brötchen bäckt, muss er in der Nacht aufstehen, seine Maschinen anwerfen, seinen Ofen anwerfen, die Brötchen backen und verkaufen. Bäckt er 10000 Brötchen hat er etwas mehr Materialeinsatz und etwas mehr Arbeit, aber er kopiert letztlich die Brötchen, diese Kopien verkauft er auch.

    Nun wieder zurück zur Diskussion und hier stellt sich die Frage was ist der Unterschied zum Bäcker und meinen Bildern oder Texten.
    Kein vernünftiger Mensch würde daherkommen und würde sagen, Bäcker Du verkaufst nur die ersten zehn Brötchen und die restlichen verschenkst Du. Dafür kannst Du gern HartzIV oder BGE bekommen.
    Klar stellt das Brötchen einen materiellen Wert dar, ist deshalb eine geistige Schöpfung egal welcher Art nichts wert? Ist eine Idee nichts wert? Ist ein Kunstwerk nichts wert?

    Ja, auch ein Kreativer geht ein bei der Produktion wirtschaftliche Wagnisse ein, oftmals mit ungewissen Ausgang. Wenn ich als Reporter zu einem Ereignis fahre und dies dokumentiere kann das für 0 € sein, wenn ich meine nicht Aufnahmen verkaufe oder auch mehrere hundert € wenn ich das Material verkaufe. Da ich manches Verkaufe und manches nicht komme ich im Durchschnitt auf meinen Erlös. Das gesamte nennt man Mischkalkulation. Nun kommt aber der Moment wo ich vielleicht 1 h Anfahrt habe, 1 h Drehzeit und 1h Rückfahrt. z.B. Ein C-Promi eröffnet nen Baumarkt. Bei dem Ereignis ist kein TV Sender interessiert und ich verkaufe für 20 € ein Bild an eine Lokalzeitung 3 h Arbeit + Technik + Verbrauchsmaterial + Auto, da kann sich jeder aus rechnen was unterm Strich übrig bleibt- fast nix.
    Diese Zeitung veröffentlicht nun das Foto im Internet (sie haben ja auch für die Rechte bezahlt) Nach Auffassung einiger, wäre nach dem Fall der Urheberrechts das Foto frei. Drei Tage später, stellt sich heraus, dass das dieser Promi eine Skandal verursacht oder in einen Skandal involviert wird. In dem Moment steigt der Wert des Fotos enorm. Normalerweise kompensiere ich das Verlustgeschäft, indem ich das Foto an andere verkaufe. Wenn das Foto jetzt frei wäre, würden alle großen Firmen und Verlage sich des Bildes bedienen und z.B. Werbung daneben schalten. Hier würden Verlage oder Reichweiten starke Internetseiten tausende Euro verdienen und ich als Urheber hätte die Kosten gehabt und hätte dafür 20 Euro bekommen. Tolle Vorstellung.

    Hier stellt sich die Frage, warum sich gerade die großen Internetfirmen auf die Seite stellen, die für die Lockerung des Urheberrechtschutzes stellen oder es abschaffen wollen?
    Die Antwort, einerseits profitieren sie direkt, da sie dann ungestraft mit fremden Eigentum Geld verdienen dürfen (siehe das oben erwähnte Foto), andererseits werden sie von der Pflicht entbunden für die Einhaltung des Urheberrechts zu sorgen, was zweifelsohne Kosten verursacht.

    Ich bin daher ab dem Tag, für kostenfreie freie Verfügbarkeit von geisitigen Eigentum und deren Darstellung, ab dem ich frei meine Waren im Supermarkt bekomme, mein Auto gestellt wird und ich kostenfreien Strom, kostenfreies Benzin und kostenfreien Internetzugang bekomme und mietfrei wohnen kann.

    Comment by Hit-TV.eu — 8.03, 2012 @ 11:29

  69. @Frank Ich kann den Argumenten absolut nicht folgen. Wenn ich es so verstehe und mal umsetze fordern Sie, wenn ich richtig verstanden habe folgendes für geistiges Eigentum.

    Ich kaufe ein Auto und nach 5 Jahren geht das Auto in Allgemeingut über, so lesen sich Ihre Vorschläge zur Behandlung von geistigem Eigentum.

    Auch eine Eigentums Behandlung in Privatgebrauch oder kommerziellen Gebrauch ist Blödsinn. Wenn ich in einem Baumarkt gehe und eine Bohrmaschien klaue, dann interessiert auch niemand, ob ich die in einer Baufirma nutze oder ob ich ein Loch zu Hause bohre. Geklaut ist geklaut, was ich damit mache, aus welchem Grund, ist da überhaupt nicht relevant.

    Ebenso ist es mit den Schutzrechten. Ich weis nicht, womit Sie Ihren Lebensunterhalt verdienen, aber bestimmt gehen Sie nicht auf Arbeit, weil Ihr Chef ein netter Mensch ist und Sie dabei nichts verdienen.
    Das bei mir neben den Spaß an meiner Arbeit, auch ein kommerzielles Interesse besteht, gebe ich an dieser Stelle durchaus zu, meine Kinder wollen essen und brauchen Kleidung…… Jeder der geistiges Eigentum schafft, egal in welchem Bereich hofft auf den großen Durchbruch worauf er (oder sie) oft jahrelang hinarbeitet. Manche schaffen es, viele nicht.
    Ich will mal das Beispiel Musiker ansprechen. Manche Bands tingeln jahrelang herum und leben oftmals am Existenz Minimum. Eines Tages haben sie einen großen Hit. Jetzt verdienen sie erstmals richtig Geld und werden für jahrelanges Entbehren und viel Kleinarbeit entlohnt. Das soll ihnen genommen werden durch freie Kopien? Und das von Leuten die nichts eigenständig machen, sondern jeden Monat sozial abgesichtert ohne Risiko einen Gehaltsscheck bekommen?

