Internet-Law

Onlinerecht und Bürgerrechte 2.0

2.7.10

Der Nichtraucherschutz in Bayern

Am kommenden Sonntag sollen die Bayern darüber abstimmen, ob das bereits kurzzeitig geltende, strengste Nichtrauchergesetz in Deutschland wiederhergestellt oder die derzeitige, vermeintlich liberalere Regelung beibehalten wird. Und ehrlich gesagt habe ich mit beiden Vorschlägen meine Probleme. Denn ich möchte weder das falsche Freiheitsverständnis der Freunde des blauen Dunsts unterstützen, noch behagt mir die ebenfalls von einer gewissen Intoleranz geprägte Haltung der Befürworter des „echten Nichtraucherschutzes“.

Wer für sich die Freiheit reklamiert, in überfüllten Festzelten zu rauchen, in denen sich tausende von Personen aufhalten, der sollte erkennen, dass er damit die Mehrheit der Menschen in diesem Zelt nicht nur belästigt, sondern deren Gesundheit schädigt. Der faktische Zwang zum Passivrauchen, der bei Massenveranstaltungen ausgeübt wird, drückt jedenfalls nicht die Art von Freiheit aus, die ich mir vorstelle.

Die Situation in kleinen Kneipen ist allerdings eine ganz andere. Warum sollen nicht bestimmte Kneipen ausdrücklich als Raucherkneipen deklariert werden können? Solange in einem geschlossenen Raum nur Leute sind, die rauchen wollen oder dies tolerieren, gibt es keinen Grund für ein Verbot. Während man bei einem Besuch des Oktoberfests nicht die Wahl hat, in ein rauchfreies Zelt zu wechseln, kann man sich zumeist problemlos eine andere Kneipe suchen. Sinnvoll wäre demnach ein Rauchverbot in Festzelten und bei großen Veranstaltungen, während man es bei Kneipen der Entscheidung des Wirts überlassen sollte, ob in seinem Lokal geraucht wird. Leider steht dieser sinnvolle Kompromiss nicht zur Wahl.

Letztlich ist mir das  Aktionsbündnis „Bayern sagt Nein!“ aber zutiefst  suspekt, weil es von der Tabaklobby unterstützt wird und auch nicht davor zurückschreckt, mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten von Prominenten zu werben, obwohl man weiß, dass diese sich ganz anders positioniert haben.

Nach Abwägung der Argumente habe ich mich deshalb dafür entschieden, am kommenden Sonntag mit einem „Ja“ und damit für einen strikten Nichtraucherschutz zu stimmen.

Update vom 04.07.2010:
Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis haben 61 % mit Ja und damit für einen strikten Nichtraucherschutz gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag allerdings nur bei 37 %.

posted by Stadler at 09:50  

37 Comments »

  1. Sehr schöne Betrachtung des Problems!

    Mir geht es als Nichtraucher ähnlich: Es gibt kein eindeutiges „ja“ oder „nein“. Nach Abwägung aller Aspekte (eben auch der Unterstützung durch die Tabakindustrie) tendiere ich stark zu einem „ja“.

    Bei politischen Wahlen gibt man mit seinem Kreuz ja auch keine 100%ige Zustimmung zum Parteiprogramm, sondern wählt das kleinere Übel ;-)

    Comment by Jan Kurschewitz — 2.07, 2010 @ 10:07

  2. Ja, das alles geht mir auch durch den Kopf. Letztlich überwiegt für mich das Freiheitsargument: Ich bin Nichtraucher und ärgere mich oft über rücksichtslose Raucher, aber wem ein Lokal gehört, der sollte die Freiheit haben, dort die Bedingungen anzubieten, die er mag. Ich werde also mit „Nein“ stimmen (habe aber wenig Hoffnung, daß sich ein Nein durchsetzt).

    Comment by Stephan Packard — 2.07, 2010 @ 10:20

  3. Wieso sollte man dem Wirt die Freiheit nehmen, selbst zu entscheiden, ob in seiner Kneipe geraucht werden darf oder nicht? Deshalb ein klares NEIN.

