Internet-Law

Onlinerecht und Bürgerrechte 2.0

3.7.14

NSA spioniert deutsche Betreiber von TOR-Servern aus

Die NSA interessiert sich offenbar für die Betreiber von TOR-Servern. Das berichtet heute das ARD Magazin Panorama, dem man Quellcode zugespielt hat, aus dem sich eine gezielte Überwachung des TOR-Servers des Erlangers Sebastian Hahn ergibt.

Zielrichtung dieser Überwachungaktivitäten ist es, die anonymen Nutzer des TOR-Netzwerkes zu identifizieren.Es dürfte sich hierbei kaum um einen Einzelfall handeln. Vielmehr muss angenommen werden, dass sich die NSA generell für TOR-Nutzer interessiert.

Panorama hat mich zu den rechtlichen Konsequenzen einer solchen Überwachungstätigkeit der NSA befragt, die sich gezielt gegen einen deutschen Staatsbürger und seinen in Deutschland gehosteten TOR-Server richten. Die Sendung wird heute Abend um 21:45 (ARD) ausgestrahlt.

posted by Stadler at 09:05  

8 Kommentare »

  1. Wer hätte es gedacht (im Chat des Freenet-Projekts haben wir gestern gerade jemandem den Tipp gegeben, dass er sich schon zum Überwachungsziel macht, wenn er Freenet am Laufen hat – weswegen wir Friend-to-Friend Darknet haben und Steganographie brauchen).

    Aber es ist gut, dass das jetzt in den Öffentlich-Rechtlichen kommt. Das wird Stück für Stück die Irritation steigern, bis sie in Handlungen mündet. Ja, es war klar, dass das passiert. Aber es nachgewiesen und in den Öffentlich-Rechtlichen berichtet zu haben, stärkt die Argumente derjenigen, die sowohl technisch als auch rechtlich und politisch dagegen vorgehen wollen.

    Technisch, weil das die Kosten für Überwachung steigert und damit politische Aktionen vereinfacht. Wenn Überwachung aus der Portokasse gemacht werden kann, wird sie gemacht werden. Wenn dafür Milliarden in die Hand genommen werden müssen und trotzdem nicht alles gesehen werden kann, ist sie schwerer zu legitimieren.

    Comment by Arne Babenhauserheide — 3.07, 2014 @ 10:40

  2. vorab gibts dazu auch schon was im Morenmagazin der ARD:
    http://www.tagesschau.de/inland/nsa-xkeyscore-100.html

    Comment by Rapsak — 3.07, 2014 @ 11:34

  3. https://blog.fefe.de/?ts=ad4bdd72

    Glaubt jemand ernsthaft, der man könne so leicht an den Quelltext der Überwachungssoftware kommen? Und glaubt jemand, dass sich diese (vorgefertigte) Abfrage nicht in jeder Data-Mining-Software erstellen lässt? Dazu ist Software zur Rasterfahndung nun einmal da.

    Panikmache, dazu Fehlinformation und Ablenkung durch die ARD. Bestenfalls sind die naiv und wissen nicht einmal, was ein Quelltext ist.

    Tor ist genau so sicher, wie es der Nutzer vor der Tastatur vorgibt. Wäre das nicht der Fall, so würde nicht so berichtet, dass möglichst niemand mehr Tor nutzt. Denen (bei den Geheimdiensten) geht der Arsch auf Grundeis.

    Der wirkliche Skandal wird damit verscheiert, etwa, wenn man meint, Tor beträfe einen ja nicht.

    Was ist z.B. hiermit?