    Zum Thema Kulturflatrate, wie soll das funktionieren, jeder der zu faul ist zu arbeiten, nennt sich geistiger Arbeiter und bekommt dann Geld aus diesem Topf? Ich denke da an alle 30 000 (oder wieviel es waren) DSDS Kandidaten, die sich dann alle als Künstler fühlen. Wie soll man also eine faire Bewertung des geistigen Eigentums vornehmen?

    Comment by Hit-TV.eu — 8.03, 2012 @ 11:56

  70. @68: Wenn dieser Bäcker eine magische Backmaschine hätte, die beliebig viele Brötchen in kürzester Zeit backen und diese sofort an jeden Ort der Welt teleportieren kann, dann würde ich von ihm verlangen, diese Dienstleistung als Gesamtes an die Allgemeinheit zu verkaufen anstatt Brötchen an diejenigen mit Geld zu verkaufen und den Rest verhungern zu lassen.

    Comment by AndreasM — 8.03, 2012 @ 17:32

  71. @Hit-TV.eu (#68,#69)
    Ich würde ja gerne eine ernsthafte Diskussion über das Thema führen, aber von der Seite der Reformgegner — und da sind Ihre Beiträge geradezu ein Prototyp — kommen leider nahezu ausschließlich Strohmann-Argumente. Daneben werden Begriffe verwendet, die falsche Assoziationen herstellen sollen. Diese Argumentation ist einfach nur destruktiv.

    Der Begriff des geistigen Eigentums könnte kaum unsinniger sein — wenn es so etwas wie geistiges Eigentum geben würde, wäre das einfach alles, was in meinem Kopf gespeichert ist –, zudem ist es schlicht falsch, in diesem Zusammenhang von Diebstahl oder Raubkopien zu sprechen. Es geht um Urheber-, Verwertungs- und Nutzungsrechte. (Und damit vielleicht um das Eigentum an diesen Rechten.) Und es hat auch niemand vor, das Urheberrecht abzuschaffen. Es geht um eine sinnvolle Gestaltung dieser Rechte.

    Comment by Frank — 8.03, 2012 @ 18:47

  72. Er hat ja bezeichnenderweise gar nicht juristisch argumentiert. Es ist eine Meinung. Aber damit nur ein Beispiel für diesen grossen Angriff auf Kreativität, Produktivität und freie Künstlerexistenz im 21.Jahrhundert. Ihr wollt einfach klauen, was euch nicht gehört. Niemand hat die Relaitivätstheorie als Theorie unter Schutz gestellt – eine absurde Scheindebatte. Die “Buddenbrooks” sind ein Leitmotiv ganzer Bibliotheken – niemand störts. Der Vergleich mit Mozart ist hanebüchen. Das ist das Wesen von Kunst. Thomas Mann hat ganze Lexikaeinträge abgeschrieben. Worum es heute geht ist das Kopieren ganzer Werke und nur darum. Das Weitervertreiben ohne für die Leistung des Künstlers zu zahlen. Das ist die geistfeindlichste und kunstfeindlichste Debatte, die man sich vorstellen kann – am Ende werden alle öffentlich-rechtliche DDR Künstler. Den anders geht es nicht. 80 % der oft unverkäuflichen Gegenwartsliteratur wäre nicht entstaanden, wenn sie von Verlagen nicht quersubventioniert würden. RA Stadler, der hier so diskret auf sich aufmerksam macht, den Namen werde ich mir merken.

    Comment by Artist — 11.03, 2012 @ 20:42

  73. @72: Juristische Argumentation wäre ja auch ziemlich sinnlos in einer grundlegenden Debatte, bei der es darum geht, was genau wie geschützt werden sollte und wie die Entlohnung von Künstlern am Besten organisiert wird.

    Kontrolle und Entlohnung über den Vertrieb ist nur einer von vielen Wegen und wie man heutzutage sieht, einer mit sehr vielen Nebenwirkungen und Kollateralschäden.

    Comment by AndreasM — 12.03, 2012 @ 12:02

  74. Was will uns Herr Stadler eigentlich mit diesem Artikel sagen? Dass wir alle Geniusse im Sinne von §24.1 UrhG sind? Oder dass ohnehin alles Kunst ist?

    Zum Thema Mozart:
    “Es gibt keine originären Werke, die aus dem Nichts entstehen. Vielmehr knüpft jeder Urheber an etwas Bestehendes an und entwickwelt es weiter. Und an dieser Stelle offenbart sich das Dilemma des Urheberrechts, das bislang ignoriert wird. Das Urheberrecht erweist sich als als Hemmschuh, das selbst wirkliche Genies wie Mozart ausgebremst hätte. Oder um es mit Oscar Wilde zu sagen: “Talent borrows, genius steals”. Gerade auch das Genie muss auf das Bestehende zurückgreifen und hat es daher schwer, sich unter den Gegebenheiten des modernen Urheberrechts zu entfalten.”