    (Die Festzelt-Argumente gelten hier nicht, das sind Veranstaltungen, die die Meisten ein, zwei Mal im Jahr besuchen – Das schädigt die Gesundheit wenn überhaupt nur minimal)

    Es wird bereits in über 90% der Kneipen nicht geraucht und das soll auch so bleiben. In echten Bier- oder Dorfkneipen ist es ein Stück Kultur und stört keinen. Oder kennt Ihr Schwangere bzw. Omas/Opas die mit ihren Enkeln in ein Bierstüberl gehen? Lassen wir die Kirche doch im Dorf.

    Ich bin Gelegenheitsraucher und ich denke es ist an der Zeit ein Zeichen gegen den Gesinnungsterror der militanten Nichtraucher und für einen freien demokratischen Staat zu setzen.

    Comment by gses — 2.07, 2010 @ 10:31

  4. Ich will Ihnen nur ungern zu nahe treten, Herr Stadler, aber ihre Entscheidungsgrundlage ist mir zutiefst suspekt. Sie machen eine politische Entscheidung von den Methoden der Befürworter abhängig und die Sachlage betrachten Sie nicht mehr. Diese sollte doch aber Grundlage der Entscheidung sein.
    Das wäre ungefähr so, als würde man sich gegen Internetsperren wenden, weil Ministerin von der Leyen Indien denunziert hat und nicht etwa weil besagte Sperren Unsinn sind.

    Konnten Sie sich anders nicht entscheiden?

    Comment by Xaerdys — 2.07, 2010 @ 10:33

  5. Heute morgen in Bayern 3 kamen Vertreter beider Seiten zu Wort. Und das Erstaunliche war, dass der Vertreter von „Bayern sagt Nein!“ nicht damit davongekommen ist, die Verbindung zur Tabaklobby mit ausweichenden Antworten zu umgehen. Stattdessen haben die Moderatoren direkt nochmal nachgefragt.
    Das vermisse ich heutzutage in den meisten Hofberichterstatter-Interviews.

    Zum Thema: Auch in der Vergangenheit konnte sich ja jede Kneipe entscheiden, ob sie Raucher zulässt oder nicht. Die Erfahrung zeigt aber, dass die meisten dann Rauchen erlauben.
    Auch darf man die Angestellten der Kneipen nicht vergessen, die nicht so einfach die Kneipe wechseln können.

    Comment by AndreasM — 2.07, 2010 @ 10:41

  6. @Xaerdys:
    Nein. Die Methoden der Befürworter haben mich in meiner Ansicht lediglich bestätigt. Mir geht es gerade auch darum, dass in Festzelten und auf großen Veranstaltungen ein Rauchverbot besteht. Warum das so sein sollte, habe ich erläutert.

    Comment by Stadler — 2.07, 2010 @ 11:02

  7. @gses Wieso sollte man dem Wirt die Freiheit nehmen, selbst zu entscheiden, ob in seiner Kneipe geraucht werden darf oder nicht?

    Weil er z.B. auch Angestellte hat, die sich das dann nicht aussuchen können. Dies gilt um so mehr für Festzelte.

    Der Terrorvergleich entwertet die Argumentation in meinen Augen zusätzlich.

    Comment by Tuttle — 2.07, 2010 @ 11:04

  8. Das Argument, den Rauchern solle man die Freiheit belassen, sich in „ihren“ Kneipen gegenseitig zu vergiften, berücksichtigt nicht, dass dann ggf. Jugendliche doch indirekt in die Raucherkneipen genötigt werden, wollen sie sich nicht sozial isolieren. Und es lässt zweitens die Frage der Abhängigkeit unberücksichtigt: Die meisten Raucher bleiben beim Rauchen, weil sie damit irgendwann mal angefangen haben, nicht, weil sie sich „frei“ zum Weiterrauchen entscheiden. Das Rauchen ein bisschen unbequemer zu machen ist ein legitimes Anliegen bei den hohen Todesraten.

