Internet-Law

Onlinerecht und Bürgerrechte 2.0

5.2.11

Klau von Facebook-Daten als soziales Experiment

Verschiedene Blogs und Medien berichten darüber, dass die Dating-Plattform „Lovely Faces“ Daten aus Millionen von Facebook Profilen – einschließlich von Fotos – übernommen und daraus Profile für eine Partnerbörse erstellt hat. Die Betreiber von Lovely Faces verfolgen aber keine kommerziellen Interessen, sondern bezeichnen ihr Vorgehen als „soziales Experiment“, das als Kritik an sozialen Medien wie Facebook gedacht ist und u.a. zeigen soll, wie einfach der Identitätsdiebstahl aus sozialen Netzwerken funktioniert.

Dieses „social hacking“ wirft nicht nur datenschutzrechtliche Fragen auf, sondern verstößt u.a. auch gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht und das Recht der betroffenen Nutzer am eigenen Bild.

Möglicherweise schafft dieses „Experiment“ aber auch das Bewusstsein dafür, dass Daten und Informationen die man selbst ins Netz gestellt hat, nur schwer wieder zu entfernen sind und jederzeit die Gefahr besteht, dass diese Informationen an anderen Stellen und in einem anderen Kontext wieder auftauchen. Man muss die Aktion daher auch als Akt einer aufklärenden Meinungsäußerung betrachten.

posted by Stadler at 11:58  

8 Comments »

  1. „Man muss die Aktion daher auch als Akt einer aufklärenden Meinungsäußerung betrachten.“

    Das sehe ich völlig anders. Ein derart auch ethisch fragwürdiges Vorgehen ist keine Aufklärung. Wenn man hätte aufklären wollen, hätte man die Inhaber der Profile in die Aktion eingeweiht und ihre Zustimmung eingeholt, es aber für den Rest erst mal echt aussehen lassen und dann aufgeklärt. Aber die Verletzung von Persönlichkeitsrechten hat mit Aufklärung nicht das Geringste zu tun. Das ist gegen jegliche Ethik.

    Comment by Alexander Schestag — 5.02, 2011 @ 12:15

  2. Ob das moralisch Fragwürdig ist oder nicht, kann man sicher diskutieren. Ich tendiere auch eher dazu, das kritisch zu sehen. Aber: Hätte man die User vorher gefragt, gäb es keinen Effekt. Dann wär es ja legal und keiner fühlt sich auf die Füße getreten. „Aufklärung“ heißt aber manchmal auch, dass man den Leuten auf die Füße treten muss. Nur so schützen sie sich in Zukunft vor sich selbst.
    Was dabei die Verletzung von Persönlichkeitsrechten angeht: Das muss man einkalkulieren, wenn man sein Leben komplett in Facebook dokumentiert. Das Geschäftskonzept „Facebook“ birgt eben diese Risiken.

    Comment by Pierre Dumaine — 5.02, 2011 @ 12:30

  3. Wenn sich einer beschweren könnte, dann FaceBook weil die Aktion die Dtaen geklaut hat. Aber da die Nutzer ihre Daten ganz offen bei FaceBook veröffentlicht haben, kann sich keiner beschweren das sein Persönlichkeitsrecht verletzt wurde.

    Wer seine Telefonnummer auf seine Jacke schreibt darf sich nicht beschweren das andere diese notieren und weitergeben oder verkaufen.

    Fazit: Rechtlich fragwürdig (Da die Daten FaceBook gehören), moralisch wurde hier aber ein Konzern bestohlen, die Nutzer haben ihr Persönlichkeitsrecht bei FaceBook für nichtig erklärt.

    Comment by DAMerrick — 5.02, 2011 @ 12:40

  4. Bin schon gespannt auf das nächste „soziale Experiment“ – wird es feststellen, ob man Leute auch in real auf der Straße um ihr Hab & Gut erleichtern kann?

    Comment by xv22 — 5.02, 2011 @ 14:09

  5. Eine massenhaft begangene Straftat als soziales Experiment? Das ist absurd. Dann sind Selbstmordattentate auch ein Soziales Experiment, weil man zeigt, wie gefährlich es ist, auf die Straße zu gehen.

    Comment by Andreas — 5.02, 2011 @ 18:38

  6. „Dieses “social hacking” wirft nicht nur datenschutzrechtliche Fragen auf, sondern verstößt u.a. auch gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht und das Recht der betroffenen Nutzer am eigenen Bild.“

    Das wirft bei mir die Frage auf, warum sich ein US-amerikanisches Unternehmen um deutsche Gesetze scheren sollte.

    Comment by Seb — 5.02, 2011 @ 21:12

  7. @Seb:
    Vielleicht wenn man sie bei unseren Hamburgern internationalen Internetrichtern auf 100 Zillionen Euro Schmerzensgeld verklagt :-)?

    Comment by Spinnzessin — 6.02, 2011 @ 10:11

  8. @Spinnzessin
    Und das hat dann Erfolgswahrscheinlichkeit > 0? Ich wage es zu bezweifeln.

    Comment by Seb — 6.02, 2011 @ 15:15

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