    Stimmt. Hinter JEDEM von Menschen gemachten Produkt, sei es etwas haptisches oder ein digitales File steckt eine Idee, ein Gigant auf dessen Schultern wir stehen. Wir würden heute noch mit dem Abakus arbeiten, hätten nicht Generationen über Generationen von Menschen das Prinzip aufgegriffen und weiterentwickelt bis hin zum modernen Computer. Dass ein Computer deshalb zum Herstellungspreis verkauft wird, verlangt niemand. Eigenartig, oder?

    Wo wurde die Weiterentwicklung bestehender Ideen durch das Urheberrecht TATSÄCHLICH verhindert (und nicht nur hypothetisch bei Mozart…)? Musikstile wie HipHop, Rap, der gesamte elektronische Bereich und nicht zuletzt der gesamte Jazz etcpp sind IM BESTEHENDEN URHEBERRECHT entstanden. Der Begriff des geistigen Eigentums scheint hier nicht geschadet zu haben – im Gegenteil, meines Erachtens macht er die massenhafte Verbreitung von Musik zu einem erschwinglichen Preis erst möglich. Man darf entgegen der landläufigen Meinung Vieler völlig ohne den Urheber zu fragen, jedes Stück bearbeiten, verändern, mashuppen oder was auch immer. Man darf dieses Stück auch veröffentlichen, WENN man den Urheber vorher gefragt hat und er seine Zustimmung gegeben hat und WENN man ihn angmessen vergütet – was bei fehlender Gewinnabsicht auch durchaus mal 0€ sein können, aber nicht müssen.

    Oder anders gefragt: wie konnte eigentlich Leonard Cohen legal Bob Dylan covern? Wie konnte Johnny Cash mit dem Hit Personal Jesus von Depeche Mode nochmals durchstarten?

    Und nochmal zum Thema Mozart: man lese bitte aufmerksam die Wikipedia Biografie zu Mozart, die in diesem Fall bereits ausreicht, um darzulegen, was der Unterschied zwischen einem von staatlichen Subventionen abhängigen und einem frei arbeitenden Musiker ausmacht.

    Ich zitiere hier nur einen Absatz:
    “Speziell in seinen Opern Die Zauberflöte und Le nozze di Figaro sind gesellschaftskritische Töne aus dieser Mitgliedschaft zu spüren, die vielleicht mit dazu beigetragen haben, dass es Mozart nach der Urauführung des „Figaro“ finanziell nicht mehr so gut ging, zumal kurz danach ein Krieg mit den Türken begann. Am 7. Dezember 1787 wurde er noch von Josef II. zum k.k. Kammermusicus ernannt mit einem stattlichen Jahresgehalt von 800 Gulden und am 9. Mai 1791 zum unbesoldeten Adjunkten des Domkapellmeisters von St. Stephan, Leopold Hofmann.

    Mit der Aufführung von Le nozze di Figaro 1786, die Josef II. trotz des systemkritischen Inhalts freigab, überforderte er das Wiener Publikum, sodass es sich von ihm zurückzog. So verschlechterte sich seine wirtschaftliche Situation, ohne dass er dieser Tatsache mit seinen Ausgaben Rechnung trug. Trotz des vorherigen Wohlstandes hatte er keine Ersparnisse angesammelt und musste mehrfach seine Freunde anpumpen. Diese Misserfolge führten zu einem Wendepunkt in seinem Leben: Erfolg hatte er in dieser Zeit nur in Prag.” </i)

    http://de.wikipedia.org

    Hätte Mozart zu diesem Zeitpunkt bereits von den Tantiemen seiner Werke profitieren können, wäre es ihm vmtl eher gelungen, als freier Komponist zu arbeiten und seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ohne dieses Recht war er Zeit seines Lebens auf die Gönnerhaftigkeit seiner Arbeitgeber angewiesen. Noch mehr: eine kritische Haltung führte augenscheinlich dazu, dass seine Finanzen sich verschlechterten, da er es wagte dem Adel, dem Publikum der damaligen Zeit, kritische Inhalte vorzuführen.

    Mozart die Letzte:
    Es gab kein Urheberrecht und Mozart hat streckenweise plagiiert, in Ordnung. Deshalb können wir heute nur ahnen, wo er sich bedient hat. Das ist eigentlich schade und hätte durch eine Verpflichtung zur Nennung des Giganten, auf dessen Schultern er stand behoben werden können (CC Lizenz!).

    Es hält sich ja hartnäckig das Gerücht, Mozart habe sich u.a. bei Salieri bedient. Hier wird nun behauptet, hätte es das Urheberrecht bereits gegeben, würde es Mozarts Kompositionen nicht geben. Das stimmt schon alleine deswegen nicht, da es im bestehenden Urheberrecht den folgenden Paragraphen gibt , der Mozart jedwedes Recht zugestanden hätte, Salieris Werk frei umzugestalten – sofern ein neues Werk dabei entsteht (UrhG: http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/index.html):
    § 24 Freie Benutzung
    (1) Ein selbständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, darf ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes veröffentlicht und verwertet werden.
    (2) Absatz 1 gilt nicht für die Benutzung eines Werkes der Musik, durch welche eine Melodie erkennbar dem Werk entnommen und einem neuen Werk zugrunde gelegt wird.