    Comment by hem — 2.07, 2010 @ 12:06

  9. In zahlreichen Kneipen herrscht auch jetzt noch ein de facto Rauchverbot. In meinem Heimatort mit immerhin 15000 Einwohnern gibt es keine Kneipe und kein Restaurant, in dem das nicht so wäre. Das Rauchverbot existiert somit de facto bereits.
    Deswegen stimme ich für „Nein“.

    Sollen sich doch die ganzen Nichtraucher zusammentun und einfach mal ein Verbot von Tabakkonsum durchsetzen. Das wäre wenigstens konsequent. Aber nein, die Raucher müssen ja deren Rentenversicherung zahlen. Insofern ist diese Initiative nichts weiter als scheinheiliges Getue, wie es in unserer politischen Landschaft heutzutage leider der Regelfall ist.

    Comment by _Flin_ — 2.07, 2010 @ 12:14

  10. @hem Das klingt so, als würde Gott und die Welt rauchen. In fast allen „Kneipen“ die ich kenne, in denen Jugendliche verkehren, wird nicht geraucht, und nicht umgekehrt wie von Ihnen beschrieben

    @Tuttle
    Weil der Wirt auch entscheidend, wer seine Kneipe/Bar betreten darf und wer nicht. Das ist ganz normales Hausrecht und sollte weiterhin respektiert werden.

    Der Terrorvergleich ist absichtlich polemisch, definiert aber durchaus wie sich militante Nichtraucher bisher gegenüber einigen meiner Bekannten verhalten haben.

    Comment by gses — 2.07, 2010 @ 12:16

  11. @9 und @10: In der Stadt, in der ich wohne, gab es zur Zeit der Geltung des angeblich schärfsten Raucherschutzgesetzes kaum eine Kneipe, die nicht als Raucherclub firmierte. Es gab sogar Raucherclubs mit einer ganzen Reihe von Filialen (so dass man nur in einer Mitglied werden musste). Nahezu alle Gastwirtschaften, in denen Jugendliche verkehrten, waren solche Raucherclubs. Ja, leider ist es hier so: Gott und die Welt rauchen. Apropos: das Argument stammt von meinem jugendlichen nichtrauchenden Sohn, der damit mein Abstimmungsverhalten zugunsten JA beeinflussen wollte.

    Comment by hem — 2.07, 2010 @ 12:29

  12. In der Theorie verstehe ich ja die Kneipenbesitzer die Angst um ihre Umsätze haben, aber fakt ist das hier in Berlin gefühlte 99% aller Kneipen Raucherkneipen sind. Für Nichtraucher ist keine Chance irgendwohin zu gehen und Rauchfrei die Zeit zu genießen.

    Was aber noch schlimmer ist, das die meisten Kneipen ja in einer Wohngegend sind. Der Rauch zieht in den Rest des Hauses und sei es nur durch das offene Fenster. Da fühle ich mich auch ordentlich belästigt.

    @9: Die Raucher zahlen unsere Rente? Die Kosten im Gesundheitssystem für die Folgen des Rauchens dürften denke ich höher sein als das bisschen Tabaksteuer da in die Rentenkasse bringt.

    Comment by mnagy — 2.07, 2010 @ 12:39

  13. @mnagy Wirklich?

    Das Gesundheitssystem spart sich einen Haufen Geld, wenn die Raucher früh wegsterben, das zieht als nicht.

    Comment by gses — 2.07, 2010 @ 12:47

  14. My 2 cents: Es gibt ohnehin genug Gesetze, mit denen Leute vor sich selbst und eigener Dummheit geschützt werden. Auch total absurde Gesetze und die werden auch nicht gelockert oder abgeschafft. Und Nichtraucherschutz macht sogar Sinn. Ich würde auch mit „Ja“ stimmen. Reisst Euch zusammen und hört auf zu qualmen. Ist billiger und gesünder. Und Raucherkneipen sind schön und gut, aber oft wird ein Nichtraucher aus „Gruppenzwang“ in eine Rauchergesellschaft verschleppt und muss den blauen Dunst mit einatmen, nur um sozialen Verpflichtungen nachzugehen. Und dass die Umsätze der Kneipen leiden werden ist doch ein völliger Unsinn. Vielleicht die ersten zwei-drei Monate und dann wirds den Leuten langweilig daheim zu hocken und die werden alle wieder kommen. Wenns überall verboten ist, wird ihnen nichts anderes bleiben. Rauchen macht krank und sollte nicht unterstützt werden. Viel mehr sollen auch junge Leute gar nicht damit anfangen. Die einzigen, die davon profitieren, sind die Tabakverkäufer.

