Internet-Law

Onlinerecht und Bürgerrechte 2.0

19.3.09

Schavan will als Reaktion auf Winnenden Gewaltseiten im Netz sperren

Der Reflex war so vorhersehbar wie sonst noch was. Als Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden will Bundesbildungsministerin Schavan „Gewaltseiten“ im Internet „sperren“.

Hierzu müsste freilich vorab geklärt werden, was „Gewaltseiten“ genau sind und wie und wodurch solche Angebote Einfluss haben auf Taten wie die von Winnenden.

Fest steht aber bereits, dass Access-Sperren wirkungslos und nicht geeignet sind, den Zugriff auf inkriminierte Inhalte nennenswert zu erschweren.

Da es politische Ohnmacht offiziell nicht geben kann, propagieren hilflose Politiker in ihrer Not dennoch auch gerne sinnlose Maßnahmen, um den Eindruck der Untätigkeit zu vermeiden.

Als Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden sollte man sich aber zuerst mit naheliegenden Dingen beschäftigen, wie dem Einfluss der Waffenlobby in Deutschland und den Schützenvereinen.

Denn Menschen werden nicht durch Gewaltseiten und Killerspiele getötet, sondern durch Waffen. Und bei den beiden schrecklichsten Amokläufen von Erfurt und Winnenden haben die Täter den Umgang mit Waffen immer in Schützenvereinen erlernt. Das sollte eigentlich Anlass genug sein, darüber nachzudenken, Jugendliche vom Umgang mit Waffen in Schützenvereinen auszuschließen. Aber dem steht eine mächtige Lobby im Weg. Dann doch lieber wieder eine Phantomdiskussion über Killerspiele und das böse Internet führen.

posted by Stadler at 09:54  

6 Comments »

  1. Michael Glos hatte Gott sei Dank noch Leute, die für ihn das Internet bedienten, Frau Zypries weiß nicht, was ein Browser ist, und die Damen von der Leyen und Schavan scheinen das Internet für eine Bildergalerie zu halten, in der man missliebige Bilder bei Bedarf anhängen kann. Das Kompetenzteam bei der Arbeit!

    Comment by RA JM — 19.03, 2009 @ 11:29

  2. war ja klar, dass die Schavan meint „was die Leyen kann, kann ich schon lang“ :-)
    Mal gespannt, wann dr nächste um die Ecke kommt, dem irgendwelche Seiten nicht passen.
    vielleicht können wir ja bald (Zensur-)Technologie von den Chinesen klauen, dann läufts wenigstens auf dem Gebiet mal umgekehrt ;-)

    Comment by Anonymous — 19.03, 2009 @ 12:03

  3. Alltäglich werden in Nachrichtensendungen Gewaltszenen detailliert vorgeführt. Im Vorabendprogramm des ÖR-Fernsehens geht fast nichts ohne mindestens angedeutete Sexszenen.
    Weshalb kommte es mir so nur vor, als ob es bei der Diskussion über das böse Internet um etwas ganz anderes geht?

    Comment by Anonymous — 19.03, 2009 @ 14:00

  4. Sehe ich ähnlich. Wer sich über Gewalt in den Medien aufregt, der sollte sich vielleicht zuerst das Fernsehprogramm ansehen. Während ich im Internet nach Gewalt wirklich suchen muss, kriege ich es in der Glotze bereits im Nachmittagsprogramm förmlich reingedrückt.

    Comment by Pavement — 19.03, 2009 @ 14:04

  5. Im politischen Rechtsverständnis besteht aber ein massiver Unterschied: Die einen haben quasi gar keine wirtschaftsstarke Lobby (Internetnutzer) und die anderen haben eine massive Lobby (TV-Anbieter) oder gehören gar zum Staat (ÖR).

    Comment by harl3quin — 19.03, 2009 @ 17:31

  6. Von einer starken Waffenlobby kann in Deutschland wohl nicht die Rede sein.

    Menschen werden nicht von Waffen getötet, sondern von Menschen.

    http://ef-magazin.de/2009/03/15/1035-amoklauf-von-winnenden-iv-die-wahl-der-waffen

    Comment by Anonymous — 19.03, 2009 @ 19:21

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