    Und selbst wenn das nicht zugetroffen hätte auf Mozarts Werke:

    Später, als Da Ponte in Prag war, um die Uraufführung von Mozarts Don Giovanni mit vorzubereiten, wurde er wegen einer königlichen Hochzeit, zu der Salieris Oper Axur, Re d’Ormus uraufgeführt werden sollte, nach Wien zurückgerufen: sicherlich war Mozart mit diesem Vorhaben nicht einverstanden. Salieri andererseits beabsichtigte offenbar gar nicht, Mozarts Karriere aufzuhalten: Nachdem Salieri Hofkapellmeister geworden war, hatte er 1789 anstatt einer eigenen Oper sogar den Figaro erneut auf die Bühne gebracht, und als er 1790 zu den Krönungsfeierlichkeiten für Leopold II. reiste, hatte er nicht weniger als drei Messen Mozarts im Gepäck.

    Man kannte und schätze sich also. Menschlicher Faktor. Sollte man nicht unterschätzen. Denn genau so sind in den letzten Jahrzehnten überweigend Musikstile entstanden und weiterentwickelt worden: die Musiker kannten sich, fragten beim Komponisten nach, ob die Bearbeitung in Ordnung geht und erteilten die Erlaubnis, durchaus unter auch monetären Bedingungen. Ich behaupte: mindestens genauso oft ohne Vergütung.

    Gerade das zeigt doch aber den Respekt des Nachschaffenden für den Vorschaffenden: nachfragen, sich austauschen, das Einverständnis einholen und das Bestehende weiterentwicklen. Genauso ist es im Urheberrecht vorgesehen und auch im Fall Mozarts wäre es sicher kein Problem gewesen, bei Salieri – ggf. gegen Beteiligung an seinen Gewinnen – Teile eines bestehenden Werkes zu einem neuen Werk zu machen. Wäre das wirklich schlecht gewesen? Hätte es Mozart davon abgehalten zu komponieren, wie hier wiederholt suggeriert wird?

    “Um dieses Spannungsverhältnis […] aufzulösen, sehe ich grundsätzlich zwei unterschiedliche (rechtsdogmatische) Lösungsansätze.

    Vielmehr sollte man übergehen zu einem Konstrukt einer zwar geschützten Rechtsposition, die sich aber der ergebnisoffenen Abwägung mit anderen legitimen Interessen und Rechtspositionen stellen muss und keinen regelmäßigen Vorrang für sich reklamieren kann.”

    Hier droht der Text erstmals spannend zu werden, denn hier soll der Lösungsvorschlag für das ‘Problem’ des geistigen Eigentums kommen. Aber – ach – wo ist er denn der Vorschlag? Mit WELCHEN legitimen Interessen und Rechtspositionen soll abgewogen werden? WIE soll die Rechtsposition geschützt werden, wenn es kein GEISTIGES EIGENTUM mehr gibt?

    “Wenn man stattdessen den tradierten Weg fortsetzen will, so muss man doch erkennen, dass es dem Wesen des “geistigen Eigentums” entspricht, einer wesentlich stärkeren Sozialbindung zu unterliegen als das Sacheigentum. Denn Geisteswerke sind gleichzeitig auch Bestandteil des Wissens und der Kultur der gesamten Menschheit und als solches ab dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung auch Allgemeingut. Sie sollten deshalb idealerweise nicht nur ungehindert zugänglich sein, sondern auch einer möglichst ungestörten Weiterentwicklung unterliegen.”

    Auch das ist kein Vorschlag, sondern im gegebenen Gesetz Fakt. Wie Herr Stadler weiter oben richtig feststellt, gibt es bereits diverse Schranken im Urheberrecht, die die exklusiven Nutzungsrechte sowie die Persönlichkeitsrechte des Urhebers aushebeln: für die Verwendung in Schulen, für das Kopieren für Sehbehinderte, für die private Kopie zuhause etcpp. Dass und wie man die Schranken-Regelungen an die digitalen Gegebenheiten anpassen muss – darüber müssen und sollten wir diskutieren.

    Aber warum der Begriff geistiges Eigentum dabei stört, wurde durch diesen Artikel nicht verdeutlicht.

    Vermutlich wegen des grundsätzlichen Zusatzes, dass jede Nutzung, auch die, die durch Schranken ohne Einwilligung des Urhebers erlaubt ist, angemessen zu vergüten ist? Das lässt sich natürlich nicht mehr aufrecht erhalten, wenn man dem Urheber kein Eigentum an seinen Werken mehr zugesteht.

    Aber eigentlich, wie ich auch viele Kommentatoren hier verstehe, wollen wir ja angemessen vergüten und gleichzeitg so frei wie möglich mit Werken Dritter umgehen.

    Das alles hört sich für mich nach einem Lizenzproblem an, nicht nach einem Urheberrechtsproblem. Und dafür brauchen wir Lösungsvorschläge.

    Darüber sollten wir reden, statt immer weiter Analogien aus dem 18. Jahrhundert und Scheindebatten über geistiges Eigentum zu führen.