    Comment by fitnesszwerg — 2.07, 2010 @ 14:00

  15. Oder auf liberalem Weg: ALLE Kosten, die durch Verhalten entstehen werden von denen getragen, die sie verursachen.

    Ich fürchte allerdings, dass Zigaretten dann kaum mit Gold aufzuwiegen wären.

    Comment by Dierk — 2.07, 2010 @ 14:11

  16. Also ich als nichtraucher werde mit NEIN stimmen.
    In den meisten kneipen kann man heute rauchfrei essen und trinken. Rauchen ganz zu verbieten ist mir ein zu grosser eingriff in die freiheit der anderen.

    Und das festzeltargument ist zu dünn. Die gesundheit wird im festzelt sicherlich mehr durch die biere geschädigt als das ein oder zweimalige passive rauchen im jahr.

    Mich hat es letztes jahr auf der wiesen gestört das es keine mädels mehr gab die zigarren verkauft haben man also draussen zigarren kaufen musste den das rauchen selbst war erlaubt.

    Also von mir als nichtraucher am sonntag ein NEIN.

    mfg
    yb

    Comment by yah bluez — 2.07, 2010 @ 14:51

  17. Ich halte das Rauchverbot in Kneipen für eine der grössten Errungenschaften der letzten Jahre. So ein Genuss! Den Wirten freizustellen, ob Rauch oder nicht, halte ich nicht für praktikabel, denn das hatten wir vor dem Verbot – jeder Wirt hätte in seiner Kneipe das Rauchen verbieten können. Das hat aber keiner gemacht (mal von ein paar Ausnahmen abgesehen, und da gabs meist auch nur vegetarisch zu essen …).

    Comment by pangu — 2.07, 2010 @ 17:12

  18. Warum sollte man auch nicht in kleinen Kneipen rauchen? Weil da Leute arbeiten! Jugendliche, die in den Raucher-Clubs verkehren, sollte man ebenso schützen. M.

    Comment by mamix — 2.07, 2010 @ 18:37

  19. Der vernüftige Weg wäre in öffentlich zugänglichen Räumen wie an Arbeitsplätzen Grenzwerte (auch) für Tabakrauch festzulegen, die einzuhalten sind. Ob der Wirt dies durch ein Rauchverbot, oder durch eine geeignete Lüftungsanlage sicherstellt, bleibt ihm überlassen.

    Comment by Ein Mensch — 2.07, 2010 @ 18:53

  20. Ein Raucherraum im Restaurant ist wie eine Pinkel-Ecke im Schwimmbad!

    Ich fand das konsequente Verbot richtig und würde mir das auch für NRW wünschen.

    Comment by Chris — 2.07, 2010 @ 22:26

  21. Ich werde mit „Nein“ stimmen, da ich der Ansicht bin, daß der Wirt selbst entscheiden können sollte, ob in den von ihm gepachteten Räumen geraucht werden darf oder nicht.
    Die Wirte sind an mehrjärige Pachtverträge gebunden und nun sollen ihnen auf einmal mehr Vorschriften gemacht werden, als es zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Vertrages gab.

    Einerseits wird der Wirt entmündigt, andererseits aber wieder für die Ruhestörung, die im freien rauchende Gäste zwangsläufig verursachen, verantwortlich gemacht.

    Auch ist das Argument des Jugendschutzes nicht zutreffend: Geraucht werden darf nach dem jetzigen Gesetz ohnehin nur in abgeschlossenen Raucherräumen oder Einraumkneipen unter 75 m², die als solche gekennzeichnet sind.
    Weder zu den Raucherräumen noch zu den kleinen Raucherkneipen haben Jugendliche unter 18 Jahren Zutritt.
    Es wurde in meiner Stammkneipe auch bereits kontrolliert, ob ein entsprechendes Schild am Eingang hängt, daß auf diese Regelung hinweist und ob sich Jugendliche dort trotzdem aufhalten.
    Die Kontrolle ergab, daß alles in Ordnung war.

