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22.9.11

Das bayerische Stuttgart21

Der Münchener Flughafen hat unglaubliche 2,23 Milliarden Euro Schulden, Tendenz deutlich steigend, auch wenn die Flughafengesellschaft (FMG) dies mit neuen Bilanzierungregeln zu begründen versucht, wie die Süddeutsche berichtet.

Interessant daran ist vor allen Dingen, dass allein die Schulden der Flughafenbetreibergesellschaft bei ihren Gesellschaftern (Freistaat Bayern und Stadt München) innerhalb eines Jahres von ca. 10 Millionen auf 152 Millionen Euro angestiegen sind. Damit dürfte auch relativ klar sein, wer diese Schulden früher oder später abtragen wird, nämlich der (bayerische) Steuerzahler.

Heute hat die Lufthansa, die am Münchener Flughafen ein eigenes Terminal unterhält und dort die mit Abstand größte Airline ist, zudem verkündet, die Zahl der Flüge deutlich reduzieren zu wollen, weil es keinen Sinne habe, in der Krise hinterherzufliegen. Auch Air Berlin hat unlängst Einsparungen angekündigt. Die Zahl der Starts und Landungen ist in München seit 2008 ohnehin rückläufig, wie man sogar den eigenen Statistiken der FMG entnehmen kann.

Trotz dieser miserablen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird in München auf Biegen und Brechen an dem Vorhaben, eine 3. Startbahn zu bauen, festgehalten. Die Regierung von Oberbayern hat gerade die Genehmigung zum Bau dieser Startbahn erteilt und geht hierbei von unrealistischen wirtschaftlichen Annahmen aus, die freilich politisch gewollt sind.

Dabei wird täglich deutlicher, dass der Bedarf für eine weitere Start- und Landebahn nicht vorhanden ist und auch in absehbarer Zeit nicht sein wird und diese Fehlplanung außerdem einmal mehr auf Kosten des Steuerzahler durchgezogen wird.

Es geht nicht nur um die Lärmbelastung der Umlandgemeinden in den Landkreisen Freising und Erding, sondern um ein wirtschaftlich und ökölogisch unsinniges Vorhaben, das an den Menschen vorbei und über ihre Köpfe hinweg geplant wird.

Die 3. Startbahn am Münchener Flughafen könnte und sollte also tatsächlich das bayerische Stuttgart21 werden. Denn gegen die bayerische Startbahn sprechen mindestens so gute Gründe wie gegen den schwäbischen Bahnhof.

posted by Stadler at 16:13  

9 Kommentare »

  1. Ist ein “Südstaaten Phänomen”, s. Texas – alles muss da größer sein ;-)

    Comment by Yosh — 22.09, 2011 @ 22:05

  2. War nicht schon der geplante millardenteure Transrapid vom Hbf zu besagtem Flughafen das bayerische Stuttgart21?

    Comment by JK — 23.09, 2011 @ 01:41

  3. Interessanterweise verfügt auch der größte Flughafen Europas, London Heathrow, ebenfalls nur über zwei Startbahnen, bei deutlich mehr Passagierzahlen und Flugbewegungen.
    Andererseits plant die LH je gerade, mehr Flüge und kleinere Flugzeuge einzusetzen. Dadurch steigt der Druck auf die FMG.

    Comment by Werner — 23.09, 2011 @ 09:14

  4. tja, so wird das in berlin mit dem großflughafen ber bald auch aussehen. allerdings sind da die gesellschafter berlin, brandenburg und der bund. sprich: ALLE zahlen dafür…

    Comment by inpressulum — 23.09, 2011 @ 13:45

  5. Man zeige mir einen Großflughafen, der es schafft, unseren Anforderungen an Sicherheit etc. zu erfüllen und dabei vollständig unabhängig von staatlicher Unterstützung ist.

    Comment by Pirat — 25.09, 2011 @ 15:59

  6. Tscha, deutsche Großmannssucht vom Feinsten, kennt man ja seit rund 160 Jahren — habe noch nie begriffen, warum man in einem vergleichsweise kleinen Land wie diesem hier unbedingt fünf Großflughäfen braucht. Besserer Takt, bessere ICEs & besserer Preis wären geboten, doch vermutlich haben die einschlägigen Lobbys die einschlägigen Politkorrupteure mit ordentlich Sachleistung “überzeugt”.
    Trauerspiel, wohin man schaut, man muß gar nicht nach Griechenland schielen…

    Comment by _Josh @ _[°|°]_ — 25.09, 2011 @ 21:13

  7. “Dabei wird täglich deutlicher, dass der Bedarf für eine weitere Start- und Landebahn nicht vorhanden ist und auch in absehbarer Zeit nicht sein wird (…)”

    Heute komme ich beispielsweise von Frankfurt günstiger mit Lufthansa nach Lissabon als mit dem ICE nach Hamburg (zum regulären Preis). Und die Leute nutzen diese Billigangebote. Mit € 39,- Fliegern nach Malle kann auch München ausgelastet werden.

    Und wir in Hessen sind in anderen Bereichen schon wesentlich weiter: unser Ex-MP steht rein zufällig einem Bauunternehmen vor, dass sich momentan beim Bau der 4. Bahn des Frankfurter Flughafens mit einem 80 Mio. EUR Auftrag beteiligt.

    Comment by Werner — 27.09, 2011 @ 17:20

  8. “Dabei wird täglich deutlicher, dass der Bedarf für eine weitere Start- und Landebahn nicht vorhanden ist und auch in absehbarer Zeit nicht sein wird”

    Wo kommt die Bedarfsfeststellung her? Hat die Regierung von Oberbayern die getroffen, oder ist die per Gesetz erfolgt?

    Comment by Jens — 28.09, 2011 @ 16:31

  9. Herr Stadler, was hat diese Einlassung in diesem Zusammenhang zu tun? Schreiben Sie doch Leserbriefe im Freisinger Tagblatt, aber das ist Ihnen wohl zu heiß, oder?

    Comment by Sven — 28.09, 2011 @ 19:37

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