Internet-Law

Onlinerecht und Bürgerrechte 2.0

25.9.10

Zerbricht Wikileaks?

SPON berichtet heute darüber, dass der deutsche Sprecher von Wikileaks, Daniel Domscheit-Berg, der sich bisher Daniel Schmitt genannt hatte, die Organisation im Streit mit Gründer Julian Assange verlassen hat. Die Gründe hierfür deutet der Artikel nur vage an.

Ich habe Daniel als durchaus schwierigen, aber engagierten und konstruktiven Gesprächspartner kennengelernt, der die radikaldemokratische Idee von einem möglichst ungehinderten Zugang zu jeglicher Information sehr glaubwürdig und vehement vertritt. Demgegenüber vermittelt Assange, gerade in letzter Zeit , den Eindruck eines eher zwielichtigten Zeitgenossen, mit einem ausgeprägten Hang zur Paranoia und einem Faible für öffentliche Aufmerksamkeit.

Obwohl ich das Innere von Wikileaks nicht kenne, vermute ich, dass Daniel dort eine sehr wichtige Rolle gespielt haben muss. Ein Projekt wie Wikileaks ist mutig, wichtig und notwendig im Kampf gegen Intransparenz und Machtmissbrauch. Aber es muss auch seriös betrieben werden und genau an dieser Stelle sind mittlerweile Zweifel angebracht, die stark mit der Person von Julian Assange zusammenhängen.

posted by Stadler at 13:47  

5 Kommentare »

  1. Mein persönlicher Eindruck von Daniel entspricht Deiner Darstellung.

    Auch ich glaube, dass er eine große und wichtige Rolle gespielt hat, so dass man ihn nicht ohne Weiteres wird ersetzen können.

    Ebenso teile ich Deine Meinung in Bezug auf das Auftreten von Julian Assange in letzter Zeit.

    Ich hoffe, dass Wikileaks nicht zerbricht.

    Gespannt bin ich darauf, was Daniel in Zukunft machen wird.

    Ich wünsche Daniel für die Zukunft viel Glück und viel Erfolg.

    Comment by RA Michael Seidlitz — 25.09, 2010 @ 13:56

  2. Ich kenne Daniel inzwischen recht gut, ich halte ihn nicht für einen “schwierigen Gesprächspartner”.

    Assange scheint der Ruhm ein wenig zu Kopf gestiegen zu sein. Auch kenne ich etliche anderen Online-Aktivisten, mit den denen manchmal die Pferde etwas durchgehen. Um etwas Weltbewegendes zu machen, muss man halt ein bisschen “anders”, also außerhalb der Norm sein, sonst würde man Bahnbediensteter oder so.

    Aber wenn man stets die Solidarität einer Gruppe einfordert, dann muss man bei selbstverschuldeten Problemen auch den Charakter haben, um in die zweite Reihe zu steigen. Dazu hat es bei Assange offenbar nicht gereicht.

    WikiLeaks.org war im Prinzip ein Fork von Cryptome.org. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis es von irgendjemandem einen neuen Fork geben wird, der aus den Strukturschwächen des offenbar egozentrierten WL-Projekts lernt.

    Comment by RA Kompa — 25.09, 2010 @ 14:19

  3. Letzter Tweet von wikileaks sagt, dass Daniel Schmitt vor einem Monat suspendiert wurde: “Spiegel report Schmitt resigned which is misleading. Schmitt was suspended a month ago.”

    Comment by Andreas Kuckartz — 25.09, 2010 @ 15:58

  4. Dann muss sich die CIA ja nach einer neuen PR-Plattform umschauen. Wie tragisch …

    Comment by Sascha Stoltenow — 25.09, 2010 @ 16:26

  5. “Suspended” klingt doch ganz nach autoritär-durchgeknalltem Führungsstil. Der Tweet macht in weniger als 140 Zeichen deutlich, worin vermutlich das Problem besteht

    Comment by Stadler — 25.09, 2010 @ 22:07

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