    In den meisten Gastronomiebetrieben gibt es nach dem jetzigen Gesetz einen aktiven Nichtraucherschutz, der meiner Meinung nach vollkommen ausreichend ist.

    Ein Totalverbot würde nur dazu führen, daß rauchende Eltern eben nicht mehr in die Kneipe nebenan zum Rauchen gehen, sondern dann halt doch daheim ihre Kinder vollqualmen.

    Noch eine Anmerkung zum Schluß:

    Es gab ja hier in Bayern bereits kurze Zeit ein Totalverbot. Dies wurde wieder rückgängig gemacht, darauf hin folgte das Volksbegehren.

    Für das Volksbegehren haben aus meinem Ort 2.900 Leute unterschrieben. Ich runde mal der Einfachheit halber auf 3.000 auf:

    Wäre nur jeder der 3.000 Leute nur ein einziges mal im Monat mehr in ein früheres Raucherlokal gegangen, dann wären das 100 Gäste mehr pro Tag, die sich der frischen Luft erfreut hätten. Diese 100 neuen Gäste hätten sich in meinem Heimatort auf 4 kleine Kneipen aufgeteilt, was jeder Kneipe täglich 25 neue Gäste beschert hätte.

    Die Realität sah leider anders aus: In den Monaten des totalen Rauchverbots war von neuen Gästen NICHTS zu merken. Teilweise standen alle Stammgäste rauchend vor der Türe und drinnen war es leer.

    P.S.: Der Wirt „meiner“ Kneipe hat nach der Aufhebung des Totalverbots für 8.000 € eine neue Lüftungsanlage einbauen lassen, um trotzdem für frischere Luft zu sorgen.

    Comment by Zuth — 3.07, 2010 @ 01:37

  22. Ich bin gegen das totale Rauchverbot. Weil ich selbst weder Raucher noch Tabakhändler bin, gerate ich nicht in den Geruch des Interessenskonflikts.

    Denn es ist mir unerträglich, wenn irgendwer, z. B. Vater Staat, vorschreiben will, wie ein „gesundes“ Leben auszusehen hat.

    Comment by Wolf-Dieter — 3.07, 2010 @ 12:30

  23. „…kann man sich zumeist problemlos eine andere Kneipe suchen.“

    Kann man das wirklich? Ich hab genau dabei nämlich massive Zweifel…

    Die Abschaffung der abgetrennten Raucherräume halte ich dagegen auch für doof.

    Comment by TheK — 4.07, 2010 @ 15:41

  24. Ich verfolgte die Diskussion in Bayern aus der Schweiz, wo es seit langem jedes Jahr sehr viele Sachabstimmungen gibt und eher seit kurzem (kantonal unterschiedliche) Erfahrungen mit Rauchverboten.
    Dass sich die Menschen oft mit einem Ja oder einem Nein schwer tun und eigentlich differenziertere Lösungen wünschten, gehört zur direkten Demokratie, die indes ohne eine Fokussierung auf Ja oder Nein sehr schnell an Grenzen stösst.
    Zum Rauchverbot nur so viel: Die seit Mai in der Schweiz in Kraft stehende Bundeslösung mit einer Ausnahme für Betriebe mit weniger als 80 Quadratmetern, wird ausserhalb der Städte Betriebe ruinieren, die als direkte Konkurrenten mit vielleicht 90 Quadratmetern buchstäblich trocken gelegt werden. Denn Gruppen teilen sich nicht in Raucher und Nichtraucher auf, sondern bevorzugen weitgehend die Raucherlokale. Letztlich ein Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit, der laut Rechtsprechung kaum zulässig wäre.
    Die aktuelle Situation dürfte allerdings nicht Bestand haben, da noch über ein Volksbegehren abgestimmt werden muss, das ein totales Rauchverbot verlangt und sehr grosse Erfolgschancen hat.

