Internet-Law

Onlinerecht und Bürgerrechte 2.0

13.7.11

Der Disput zwischen Nadine Lantzsch und Udo Vetter

Sehe gerade, dass der Kollege Udo Vetter hier wieder mal ein Juwel ausgegraben hat und die Autorin dieses beachtenswerten Texts ihm auch noch den Gefallen einer Replik tut.

Mir ist sofort die hohe logische Qualität des Texts der Autorin Nadine Lantzsch aufgefallen, die weit über die einer Alice Schwarzer hinausreicht. Die Verharmlosungen sexistischer Verhältnisse, so die Autorin, würde dazu führen, „dass Wichser wie Strauss-Kahn trotz eindeutiger Beweislage“ wohl am Ende freigesprochen werden.

Nachdem ich – wie auch Frau Lantzsch – weder Herrn Strauß-Kahn kenne, noch die Akten der New Yorker Staatsanwaltschaft, kann ich zur Tatsachen- und Beweislage und zum möglichen Prozessausgang keine Prognose abgeben. Es freut mich, dass Nadine Lantzsch insoweit über überlegenes Wissen verfügt. Aber gerade vor diesem Hintergrund DSK als Wichser zu bezeichnen, ist dann doch ein Bonmot der ganz besonderen Art.

Mir erscheint es allerdings auch so, dass das Beispiel DSK insgesamt schlecht gewählt ist, weil zumnindest das bisherige Vorgehen der New Yorker Staatsanwaltschaft die These von Nadine Lantzsch kaum stützt. Wenn Strauß-Kahn am Ende freigesprochen wird, dann hat das weit weniger mit Sexismus zu tun, als mit wirtschaftlicher Macht im Allgemeinen. Denn den Grundsatz in dubio pro reo ist in gewissem Maße käuflich, was übrigens der geschätzte Kollege Vetter im Zusammenhang mit dem Kachelmann-Prozess in großer Klarheit dargelegt hat. Zum Fall Kachelmann muss man der Vollständigkeit halber aber noch anmerken, dass eine überzeugend plädierende Pflichtverteidigerin vielleicht mehr Einfluss auf den Freispruch Kachelmanns hatte, als sein hochbezahlter Wahlverteidiger. Was ein Beleg dafür sein könnte, dass vorgefertigte Erklärungsmuster nicht immer stimmig sein müssen.

Frau Lantzsch schreibt anschließend noch über langwierige Denk-und Reflexionsprozesse und Selbstkritik, die allerdings derartigen Ausführungen ganz augenscheinlich nicht zugrunde lagen.

posted by Stadler at 18:24  

16 Comments »

  1. Schade, die „medienelite“ ist zur Zeit nicht erreichbar. Ein „Vetter-DoS“? ;-)

    Comment by Carsten R. Hoenig — 13.07, 2011 @ 18:52

  2. Wundervoll schon allein die hochaktuelle Google+-Referenz von Herrn Vetter:

    „die man einfach so einfach in den Kreis “durchgeknallt” ziehen kann.“

    Den Circle muss ich mir gleich mal anlegen. :D

    Comment by Jan — 13.07, 2011 @ 19:42

  3. Ein ernstes Thema. Ich verstehe nicht, warum „alle“ so hemmungslos emotional sind. Selbst hier klingt unnötiger Spott durch: „Mir ist sofort die hohe logische Qualität des Texts der Autorin Nadine Lantzsch aufgefallen…“ Wenn es um mehr gehen soll als um Krach, könnte es hilfreich sein, sich aller Polemik zu enthalten.

    Comment by raleisner — 13.07, 2011 @ 20:06

  4. Also irgendwo hat Frau Lantzsch ja auch recht: Sexismus ist „scheiße“.
    Nur, um sich eine Meinung bilden zu können, muss man erstmal die Fakten kennen, und die Medien sind da eine schlechte Quelle. Da wird oft die halbe Wahrheit weggelassen.
    „Wichser“? Hat man nun Spermaspuren gefunden oder nicht? *gg*

    Was Frau Lantzsch noch nicht aufgefallen zu sein scheint, ist, daß ihre Kommentare ebenfalls sexistisch sind.
    (Ich merke gerade, ich habe genau das wiederholt, was Sie da geschrieben haben. Ach, was solls.)

    Ich glaube, die Frau hat zwar irgendwo auch recht, aber sie ist irgendwie im falschen Film.
    Man kann, darf und sollte über sowas nachdenken, aber der Kontext stimmt nicht so ganz, IMHO.

    Wenn ich mir vorstelle, Eva Herman, die doch in fast jedem Nebensatz das Gender-Mainstreaming verteufelt, in einer Talkrunde mit Nadine Lantzsch..
    Uiuiuiui – ich glaube, jetzt bin ich im falschen Film. Womöglich noch mit Stefan Raab als Moderator, weil der ja Erfahrung mit Frauenboxen hat..