    Comment by Eva Kiltz — 12.03, 2012 @ 14:43

  75. Mozart hat sogar noch viel mehr getan als nur Teile von anderen Komponisten zu übernehmen.
    Er ist aktive gegen den Versuch vorgegangen Wissen zu verheimlichen:.
    Das Miserere von Allegri durfte nicht kopiert werden, es wurde nur einmal im Jahr aufgeführt.
    Mozart hörte es und schrieb aus dem Gedächtnis die Noten auf sonst wäre es wohl für immer verlorengegangen.

    Comment by Egmond — 12.03, 2012 @ 19:32

  76. @74: Eigentum impliziert weit mehr als nur einen Vergütungsanspruch. Nämlich insbesondere auch eine Verfügungsgewalt.
    Das forcierte Abtreten dieser Verfügungsgewalt, auch gegen Vergütung, bezeichnet man als Enteignung.

    Wegen dieser Implikationen halte ich den Begriff des “Geistigen Eigentums” für falsch.
    Ich gestehe denjenigen, die etwas veröffentlichen, einen Vergütungsanspruch zu, aber nicht die Macht, Weiterentwicklungen zu verhindern oder Teile der Öffentlichkeit von der Nutzung auszuschliessen, also eben keine Verfügungsgewalt.

    Comment by AndreasM — 13.03, 2012 @ 01:11

  77. @AndreasM: kann es einen Vergütungsanspruch geben, wenn es kein Eigentum gibt?

    Comment by Eva Kiltz — 14.03, 2012 @ 16:18

  78. @Eva Kiltz: Natürlich. Die meisten Vergütungsansprüche haben nichts mit Eigentum zu tun.

    Comment by Stadler — 14.03, 2012 @ 16:21

  79. @74 Respekt Frau Kiltz. Fakten statt unzutreffender Behauptungen von Stadler. Vermisse fundierte Antwort darauf wie auf die fundierten Anmerkungen von Paralleluniversator. Mit nicht zuende gdachter Ideologie und Rhetorik kommen wir nicht weiter.

    Comment by Mark Chung — 18.03, 2012 @ 22:04

  80. Ich schätze dieses Blog sehr und war deshalb ziemlich erstaunt, mit dem Beitrag über geistiges Eigentum einen Text zu lesen, der fast ausschließlich aus unbegründeten Behauptungen besteht. Einige meiner Kritikkpunkte wurden in den Kommentaren schon genannt (speziell von Eva Kiltz in Kommentar Nr. 74), die nochmals aufzuführen, spare ich mir hier (wer möchte, kann meine vollständige Ausführungen zum Artikel auf http://christiansiebje.wordpress.com nachlesen).

    – Thomas Stadler bezeichnet geistiges Eigentum als „Konstrukt“, das erst „wenige Jahrhunderte alt“ sei und eine „(juristische) Fiktion“ darstelle. Im Gegensatz dazu stehe das „Eigentum an Sachen“, welches die Menschheit seit „Jahrtausenden kennt und anerkennt“. Warum sollte denn ein jüngeres Konstrukt per se schlechter sein als ein altes? Können juristische Konstrukte generell nicht immer erst dann entstehen, wenn sie gesellschaftlich notwendig sind? Und ist nicht auch das persönliche „Eigentum an Sachen“ ein Konstrukt, auf das wir uns im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung geeinigt haben? In vielen Gemeinschaften gab und gibt es das nämlich nicht. Schließlich: Wurde eigentlich irgendwann festgelegt, dass geistiges Eigentum eine juristische Fiktion ist?

    – Das Original sei „ ein Geisteswerk, das von einem Urheber geschaffen wurde, dem regelmäßig der Ruf der Genialität anhängt“ während es sich beim „Kopieren um eine jahrtausendealte Kulturtechnik handelt, die der Menscheit nicht nur ihr Überleben gesichert, sondern vielmehr dafür gesorgt hat, dass sich die Menschheit weiterentwickeln konnte“. Schon wieder wird der geschichtliche Hintergrund betont, als wenn allein die lange Tradition einer menschlichen Errungenschaft diese automatisch als positive und sinnvolle Technik ausweisen würde. Mit dieser Art von Begründung lässt sich von Betrug bis Krieg jede traditionsreiche Zivilisationsstrategie ins Positive verkehren.

    Zu beachten ist auch die vorgenommene Erhöhung des Schöpfers geistigen Eigentums als Genius. Wer behauptet denn so was heutzutage noch? Wenn es darum geht, kreativ Tätige als sich selbst überschätzende Popanze darzustellen, scheint auch der Griff in die Kiste mit abgeschmackten Vorurteilen recht zu sein.

    – Geistiges Eigentum steht „in wesentlich stärkerem Maße in einem Spannungsverhältnis zu den Belangen der Allgemeinheit als dies beim Sacheigentum der Fall ist“.

    Ich bin mir nicht sicher, wonach die gesellschaftliche Relevanz der verschiedenen Arten Eigentums bemessen wird. Wenn es ausschließlich nach gesetzlichen Hierarchien geht, stellt sich mir die Frage, ob der Gesetzgeber das Spannungsverhältnis von Sacheigentum zur Allgemeinheit nicht ungleich stärker dadurch betont, dass er schon im Grundgesetz (Artikel 14, Eigentum verpflichtet) eine Einschränkung vornimmt, als durch die Formulierung von Schranken in einem untergeordneten Gesetz.