    Comment by Markus Felber — 4.07, 2010 @ 15:42

  25. Als ich das letzte (und einzige Mal) auf dem Oktoberfest war, gab es dort mehrere Zelte, insofern verstehe ich den Satz:

    „Während man bei einem Besuch des Oktoberfests nicht die Wahl hat, in ein rauchfreies Zelt zu wechseln,kann man sich zumeist problemlos eine andere Kneipe suchen“

    nicht.

    BTW: Ich bin Nichtraucher – bevor die Aussage hier in eine falsche Motivationsecke geschoben wird :)

    Comment by Reizzentrum — 4.07, 2010 @ 15:53

  26. Ich finde die Bezeichnung „militante Nichtraucher“ ziemlich daneben. Leider konnte mir noch niemand erklären, was daran militant ist, wenn ich in eine gehen Kneipe will und auf dem ersten Meter nach der Tür bereits rückwärts von den Rauchschwaden wieder rausgedrückt werde, weil ich keine Luft mehr kriege.

    Sollte so ein Besuch mit anderen zusammen stattfinden, hieß und heißt das für mich regelmäßig, ausgeschlossen zu sein. Ist meine Lunge jetzt militant?

    Militant fand ich dann schon eher die Aufforderung eines Menschen vor mehr als ein paar Jahren, mich doch gefälligst „desensibilisieren“ zu lassen. Also: Damit andere ihrer Sucht fröhnen können, ohne mich auszuschließen, sollte ich meinen Körper bitteschön dazu zwingen, bewußt eine Schädigung hinzunehmen. Ansonsten sei ich selbst schuld, wenn ich nirgendwo mit hinkönne.

    Ich hatte mit 17 einen massiven Raucherhusten, weil mein alter Herr während meiner Kindheit & Jugend Kettenraucher war. Ich hab damit genug fürs ganze Leben abgekriegt. Der Arzt meinte damals, nachdem ich ihm mehrfach erklärt habe, daß ich wirklich nicht selbst rauche, ich solle mich halt von den Rauchern fernhalten. Damals hatte ich keine Wahl: Ich mußte noch ein Jahr weiterhusten, bis ich volljährig war und endlich abhauen konnte.

    Heute will ich die Wahl haben. Da bestehe ich drauf.

    Nein, ich lebe nicht in Bayern und habe auch nicht vor, dahin zu ziehen. Es wäre schön, wenn’s das härtere Rauchverbot überall gäbe, auch wenn die jetzigen Regelungen auch in NRW ein großer Fortschritt waren. Ein Fortschritt heißt aber nicht, daß man wieder stehenbleiben kann.

    Gruß, Frosch

    Comment by Sabine Engelhardt — 4.07, 2010 @ 15:56

  27. Leider wurde ich als Saarländer nicht zum Nichtraucher-Gesetz gefragt; ein Gericht hat die strengste Regelung in ganz Deutschland allerdings zunächst gestoppt. Hier geht’s quasi nicht anders zu als in Bayern. Ich möchte ich daher argumentativ einmischen:

    Ich stimme vollkommen darin überein, dass in öffentlichen Gebäuden, in Restaurants und -von mir aus- auch auf Konzerten und in Festzelten das Rauchen verboten ist, da einem dortigen Besucher die „Wahl einer Alternative“ nicht vergönnt wird. Gerade in kleinen Kneipen, die als „Raucher“ gekennzeichnet sind, ist allerdings ein Verbot nicht verständlich.

    Zunächst einmal sei es dem Wirt überlassen, welches Publikum er in welcher Atmosphäre bewirtet und ob dabei geraucht wird oder nicht. Jemand, der eine Lokalität betritt, weiß zuvor, dass dort geraucht wird; besteht darüber innerhalb der Kneipe ein Konsens, so ist’s nur ein ungerechtfertigter Eingriff in die Freiheit des Einzelnen (auch sich selbst zu schaden).