    „Man darf das ja wohl noch träumen dürfen!“ ;o)

    L.G. Waldbaer

    Comment by Waldbaer — 13.07, 2011 @ 20:10

  5. @raleisner Sie haben völlig Recht, nur ich bestimme nicht die Art und Weise wie diskutiert wird. Es ist allerdings schwierig, auf Polemik immer nur sachlich zu reagieren.

    Comment by Stadler — 13.07, 2011 @ 21:53

  6. Frau „Medienelite“ ist ziemlich hart.

    Ein Problem an Ihrer allg. Kritik (welche durchaus oft gerechtfertigt ist) ist, dass die Kritisierten (weiße, heterosexuelle Männer) per se „doof“ sind.

    In so fern; Ja (@4), ihre KommentatorInnen sind sexistisch.
    Kann Mann denen aber nicht sagen, weil das ja typische heteronormative Unterdrückung der weißen Männer ist, die ihre Machtposition behalten wollen….

    Es gibt auch den Begriff „Feminazi“.. der passt ganz gut…

    Comment by heini — 14.07, 2011 @ 13:11

  7. Ihre Distanz, Herr Stadler, ist klug. Von Herrn Vetter durch Link auf „medienelite“ aufmerksam gemacht, möchte ich meinen Eindruck wiedergeben: sexistisch im mittleren Bereich, stark postpubertär und sprachlich verschlampt. Eher´s Gegenteil von „Elite“ im Wortsinn.

    Freilich kein Grund, Herr Stadler, Heinis „Feminazi“-Invektive hier durchgehn zu lassen und im fälschlichen pars-ro-toto-Sinn Frau L. als Sprecherin „des“ ganzdeutschen „Feminismus“ anzusehn und anzugehn,

    besten Gruß Tom

    Comment by Thomas — 14.07, 2011 @ 13:59

  8. Frau Lantzsch sollte ihre Eltern verklagen, die mit ihr Filme mit Vergewaltigungsszenen schauten, als sie noch ein Kind war. Ich bin kein Psychiater, deshalb will ich hier auch nicht weiter ausführen…

    Comment by Bernd — 14.07, 2011 @ 19:30

  9. @ Thomas
    „…dass Wichser wie Strauss-Kahn trotz relativ eindeutiger Beweislage ….Begründet wird das dann gern mit dem Rechtsstaatlichkeitsprinzip, der Aufklärung und all dem Rotz, der von weißen europäischen Männern in mächtigen Positionen erfunden wurde, um ihren Besitzstand zu wahren und universale Menschenrechte für ihren eigenen Vorteil zu instrumentalisieren.“
    Der Wichser ist zwar eine Beleidigung, aber das laß ich als ihre [Fr. Lantsch] Meinung noch gelten.
    Aber das Sie Rechtsstaatlichkeit, Aufklärung und anderes zu Rotz erklärt der „von weißen europäischen Männern … erfunden wurde, um… für ihren eigenen Vorteil zu instrumentalisieren“ paßt schon zu Heinis Bemerkung. Man ersetze mal „weiße europäische Männer“ durch Juden! Na, fällt was auf?
    Das Denken dahinter ist nämlich genau dasselbe!

    Ob rot, grün oder lila angepinselt, darunter tobt der braune Rost! (von mir!)

    Comment by dentix07 — 14.07, 2011 @ 21:34

  10. Eine weiterer lesenswerter Kommentar vom Lawen4cer http://goo.gl/r3y48

    Comment by Joerg — 15.07, 2011 @ 12:00

  11. „Wenn Strauß-Kahn am Ende freigesprochen wird, dann hat das weit weniger mit Sexismus zu tun, als mit wirtschaftlicher Macht im Allgemeinen.“

    Das ist aber mindestens so facepalmig wie der „Wichser“ von Frau Lantzsch. Wie kommt denn wohl die Verteilung wirtschaftlicher (bzw. politischer) Macht auf die Geschlechter zu Stande? Glauben Sie, es sei reiner Zufall, dass der IWF-Präsident ein Mann und die Zimmerservicekraft eine Frau ist? Oder könnte das auch mit sexistischen Gesellschaftsstrukturen zu tun haben?

    (Ausnahmen wie männliche Putzkräfte oder Christine Lagarde ändern leider nichts an der Regel.)

    Comment by Earendil — 15.07, 2011 @ 19:02

  12. zu Earendil — 15.07, 2011 @ 19:02

    Ich wünsch Mde. Lagarde, daß sie mal so alt wird wie sie schon seit Jahrzehnten ausschaut;-)

    Comment by Fred — 15.07, 2011 @ 20:17

  13. Dass SDK Macht und Geld hat, mag mit patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen zu tun haben. Aber was ist die Schlussfolgerung daraus?