    Aber auch abgesehen von juristischen Fragen scheint mir die Behauptung, dass Sacheigentum in geringerem Masse gesellschaftlichen Spannungen unterliegt, sehr gewagt zu sein. Immerhin ist die Frage nach gerechter Verteilung des Eigentums seit dem Ende des 19. Jahrhundert für immense globale Veränderungen verantwortlich. Der Zusammenbruch fast aller kommunistischen Systeme hat an den Tatsachen nichts geändert. Wenn der Mensch nichts zu essen und kein bezahlbares Dach über dem Kopf hat, sind das Beeinträchtigungen, die deutlich schwerer wiegen als die Frage, ob ich einen fremdes Foto kostenfrei auf meiner Homepage veröffentlichen darf.

    – Der Bewertung des Urteils des Landgerichtes Stuttgart stimme ich nicht zu. Die Ausführungen von Thomas Stadler in dem verlinkten Beitrag zum Urteil scheinen für mich ein Beleg für die eklatante Unkenntnis des Gerichtes im IT-Bereich zu sein. Außerdem hätte das Urteil auch anders ausfallen können, was meiner Meinung nach im Bericht impliziert wird.

    – Die “Generika-Diskussion”: Das ist in der Tat ein schwerwiegendes Problem. Stadlers Text verschweigt aber, wie komplex sich der Sachverhalt tatsächlich darstellt. Er verschweigt auch, dass einige Entwicklungsländer mit Zwangspatenten bereits erste Massnahmen ergriffen haben, die einen wichtigen Schritt zur Lösung dieses Problems darstellen, weil sie die Pharmaindustrie unter Zugzwang setzen und zugleich den moralischen Aspekt in den Blickpunkt rücken. Die Entwicklungsländer warten also nicht nur darauf, dass die reichen Länder Gesetze erlassen, sondern nehmen das Heft selber in die Hand. Gute Infos zum Thema bietet der Artikel “Streit um teure Medikamente” von Helga Einnecke, der am 17. März auf sueddeutsche.de erschienen ist (http://bit.ly/FOOFse), und schon im Januar 2008 hat sich Julia Bidder auf focus.de in “Arzneimittel- Der Dauerstreit um Patente” (http://bit.ly/IrtiRj) sehr ausführlich mit diesem Thema auseinandergesetzt.

    – Zwerge und Riesen: Es gäbe „keine originären Werke, die aus dem Nichts entstehen. Vielmehr knüpft jeder Urheber an etwas Bestehendes an und entwickwelt es weiter“. Ach was. Das ist eine Binsenweisheit, und nicht mal eine besonders neue. Mir fällt kein ernsthafter Autor/Maler/Musiker ein, der seine Werke nicht als Weiterführung des bisher in seinem Medium geleisteten begreift. Aber warum sollten denn Werke, die aus einem traditionellen Fundus heraus zu etwas Neuem geformt werden, nicht schützenswert sein? Trotz (oder wegen) des bestehenden Urheberrechtes wurden auch im eklizistischen 20. Jahrhundert Artefakte geschaffen, die mehr sind, als die Summe der einzelnen Teile (und im 21. Jahrhundert sieht es nicht anders aus). Wenn es eine so geringe Leistung wäre, beispielsweise aus dem existierenden Angebot an Popmusik heraus einen neuen und erfolgreichen Song zu schaffen, warum macht es dann nicht jeder?

    – Lösungsansätze: 1.) Man solle sich “von der Vorstellung des geistigen Eigentums verabschieden und aufhören, das Urheberrecht oder gewerbliche Schutzrechte als absolute, eigentumsgleiche Rechte zu betrachten” und “übergehen zu einem Konstrukt einer zwar geschützten Rechtsposition, die sich aber der ergebnisoffenen Abwägung mit anderen legitimen Interessen und Rechtspositionen stellen muss”.

    Nun wird die “ergebnisoffene Abwägung” im Zweifelsfall doch längst praktiziert, in so ziemlich jedem Gerichtsverfahren. Stadler selber führt mit dem Prozess in Stuttgart ein gutes Beispiel dafür an. Wenn die aktuellen Schutzrechte so eindeutig und absolut wären, wie er schreibt, hätte es diesen Prozess doch gar nicht gegeben.

    2.) Wollte “man stattdessen den tradierten Weg fortsetzen” müsse man die stärkere Sozialbindung als Wesen des geistigen Eigentums erkennen. Darüberhinaus seien “Geisteswerke (…) Bestandteil des Wissens und der Kultur der gesamten Menschheit und (…) ab Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung auch Allgemeingut. Sie sollten (…) nicht nur ungehindert zugänglich sein, sondern einer möglichst ungestörten Weiterentwicklung unterliegen.”

    Welches Wissen ist denn in der aktuellen rechtlichen Situation nicht frei zugänglich? Es gibt mittlerweile mehr kostenlose Angebote an Büchern, Songs, Fotos, Software etc., kurz WISSEN im Netz, als ein einzelner in seinem ganzen Leben wegkonsumieren kann. Ist ein Kunstwerk nicht mehr ungehindert zugänglich, wenn der Nutzer den Erschaffer angemessen entlohnen soll? Wir reden hier doch nicht von Summen, die ein Buch, eine DVD oder einen Download zu einem Luxusgegenstand machen. Unter diesen Umständen davon zu sprechen, der bestehende Urheberschutz verhindere die Weitergabe von Kultur und Wissen, ist absurd. Problematisch ist vielmehr die Forderung, dass ein Geisteswerk ab Veröffentlichung Allgemeingut zu sein habe. Filme und Musikstücke werden im Hinblick auf ein Publikum produziert. Es liegt also in der Natur der Sache, dass die Entstehungskosten erst durch die Veröffentlichung wieder reingeholt werden können.