    Die Gegenargumente:
    – „Schutz der Angestellten“: Auch als Angestellter ist mir von vorne herein bewusst, dass ich in einem Raucheretablissement arbeite. Wenn ich das nicht möchte, bewerbe ich mich dort nicht. Wie in jedem anderen Metier, das einem nicht liegt, ebenso nicht.
    – „Man wird gezwungen oder ist sozial ausgegrenzt“: Fadenscheiniges Argument, welches ein merkwürdiges Gruppenverständnis offenbahrt.

    Die Umsatzverluste durch ein potentielles Rauchverbot lasse ich gar außer Acht.

    Und noch eine schöne Aussage, die ich heute las: „Statt diesem Unsinn mit Hin und Her sollte man, wenn man ehrlich an der Gesundheit der Bürger interessiert ist, das Rauchen verbieten. Das wäre weniger Scheinheilig.“

    Comment by aSak — 4.07, 2010 @ 15:57

  28. @gses Der Wirt darf nicht einfach so entscheiden wer in seine Kneipe darf und wer nicht, so ist zumindest die Rechtsprechung. Wer polemisch diskutieren muß, dem fehlen vermutlich die sachlichen Argumente.

    Comment by Tuttle — 4.07, 2010 @ 19:20

  29. wenn ich die ganzen Komentare so lese, dann kommt mir das grauen! ich bin selbst Nichtraucher, aber so wie das Gesetzt jetzt ist, wäre es doch absolut ok!!
    wenn das durchkommt, darf ich nicht mal mehr auf meinen Balkon rauchen, weil es dem über mir nicht passt…. oder noch besser….. wann wird der Alkohol in Biergärten verboten….
    sind ja auch viele kranke Alkoholiker unterwegs, die sich gestört fühlen…wenn überall Maßkrüge rumstehen!!!
    ganz davon abgesehen das Alkohol viel mehr das Probelme wäre als das Rauchen!
    wie kleinkariert wir doch alles geworden sind! finde ich tragisch…. ich hoffe mal auf ein vernünftiges Ende!!

    Comment by Nichtrauchre — 4.07, 2010 @ 19:42

  30. Ich kenne einige Wirte, die sich über das heutige Ergebnis freuen werden, da sie nicht mehr wie bisher immer wieder von den Brauereien und Zulieferern Überzeugungsbesuche bekommen, dass sie endlich rauchen in ihren räumen erlauben müssen, weil sie sonst schlechtere Konditionen bekommen.

    Um was es mir Leid tut, sind die richtigen Raucherclubs, von denen es tatsächlich ca 10 Stück in ganz Bayern gibt. Die werden leider vor dem nichts stehen :(

    Comment by _no_one_ — 4.07, 2010 @ 20:12

  31. Man merkt in dieser Diskussion doch sehr schnell, wer Raucher und Nichtraucher ist. ;-)
    Den Vergleich zum Alkohol kann ich nicht nachvollziehen. Mich stört nicht die freiwillige Selbstgefährdung. Von mir aus, soll jeder rauchen bis er umfällt. Was mich stört, ist die (unfreiwillige) Drittgefährdung. Niemand trinkt passiv Bier!

    Comment by Stadler — 4.07, 2010 @ 20:49

  32. Die augenblickliche Lösung schien mir sinnvoll -wer rauchen/es tolerieren will geht in eine Raucher Kneipe. Wer das nicht will geht in eine Nichtraucherkneipe. Wo war das Problem???
    Jetzt müssen wir in jede Kneipe erst durch die vor der Tür stehenden Raucher & ihre Dampfwolke. Die Wahl hatte ich bisher, jetzt haben sich die durchgesetzt, die nicht die Wahl sondern IHR Recht haben wollen. Das kommt raus, wenn Politik zum Selbstzweck verkommen ist. Ich war trotzdem wählen, weil nicht gehen auch keine Haltung ist.

    Comment by Bürgerin XY — 4.07, 2010 @ 20:49

  33. Gott sei Dank! Wir haben endlich ein „richtiges“ Rauchverbot in Bayern – wieder eine Sache weniger über die wir eigenverantwortlich entscheiden müssen! Viele Kneipenwirte werden erleichtert aufatmen das ihnen nun endlich verboten wird die Gesundheit ihrer Angestellten und ihrer Gäste zu gefährden. Wie wäre es denn mit einer Initiative „Gegen Arbeiten bis 67!“. Eine Fließenleger oder Bauarbeiter würde es sicher freuen, wenn ihm verboten wird seine Gesundheit zu gefährden…
    Dafür gäbe es doch sicher irgendeinen Provinzpolitker, der sich völlig uneigennützig für die Gesundheit seiner Mitbürger stark macht.