    Dass jeder, der einer Vergewaltigung bezichtigt wird, es auch zwingend war und sich nicht mehr verteidigen darf?

    Was man Frau Lantzsch vorwerfen muss, ist, dass sie eine ernste Diskussion nicht ernsthaft führt. Und das ist ja auch der Grund dafür, dass eine Alice Schwarzer von fast niemandem mehr ernst genommen wird.

    Es führt kein Weg daran vorbei, dass in einem Strafverfahren im Einzelfall die individuelle Schuld geprüft wird.

    Comment by Stadler — 15.07, 2011 @ 21:10

  14. @ Stadler u.a.

    Diskurskultureller Zwischenruf

    (1) Nichts zur „Glaubwürdigkeit“ von aussagenden Zeug(inn)en als Epiphänomen wenn mit überprüfbaren Methoden nach naturwissenschaftlichem Modell material nichts beweisbar ist -> Psychos an die Forensikfront. Auch nichts zur Statistik (dazu haben Dr. H. E. Müller und andere im Beck-Forum das Nötige gesagt[1]).

    (2) Damit zum Goethe´schen Pudel. Und kurz & knapp zu dessen Kern: Ganzdeutsche „Feministinnen“ wie hier selbstdargestellt nehmen in ihrer Deutung des § 177 StGB was da steht wörtlichst. Dort wird auch vom [gewaltsamen] „Eindringen“ in einen anderen „Körper“ gesprochen. Und dieses als „Vergewaltigung“ begriffsbestimmt. Das meint: Vor allem Männer vergewaltigen. Zugespitzt wäre jedes männIiches „Eindringen“ in weiblichen „Körper“ -> „Vergewaltigung“. Insofern war „Fatal Attraction“ (1987) mit einem feminal kinovergewaltigten Mann (Michael Douglas) Sonderfall[2]. Keine Regel ohne Ausnahme. Keine Ausnahme ohne Regel.

    (3) Der Rest ist „feministische“ Deduktionslogik simpelster Ausprägung: „Geschlechterkampf“ und „Feminismus der dummen Weiber“[3]. Demzufolge jede pseudoakademisch-verschämt genannte „Penetration„ -> „Vergewaltigung“ durch Männer ist -> Maskulinpenetration -> Gender wird sexistisch auf Schwanz verkürzt -> vergewaltigen können nur Männer[4]. Die Logik hinkt, die Dialektik grinst und die Tatsachen gehn zum Teufel. Und das Breitgelaber um forensische „Glaubwürdigkeit“ könnte vorgestern gewesen sein.

    (4) So gesehen ist, was auch hier „feministisch“ vorgetragen wurde, argumentativ dünnst, infomationell ermüdenst und tendenziell von negativem Unterhaltungswert.

    [1] http://blog.beck.de/2011/05/31/freispruch-fuer-kachelmann-lehren-aus-dem-prozess [und]
    http://blog.beck.de/2011/07/02/strauss-kahn-und-kachelmann-new-york-city-und-mannheim-unbequeme-vergleiche
    [2] http://www.imdb.com/title/tt0093010/ [und]
    http://en.wikipedia.org/wiki/Fatal_Attraction
    [3] http://www.duckhome.de/tb/archives/9202-GESCHLECHTERKAMPF.html [und]
    http://www.duckhome.de/tb/archives/9248-FEMINISMUS.html
    [4] fragender fiktiv-sarkastischer Einwurf eines letztjährig in Hamburg verstorbenen SoWi-Profs: Dieser Handlungslogik nach wäre die Vergewaltigung von Männern durch Frauen Teil eines Emanzipationsprogramms von und für Frauen

    Richard Albrecht, 16. Juli 2011
    http://ricalb.files.wordpress.com/2011/07/cv.pdf

    Comment by Richard Albrecht — 16.07, 2011 @ 12:36

  15. Schade eigentlich, das die „feministische“ Arbeit, die manche Frauen jeden Tag leisten, und die oftmals wirklich ein Stück Welt, ein Stück weit, in Richtung Gleichberechtigung rückt, durch solche „Weibsbilder“ wieder zerstört wird.

    Niemand wirkt unglaubwürdiger und lächerlicher als der, der sich so polemisch darauf beruft das er unterdrückt wird, und auf eine Verschwörung aufmerksam machen will.

    Wirklich schade. Und unterhaltsam auf der anderen Seite. :)

    Comment by Danny Faak — 26.10, 2011 @ 14:19

  16. Nadine L. ist eben eine Lesbe und Lesbe halten sich immer für überlegen.

    Comment by Ich — 11.07, 2015 @ 13:38

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