    Wir sollten in der aktuellen Diskussion endlich damit beginnen, den Erschaffern geistiger Werke die gleichen Rechte zu zugestehen, die jede andere Berufsgruppe auch hat. Dazu gehört in jedem Fall die Entscheidung darüber, ob der Erschaffer sein Geisteswerk kostenfrei zur Verfügung stellt, es selber vermarkten möchte oder einen Rechteverwerter damit beauftragt.

    Comment by Christian Siebje — 10.04, 2012 @ 12:51

  81. Ich wollte schon frohlocken, dass endlich mal jemand meinen Hinweis auf die wahre Natur auch des geltenden Urheberrechts in Bezug auf die Allgemeinheit aufgegriffen hat. Aber leider ist da ein Wörtchen zu viel: “Geisteswerke sind gleichzeitig auch Bestandteil des Wissens und der Kultur der gesamten Menschheit und als solches ab dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung auch Allgemeingut.” – Geisteswerke sind nicht nur “auch” Allgemeingut, sondern first AND foremost Allgemeingut!

    Comment by Manfred — 23.04, 2012 @ 00:16

  82. Eva Kiltz (74) ist lustig! Sie wundert sich: “Hinter JEDEM von Menschen gemachten Produkt (…) steckt eine Idee, ein Gigant auf dessen Schultern wir stehen. [Trotzdem verlangt niemand, d]ass ein Computer deshalb zum Herstellungspreis verkauft wird. Eigenartig, oder?” Und tatsächlich: Das ist verwunderlich! Aber doch aus ganz anderen Gründen, als denen, die sie unterstellt! Jeder normale Mensch würde die aktuell laufende Entwicklung hin zur Wissensgesellschaft zum Anlass nehmen, warum wir unter deren Bedingungen nicht auch bei Patenten und selbst bei Sachen endlich anfangen, einfach nach Bedürfnissen zu verteilen! Sie aber will den anachronistischen Umgang mit Dingen selbst bei geistigen Schöpfungen aufrechterhalten! Grotesk!!

    Comment by Manfred — 23.04, 2012 @ 01:00

  83. Auch Christian Siebje (80) stellt die Welt auf den Kopf, meint: “Problematisch ist vielmehr die Forderung, dass ein Geisteswerk ab Veröffentlichung Allgemeingut zu sein habe. Filme und Musikstücke werden im Hinblick auf ein Publikum produziert. Es liegt also in der Natur der Sache, dass die Entstehungskosten erst durch die Veröffentlichung wieder reingeholt werden können.” – Dass ein Geisteswerk ab Veröffentlichung Allgemeingut ist, ist keine Forderung, sondern schon unter geltendem Urheberrecht Faktum. Im Moment seiner Fertigstellung geht das Werk in das Allgemeingut über. Diese gewährt dem Schöpfer qua Urheberrecht geistige Monopolrechte, die zum Zeitpunkt 70 Jahre nach seinem Tod wieder verfallen, wenn das Werk an die ALlgemeinheit zurückfällt. Wer von “geistigem Eigentum” spricht, kann also höchstens diese temporäre besitzrechtliche Verfügungsgewalt über Allgemeingut meinen! Mit der Wissensgesellschaft wird diesem Faktum besser Geltung verschafft, indem der Vergütungsanspruch für die Nutzung aufgrund der digitalen Natur des Wissens in weltumspannenden Netzen entfällt. Und DAS ist definitiv nicht “problematisch”, sondern schlicht DAS konstituierende Element der sich derzeit etablierenden Gesellschaftskonformation der Wissensgesellschaft!

    Comment by Manfred — 23.04, 2012 @ 02:04

  84. @ Manfred: Mir ist in der Debatte schon mehrfach aufgefallen, dass mit dem Begriff Monopol inflationär umgegangen wird. Wikipedia definiert den Begriff so: “Monopol (…) nennt man eine Marktsituation (Marktform), in der für ein ökonomisches Gut nur ein Anbieter vorhanden ist.” Wenn beispielsweise Disney Filme produziert, hat die Company die Verwertungsrechte an genau diesen Filmen. Das schließt ausdrücklich die Rechte an allen anderen Filmen aus. Da von einem Monopol zu sprechen, ist ungefähr so sinnvoll, wie VW vorzuwerfen, sie hätten ein Monopol auf Autos der Marke VW, einem Tischler vorzuwerfen, er hätte ein Monopol auf den von ihm gezimmerten Tisch etc…

    Wenn es die Wissensgesellschaft geschafft hat, sich unter dem geltenden Urheberrecht so weit zu etablieren, wie es aktuell der Fall, frage ich mich, was denn eigentlich das Problem ist?

    Was ist eine Gesellschaftskonformation?

    Comment by Christian Siebje — 26.04, 2012 @ 16:30

  85. Zitat von Blub: “Wer als Künstler Kunst betreibt mit dem einzigen Ziel Geld zu verdienen, der ist kein Künstler sondern ein Hamsterrad mit Gelddruckmaschine.”