    Comment by Peter — 5.07, 2010 @ 00:10

  34. „Wer das nicht will geht in eine Nichtraucherkneipe. Wo war das Problem???“ – darin, dass es die „Nichtraucherkneipen“ nur in der Theorie gibt? Darin, dass wenn eine Gruppe von 5 Leuten zusammen irgendwo hin will, de facto dann der eine Raucher (für eine Raucherkneipe) entscheidet und die anderen vier dem folgen oder ohne diesen unterwegs sind (übrigens ist das das in Deutschland übliche Zahlenverhältnis!)? Dass der eine davon, der den Rauch nicht verträgt, dann mit „stell dich nicht so an“ abgebügelt wird, weil ja die Freiheit des Rauchers wichtiger sei?

    Comment by TheK — 5.07, 2010 @ 00:13

  35. Ja,wo ist das Problem gewesen?
    Ich kenne genug Nichrtaucherlokale. Und wenn ich mit Rauchern Probleme hatte, waren die leichter zu lösen als mit Nichtrauchern. Das sage ich mit allem Nachdruck,weil mir die Niohtraucher mindestens so betonniert vorkommen wie die vermeintlich betonnierten Raucher. Wo ist der Dialog, der doch dazu geeignet ist, Differenzen zu befriedigen???? Gibt es neben der schweigenden CSU eine poltitische Komepetenz…. Dummes Volk, nicht leben & leben lassen, dazu fehlt es an wirklichem, gelebtem Leben & leben lassen. Wenn ich persönliches Nicht Durchsetzuingsvermögen über „Volkes Stimme“ ereichen will, dann ist das das Ende der Demokratie.

    Comment by Bürgerin XY — 5.07, 2010 @ 02:14

  36. Als Nichtraucher begrüße ich das Ergebnis des Volksentscheides in Bayern und würde mich freuen wenn wir in allen anderen Bundesländern eine ähnliche Regelung hätten. Deswegen finde ich es auch besonders enttäuschend, dass der Bundesgesundheitsminister sich nicht dafür einsetzen möchte und die Verantwortung den Bundesländer zuschiebt.

    Comment by Marcel — 7.07, 2010 @ 11:34

  37. Hochverehrte Herren.-
    Vielleicht steht mir als Österreicher ein derartiges Urteil nicht zu; da ich jedoch häufig in Bayern verkehre, möchte ich aus meinem Unmut kein Hehl machen. Der Sieg der Gesundheits-Taliban mißfällt mir, aber er paßt zu den linken Zeitgeistschleimern, die sich neuerdings sektenhaft aller Lebensbereiche bemächtigen wollen und rampengeile Agitatoren entsenden um den letzten Rest bayrischer Gaststättenkultur aus der Welt zu schaffen. Sehen Sie sich das bayrische Gasthaus der Zukunft an – nur mehr die Asketen mit ihren faden Visagen werden die Gaststätten bevölkern und in Kürze wird wohl auch der Bierkonsum eingeschränkt werden. Wie bitte wollen Sie jene wirkliche Luftverschmutzung bekämpfen, an der Raucher nachweislich keine Schuld tragen? Autos verbieten, den Verkehr einschränken, Flüge einstellen? Armes Bayern – ein traditionsreiches schönes Land als Vorreiter einer neoautoritären Initiative, die ausgerechnet von grünen Chaoten ersonnen wurde, die sich mangels ernsthafter politischer Konzepte nunmehr der Tyrannei des Individuums verschrieben und sich der breiten Zustimmung aller Glucken und Konjekturalmediziner versichert haben. Sie fegen die heimatliche Gastronomie hinweg – was ist Ihr eigentliches Ziel?

    Comment by Erik Mayer — 18.07, 2010 @ 21:57

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