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Rheinischer-Minority-Report-Polizei-NRW-will-mit-Predictive-Policing-Einbrueche-aufklaeren-2243936.html

    Der ganze Kontext, diese Rechnergläubigkeit und dieser Uberwachungswahn und diese Ahnungslosigkeit, diese illegale Rasterfahndung die sind der Skandal. Dabei tun die Pappnasen der NSA tun nur das, was (auch) wir ihnen sagen.

    zu “wir” siehe: http://www.heise.de/newsticker/meldung/NSA-Skandal-BND-leitete-Daten-eines-deutschen-Internetknotens-in-die-USA-2238481.html

    Comment by Joachim — 3.07, 2014 @ 15:17

  4. Vermutlich wird es auch hier dann lapidar heißen, dass kein entsprechender Anfangsverdacht gegeben sei und doch die NSA bitte erst Dokumente vorlegen solle, die sie selbst belasten.

    Wenn Hr. Kafka nur gewusst hätte, dass er nicht näher an der Realität hätte sein können…

    Comment by Alexander Schwarz — 3.07, 2014 @ 18:55

  5. @ Thomas Stadler

    1. Es heißt Tor, nicht TOR.

    2. Die NSA und andere Geheimdienste interessieren sich nicht nur für Tor-Nutzer. Geheimdienste interessieren sich für alles und jeden. Niemand sollte dem Trugschluss aufsitzen, durch NICHT-Nutzung von Tor besser geschützt zu sein – es ist genau umgekehrt. Mit Tor = mehr Sicherheit.

    Comment by Torify — 3.07, 2014 @ 19:26

  6. @Alexander: Wir zusätzlich schon schön am uns-selbst-zensieren ala Orwell (Lieder verschwinden, wenn die GEMA das will). Beides Beispiele einer unschönen Machtkonzentration.

    @Torify: Wenn jetzt niemand mehr Tor nutzt, der es nicht wirklich braucht, ist Tor ein dicker Marker: Guckt hier mal genauer hin. Also hängt die Sicherheit davon ab, ob es sowas wie einen Streisand-Effekt für Anonymisierung gibt.

    Ich hoffe ja, dass das auch noch mehr Leute zu Freenet bringt.

    Comment by Arne Babenhauserheide — 3.07, 2014 @ 20:14

  7. Nun frage ich mich, ob da demnächst noch eine Highscore Liste geleakt wird?
    X-Key: Angela Merkel, Score: 71.000;
    X-Key: Bin Laden, Score: 70.000;
    X-Key: Thomas Stadler, Score: 5.000;

    Comment by mark — 4.07, 2014 @ 00:18


  8. ok, … ich bin da fast so abgegessen:

    ja, JEDER (und alles) – soll erfasst und überwacht werden.
    Aber es gibt noch ein paar Dinge, die sich so verselbständigt haben, dass sie kaum oder nur unter zu großem Aufwand zu überwachen/kontrollieren sind.
    Das Aus von Truecrypt … in meiner kleinen Welt auf Druck der Nsa -
    Tor wird dasselbe passieren – und diese Meldungen sind nur die erste Welle, alle Tor-User zu verunsichern
    … das Netzwerk kleiner zu machen um es dann irgendwann in einer Größe zu haben, wo es “ausgeschaltet” werden kann.
    (Dito Linux-Distros, die Wert auf Sicherheit/Verschlüsselung leg(t)en ..)

    Will damit sagen, dass – trotzdem natürlich darüber berichtet werden muss – Monitor (die Journalisten) – sich damit idiotischerweise zum Helfer der Geheimdienste machen, indem sie für weitere rückläufige Nutzer(zahlen) sorgen werden durch solche Berichte ..
    klassische Zwickmühle, ….

    Hier ginge/geht es nicht mehr um diese Software oder jene Möglichkeit – hier ist angelegt – dass durch einen stillen Staatsputsch alles so vorbereitet ist/wird, dass, … (wissen schon …)

    Und im Strategiepapier der Geheimdienste ist der Punkt, “eine Verunsicherung” produzieren (mir Hilfe der etablierten Medien) – eben auch nur ein abzuarbeitender Punkt unter vielen anderen, ….

    Comment by andre — 4.07, 2014 @ 07:51

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