    Solche Dummschwätzsätze sind es, die die ernsthafte Debatte verhindern. Ich könnte dir genauso polemisch sagen, wenn du jeden Tag arbeiten gehen musst, um Geld zu verdienen, bist du echt eine arme Sau. Haben deine Vorfahren nichts hinterlassen? Keinerlei Immobilien, keine Aktien, kein Edelmetall?

    Comment by Hedonist — 12.05, 2012 @ 22:11

  86. Aus meiner Sicht stimmt die Ausgangsannahme nicht:Eigentum an Sachen ist etwas, was die Menschheit seit Jahrtausenden kennt und anerkennt. Das Konstrukt des geistigen Eigentums stellt demgegenüber eine (juristische) Fiktion dar, die erst wenige Jahrhunderte alt istEigentum, insbesondere in der modernen Fassung, kennt die Menschheit erst »wenige Jahrhunderte«, »Besitz an Sachen« hingegen tatsächlich schon Jahrtausende. Es ist von zentraler Bedeutung, zwischen »Eigentum« (»juristische Fiktion«, nett) und »Besitz« (die tatsächliche Verfügung über eine Sache) zu unterscheiden. Wenn man das tut, wird klar, dass die »juristische Fiktion« (ich nenne es neutraler »Rechtsform«) »Eigentum« _nicht_ von der Beschaffenheit des Guts abhängt.

    Das sind eigentlich Basics (selbst das BGB unterscheidet Besitz und Eigentum), die in der Debatte um das »geistige Eigentum« überhaupt nicht vorkommen. Aber die emsigen Verteidiger ahnen: Wer das »geistige Eigentum« (wenigstens diskursiv) antastet, der vergreift sich sich irgendwann auch am »Eigentum« insgesamt.

    Mehr dazu hier: Eigentum und Besitz und Commons

    Comment by StefanMz — 3.06, 2012 @ 13:10

  87. Ähm, die “blockquote”-Tags wurden gekillt. Das ist unschön. So kann man das Zitat im vorstehenden Kommentar nicht erkennen. Es lautet: »Eigentum an Sachen ist etwas, was die Menschheit seit Jahrtausenden kennt und anerkennt. Das Konstrukt des geistigen Eigentums stellt demgegenüber eine (juristische) Fiktion dar, die erst wenige Jahrhunderte alt ist«

    Bitte reparieren.

    Comment by StefanMz — 3.06, 2012 @ 13:12

  88. Der Blockquote-Tag ist hier für mich nicht ersichtlich. Ich weiß nicht, was da schiefgelaufen ist.

    Comment by Stadler — 3.06, 2012 @ 21:00

  89. Als die Menschen noch einen Urheber Allens kannten, haben sie sich nicht selbst so wichtig als “Urheber” genommen. Insofern ist der Urheberhype ganz und gar zeitgeistig.

    Comment by MisterX — 29.05, 2013 @ 19:51

  90. hi, zu VIEL TEXT !!!!!!!!!!!!!!!!

    Comment by Anonymous — 2.07, 2013 @ 10:55

  91. Ich bin kein Autor. Aber wenn ich Autor bin und ein Buch schreibe, will ich, dass es verkauft wird. Dafür muss es Schutzrechte geben. Sonst schreibe ich das Buch eben nicht. So einfach ist das. Das gleiche gilt für Filme. Oder Bilder. Oder Programme.

    Dieses naive Infragestellen des Urheberrechts geht mir immer mehr auf die Nerven.

    Comment by Autorenversteherin — 23.03, 2014 @ 12:17

  92. @91: es ist keine Voraussetzung – weder rechtlich, noch tatsächlich, dass Schutz besteht, um das Werk zu verkaufen.

    Es ist zwingend notwendig, den (sondergesetzlichen) Schutz und seine Reichweite nicht nur zu diskutieren, sondern auch seine Grundannahmen einer kritischen Prüfung zu unterziehen, um sie auf belastbare Grundlagen zu stellen (zB das Axiom, dass Schutz notwendig sei, damit kreativ gearbeitet werde).
    Einfaches Gegenbeispiel zu diesem Axiom: William Shakespeare (1564 – 1616) und das 1. Schutzgesetz in dem Bereich: Statute of Anne 1710. Shakespeare hat geschrieben (und verkauft) ohne dass Schutz bestand.
    Zweites Gegenbeispiel: ich müßte jetzt nachschauen, welcher Untersuchungsbericht in den USA es war: ein Verleger hat den rechtlich nicht geschützten, weil amtlichen, Bericht gedruckt und davon unzählige Exemplare (entgeltlich) verkauft, obwohl der Inhalt gemeinfrei war/ist.

    Ich wäre ja dafür, die Verträge in dem Bereich erstmal zu kündigen und dann in einem freien Rahmen zu diskutieren, was und wie etwas geschützt sein sollte und dabei Axiome nicht zur Begründung heranzuziehen.

    Und im Urheberrecht tätigen Anwälten – ohne nähere Begründung – Naivität zu unterstellen, wenn sie mit Begründung Fragen aufwerfen, während man selber nur ein Axiom postuliert, erscheint mir an der Grenze zur Unverfrorenheit.

    Comment by le D — 23.03, 2014 @ 12:51

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