Internet-Law

Onlinerecht und Bürgerrechte 2.0

19.7.13

Amerikanische Überwachungsstrategien ganz offiziell

Ein aus dem Jahre 2008 stammendes Dokument, das auf einem offiziellen Webserver der amerikanischem Geheimdienste liegt, beschreibt als Zielsetzung für das Jahr 2015 ein global vernetztes Geheimdienstunternehmen. Es handelt sich um einen Leitfaden für ein neues Handlungskonzept und eine stärkere Zusammenführung aller US-Dienste in diesen einen zentralen Dienst.

Wir befinden uns 2013 vermutlich mitten in dem Prozess, den das Papier beschreibt. Die globale Internetüberwachung wird in dem Dokument nur angedeutet, aber einige Formulierungen legen dennoch nahe, was man vorhat bzw. was aktuell bereits im Gange ist. Folgende Passagen deuten die Ausweitung an:

For collection, the challenge will extend beyond developing a critical source or exploiting a key data stream to determining how to synchronize dissimilar platforms and sources against fleeting and vaguely defined targets, using our collection assets to prompt, detect and respond to what the collection system discovers. Deep and persistent penetration is key for collection.
(…)
In this environment, one prerequisite for decision advantage is global awareness: the ability to develop, digest, and manipulate vast and disparate data streams about the world as it is today.

Wie in diesem Zitat ist häufig von einem (amerikanischen) Informationsvorsprung die Rede, den es weltweit herauszuarbeiten und zu sichern gilt.

Wesentlich deutlicher und breiter dargestellt wird der Aspekt der geplanten Verschmelzung sämtlicher Dienste. Das Ziel ist es sich äußerst flexibel sämtliche gesammelten Informationen wechselseitig zur Verfügung stellen. Die Dienste sollen organisatorisch und personell künftig wesentlich enger verflochten werden, wie diese Textstelle belegt:

By 2015, a globally networked Intelligence Enterprise will be essential to meet the demands for greater forethought and improved strategic agility. The existing agency-centric Intelligence Community must evolve into a true Intelligence Enterprise established on a collaborative foundation of shared services, mission-centric operations, and integrated mission management, all enabled by a smooth flow of people, ideas, and activities across the boundaries of the Intellligence Community agency members. Building such an Enterprise will require the sustained focus of hard-nosed leadership. Services must be shared across the entire spectrum, including information technology, human resources, security, facilities, science and technology, and education and training.

Es soll ein einheitlicher Datenpool aller US-Diente entstehen, die Zuordnung der gesammelten Informationen zu einem bestimmten Dienst soll entfallen. Ganz konkret soll eine eigene Geheimdienst-Cloud entstehen. In dem Papier heißt es dazu:

Collection assets would move into and out of specific areas of interest, using already collected information to inform their activities, and in turn, focusing on collecting only that which cannot be obtained by other means. These assets would both push and pull data — raw, semi-processed, and final — into and from our information technology backbone network. The collected data will belong to the Intelligence Enterprise; no single agency “owns” its collection take.  (…)

By 2015, we will migrate to a common “cloud” based on a single backbone network and clusters of computers in scalable, distributed centers where data is stored, processed, and managed.

Die Informationsweitergabe bleibt aber nicht auf Geheimdienste beschränkt, sondern soll sich auch auf die Armee erstrecken und Polizeibehörden wie das FBI. Zu der „Intelligence Community“ rechnen die USA bereits jetzt eine Vielzahl unterschiedlicher Dienste und Behörden. Damit wird auch deutlich, warum die USA keine Vorratsdatenspeicherung brauchen. Die Daten die der Geheimdienst erhebt, werden auch an Polizeibehörden wie dem FBI weitergegeben.

Die im deutschen Recht zumindest formal noch gültige strikte Trennung von Geheimdiensten einerseits und Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden andererseits, existiert in den USA in dieser Form nicht. Gerade auch der Umstand der Weitergabe von Geheimdienstinformationen an die Army macht auch die deutsche Diskussion über Prism und Prism 2 erklärbar. Die US-Armee in Afghanistan hat bereits direkten Zugriff auf die Datenbestände ihrer Geheimdienste und deren Tools.

This information infrastructure will allow authorized end-users to discover, access, and exploit data through a range of services, from federated query to integrated analytic tool suites.

Einer dieser autorisierten End-User war wohl auch Edward Snwoden.

Wenn die Bundesregierung vorgibt, bezüglich aller aktueller Enthüllungen und Entwicklungen ahnungslos zu sein, würde das bedeuten, dass man noch nicht einmal die offiziell veröffentlichten Dokumente liest.

posted by Stadler at 23:00